Kapitel 34

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𝗠𝗼𝗿𝗴𝗮𝗻

»Ich hatte Angst.«

Cam weicht meinem Blick keine Sekunde aus, doch seine Stirn kräuselt sich leicht. »Angst wovor?«

Oh Mann. Zeit für Geständnisse. Du schaffst das, Morgan.

»Angst vor meinen Gefühlen.« Ich hielt inne. Schöpfte Mut. Hielt den Atem an. »Vor meinen Gefühlen für dich.«

Die Zeit steht still, die Geräusche um uns verklingen, die Kälte ist nur noch Nebensache. Das einzige, auf das ich mich konzentriere, ist Cam. Mein Puls pocht mir in den Ohren, als ich mitbekomme, wie sein Atem stockt, sein Augen kaum merklich größer werden, sein Kehlkopf hüpft.

Ich lege meine Hand auf seine, die immer noch meine Wange bedeckt. Ich muss weiterreden. Muss ihm alles erklären.

Wage den Versuch.

Ich nehme zittrig Luft. »Ich hatte Angst, das Beste zu zerstören, was mir seit langem passiert ist. Deine Freundschaft.« Ich blinzele schnell die Tränen weg. »Deine Freundschaft ist mir so wichtig. Du bist mir so wichtig. Aber ich kann auch nicht mehr verdrängen, dass da mehr ist. Ich kann nicht mehr aufhören, an dich zu denken. An das, was du in mir auslöst. Aber ich will eben auch nicht das verlieren, was wir haben. Du hast mir gezeigt, was es bedeutet, richtige Freunde zu haben. Und ich ...« Meine Stimme verliert sich, und genauso auch mein Mut, als Cameron nichts erwidert und mich nur stumm ansieht.

Oh Gott, was habe ich getan?

Du verdienst es, glücklich zu sein. Die Stimme meiner Tante schiebt sich in meine Gedanken, und ich gebe mir einen mentalen Schubs. Ich habe bereits begonnen, ich kann es also auch beenden.

Ich schlucke, öffne die Augen und klappe den Mund auf-

»Ich fühle das selbe.«

Ich blinzele. Mehrmals. Und noch mal. Und dann noch einmal.

»W-was?«

Cam setzt sich auf, seine andere Hand, die vorher beinahe unsichtbar auf meiner Hüfte gelegen hatte, umfängt nun auch noch mein Gesicht. Er schluckt schwer, doch in seinen Augen kann ich nichts als Aufrichtigkeit lesen. Und genau das selbe Maß an Verletzbarkeit wie ich es fühle.

»Morgan.« Er lehnt sich vor, sodass unsere Nasenspitzen sich beinahe berühren. Meine Hände finden wie von selbst ihren Weg auf seine Schultern. »Verdammt.« Ein ungläubiges Lachen bricht aus ihm hervor. »Als wir uns geküsst haben. Letzte Woche, in der Eishalle. Weißt du, wie ich mich da gefühlt habe?«

Ganz leicht schüttle ich den Kopf, doch er braucht mich gar nicht, er beantwortet seine Frage bereits selbst.

»Ich habe mir gewünscht, dass wir ewig in diesem Moment bleiben können.«

Meine Augen füllen sich mit Tränen, doch nicht mit der Art von vorhin. Mit der besseren Art. Meine Brust wird weit und mein Herz kann gar nicht mehr aufhören, wie wild zu schlagen. Passiert das gerade wirklich?

»Wann ist daraus mehr geworden?«, hauche ich, mein Mund nur Millimeter von seinem entfernt.

»Ich weiß nicht«, gibt er genauso leise zurück. Sein Gesicht meinem so nah. »Wahrscheinlich schon, als du komplett durchnässt in meinem Wagen saßt und mich zu meiner Haarspange ausgefragt hast.«

Ich grinse. »Also war es doch deine.«

Schnaufend lehnt Cam seine Stirn an meine. »Na schön, du hast mich erwischt.«

Cams eine Hand wandert zurück zu meiner Hüfte, zieht mich näher zu sich. »Oder es war, als du weinend in meinen Armen gelegen hast und von mir verlangtest, dass bei dir kein Mitleid erlaubt ist, und das einzige, was ich so unbedingt tun wollte, war, dich festzuhalten und nicht mehr loszulassen.«

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