Kapitel 30

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𝗖𝗮𝗺𝗲𝗿𝗼𝗻

Ich glaube, ich bin ohnmächtig. Oder ich träume.

Ganz egal, was es ist, ich möchte nicht, dass es wieder aufhört.

Vielleicht werde ich es bereuen, aus einem Gefühl heraus gehandelt zu haben. Vielleicht werde ich mir später dafür in den Hintern treten. Doch gerade jetzt kann ich kein Fünkchen Reue empfinden, während Morgans weiche Lippen auf meinen liegen. Der Moment, indem ihre alten Freunde in unsere Nähe traten und sofort wieder diese Unsicherheit von Morgan Besitz ergriffen hat, fiel mir nichts anderes ein, als ihr die Wahrheit über sich zu sagen. Wie stolz ich auf sie bin, dass sie sich von Gallagher und seinen Schoßhündchen nicht hat unterkriegen lässt; wie sehr ich sie für ihre Stärke und für ihren Mut bewundere.

Ich habe in ihren Augen gesehen, dass da etwas ist. Etwas, das mich überzeugt hat, keine ihrer Grenzen damit zu überschreiten, indem ich sie küsse. Und verdammt, warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht? Die Energie, die durch mich hindurchraste, als unsere Münder sich berührten, das Kribbeln, dass in meinem ganzen Körper zu spüren ist, obwohl es nur ihre Hand ist, die auf meiner Brust liegt. Und obwohl es nur ein eher zaghafter, prüder Kuss ist, ist alles an ihm berauschend.

»-kann es einfach nicht fassen! Ruf mich nicht noch einmal an, Arschloch. Wir sind durch!«

Der Bann ist gebrochen, als Morgan sich leicht von mir löst, um mitzubekommen, wie ihre rothaarige Freundin in Tränen ausgelöst an uns vorbeistürmt, gefolgt von der Blonden, die ihr hinterher rennt und ihren Namen ruft.

Ich schlinge einen Arm um Morgans Taille, als Gallagher, Hunter und Jax an uns vorbeikommen, wobei Tristans Blick auf meine Hand an Morgans Hüfte fixiert ist. Nimm das, Wichser.

Als das Trio weiterzieht und durch den Ausgang verschwindet, atmet Morgan hörbar aus. »Oh wow, es hat funktioniert.«

Ihre Worte sind wie eine eiskalte Dusche.

Es hat funktioniert.

Räuspernd entferne ich mich von ihr. »Yep. Das war es, was wir wollten.« Ich wende den Blick ab, damit sie nicht sieht, wie enttäuscht ich mich gerade fühle. Natürlich erwidert sie den Kuss nur, um den Schein zu wahren. Dafür haben wir immerhin diesen ganzen Plan mit der Fake-Beziehung aufgestellt. Um Gallagher zur Weißglut zu bringen.

Gott, ich bin so ein Idiot.

Und dann bin ich es auch noch gewesen, der meine Hand weggezogen hat, als wir im Cheesy's die Regeln für dieses ganze Fiasko aufgestellt haben. Wo ist meine Entschlossenheit, nicht alles zu verkomplizieren, jetzt geblieben?

Ich vergrabe meine Hände in den Hosentaschen, um den Drang zu widerstehen, mir selbst eine reinzuhauen. »Brauchst du eine Mitfahrgelegenheit? Ich kann dich nach Hause fahren.« Ich begegne nur ganz kurz ihren schokoladenfarbenen Augen, bevor ich wieder wegsehe, doch ich hätte schwören können, dass so etwas wie Schmerz in ihnen aufflackerte.

Ihr Mund klappt auf, wahrscheinlich, um mir zu sagen, dass wir jetzt nicht noch mehr unangenehme Zeit miteinander verbringen sollten, als ihr eine andere, deutlich tiefere Stimme zuvorkommt. Wir beide erstarren.

»Sie fährt mit mir. Und sie hat mir einiges zu erklären.«

•••

𝗠𝗼𝗿𝗴𝗮𝗻

Das wird unglaublich peinlich.

Ich streiche das weiße Kleid mit den verschiedenfarbigen Blumen, die als blasses Muster auf den Stoff gedruckt sind, nun bereits zum fünften Mal glatt. Der dünne hellbraune Gürtel schnürt mir die Luft ab, dabei sitzt er eigentlich locker. Meine Haare sehen verstrubbelt aus, dabei habe ich die letzte halbe Stunde damit verbracht, mit der Bürste durchzugehen.

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