Kapitel 23

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𝗖𝗮𝗺𝗲𝗿𝗼𝗻

Ich könnte in dem Braun von Morgans Augen ertrinken. Mein ganzer Körper kribbelt, seit Morgan ihre Hand auf meine gelegt hat. Ich konnte gar nicht anders, als unsere Finger miteinanderzuverschränken.
Was auch immer sie mit mir macht, es bringt mich in Schwierigkeiten. Als mein Blick dann schließlich an ihre Lippen hängenbleibt, weiß ich, dass ich Abstand schaffen muss.

Ich drücke kurz ihre Hand, bevor ich mich von ihr löse und nach meinem Glas greife.

Ich meine, was ich gesagt habe; das letzte, was ich will, ist, dass Morgan sich unwohl mit unserem Plan fühlt. Es ist immerhin gerade mal zwei Wochen her, seit ich sie zu unserem Freundschaftsding überreden konnte. Jetzt dieses ganze Drama mit den Beziehungsgerüchten wird sie hoffentlich nicht wieder zurück in ihr Schneckenloch schicken. Da braucht sie erst recht nicht, dass ich ihr womöglich falsche Signale senden könnte.

Aber verdammt! Seit dieser beschissenen Poolparty ist Morgan die ganze Zeit in meinem Kopf. Wie sie nur in Unterwäsche vor mir steht und ich an nichts anderes mehr denken konnte, als diese weiche Haut zu berühren. Wie sie mir ihre verletzliche Seite gezeigt hat, auf der Party und auch in meinem Wagen. Ich wollte sie am liebsten nie mehr loslassen, als sie in meinen Armen gelegen hat.

Ich mag Morgan echt gerne. So sehr, dass es mir allmählich Angst macht. Denn, so oft ich auch an sie denke oder an die Frage, wie sich ihr Mund auf meinem anfühlen würde, kann ich keine feste Freundin gebrauchen. In meinem Leben herrscht genug Scheiße, mit der ich mich herumschlagen muss. Und Eishockey ist meine oberste Priorität. Ich brauche ein Stipendium, ansonsten kann ich mir das College nicht leisten und meinen Traum, später in der NHL spielen zu können, kann ich dann auch vergessen.

Außerdem schulde ich meiner Mutter etwas. Sie musste durch meinen Vater so viel durchmachen, schuftet sich den Arsch ab, um mir ein gutes Leben zu ermöglichen. Ich will sie stolz machen. Ihr zeigen, dass nicht alles umsonst war. Und ich will verdammt noch mal genug verdienen, damit ich ihr endlich ein besseres Leben ermöglichen kann. Denn sie verdient nichts als das Beste.

Indem ich das zwischen Morgan und mir verkompliziere, tue ich uns beiden keinen Gefallen. Sie hat verdammt viel Scheiße wegen Tristan und ihren Arschloch-Freunden durchmachen müssen, sie und ihr Herz dann in irgendwas zu ziehen, was sowieso kein gutes Ende nehmen wird, hat sie nicht verdient.

Wir sind Freunde, und mit dieser Fake-Beziehung helfen wir uns beide aus. Und es ist die perfekte Rache an Gallagher.

Wenn ich nur an seine angesäuerte Miene von heute denke, als ich Morgan an mich gezogen habe. Das Gefühl von Genugtuung ist mit nichts zu vergleichen. Er hat in den vergangen Wochen so viel Scheiße über sie erzählt, und hat es auch heute mit Trash-Talk beim Training probiert. Wir haben uns fürs Face-Off in dem Kreis in der Mitte aufgestellt, weil der Coach mal wieder ein Probespiel sehen wollte. Er hat mich mit seinen widerwärtigen Worten beinahe gekriegt. Doch Deacon hat mir Vernunft zugeredet, dass das ja genau das ist, was Gallagher will. Und er hat recht. Es ist aber nicht weniger frustrierend.

Der Kerl war beinahe zwei Jahre mit ihr zusammen, und ich kenne sie noch nicht einmal einen ganzen Monat und trotzdem habe ich bereits längst erkannt, was für eine wundervolle Person Morgan ist. Ich kann einfach nicht verstehen, wie er sie so behandeln kann.

Morgan räuspert sich und zieht ihr Hand zurück. »Ja, du hast recht. Wir sollten nichts überstürzen.«

Ich nicke und ignoriere das dumpfe Gefühl in meiner Brust.

Wir stellen noch die Regeln fest, die ziemlich nah an unsere Bedingungen herankommen.

REGELN
- 𝑁𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑙𝑎̈𝑛𝑔𝑒𝑟 𝑎𝑙𝑠 𝑑𝑟𝑒𝑖 𝑀𝑜𝑛𝑎𝑡𝑒
- 𝙠𝙚𝙞𝙣𝙚 𝙖𝙣𝙙𝙚𝙧𝙚𝙣 𝙙𝙖𝙩𝙚𝙨 (𝐴𝑢𝑠𝑛𝑎ℎ𝑚𝑒: 𝐸𝑠 𝑖𝑠𝑡 𝑆𝑒𝑒𝑙𝑒𝑛𝑣𝑒𝑟𝑤𝑎𝑛𝑑𝑡𝑠𝑐ℎ𝑎𝑓𝑡)
- 𝙠𝙚𝙞𝙣𝙚 𝙛𝙖𝙢𝙞𝙡𝙞𝙚𝙣𝙗𝙚𝙠𝙖𝙣𝙣𝙨𝙘𝙝𝙖𝙛𝙩𝙚𝙣
- 𝐾𝑒𝑖𝑛 𝑢𝑛𝑎𝑛𝑔𝑒𝑏𝑟𝑎𝑐ℎ𝑡𝑒𝑠 𝐴𝑛𝑓𝑎𝑠𝑠𝑒𝑛
- 𝙠𝙚𝙞𝙣𝙚 𝙠𝙞𝙩𝙨𝙘𝙝𝙞𝙜𝙚𝙣 𝙨𝙥𝙞𝙩𝙯𝙣𝙖𝙢𝙚𝙣 (𝑂ℎ 𝑗𝑎!!!)

Eine von Morgans Regeln brennt wie Säure in meinem Magen.

Kein unangebrachtes Anfassen.

Als sie den Punkt notiert und mir zugeschoben hat, damit ich weitermachen kann, hat sie schnell zur Seite geschaut und nervös ihre Unterlippe zwischen die Zähne gezogen.

Ich habe es nicht kommentiert und eine weitere Regel hinzugefügt, doch am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen.

Hat er das getan?, wollte ich fragen. Hat er dich irgendwo angefasst, wo es dir unangenehm war oder du dich nicht wohl gefühlt hast?

Am liebsten hätte ich auf etwas eingeschlagen. Vorzugsweise auf Gallaghers Gesicht.

Um sie wieder zum Lächeln zu bringen, habe ich auf dem Weg zu ihrem Haus noch bei Molly's gehalten und ihr Donuts mit pinken Zuckerguss und Streuseln gekauft.

Es ist zwar nur ein kleiner Schritt, aber ich möchte, dass sie mir vertraut. Dass sie weiß, dass sie sich mir anvertrauen kann, so wie sie es auf der Party getan hat.

Ich bin nicht wie Tristan.

--

»Warum musst du mich denn schon so früh zurückbringen?« Auden lässt begossen die Schultern hängen, als ich am Straßenrand vor Morgans Haus halte. Meine Finger fliegen über mein Handydisplay, als ich ihr schreibe, dass ich da bin, und sofort kommt eine Antwort, dass sie in fünf Minuten draußen ist.

»Tut mir leid, Kumpel, aber der Ausflug zum See steht schon lange fest.« Mein zerknirschter Blick mindert auch nicht Audens Enttäuschung. Ich hasse es, ihn wieder zu sich nach Hause zurückbringen zu müssen, aber leider kann er nicht ewig bei mir bleiben, weil seine Mutter dann bei uns aufschlagen würde, um ihn nach Hause zu zerren, und das kann ich meiner Mom nicht antun.

Auden zieht die Nase hoch und sieht dann aus dem Fenster. Mein Herz zieht sich zusammen bei der Geste, weil ich weiß, dass er auf diese Weise versucht, gegen die Tränen anzukämpfen.

Ich öffne den Mund, um ihn weiter zu besänftigen, als auch schon die Beifahrertür aufgerissen wird und eine überrascht dreinblickende Morgan vor uns steht.

»Oh, sorry, hab dich nicht gesehen. Ich setze mich nach hinten.« Sie will gerade wieder die Tür schließen, doch ich halte sie auf.

»Nein, alles gut. Auden kann sich nach hinten setzen. Ich muss ihn sowieso noch abladen.«

Morgan sieht zur Seite und tritt etwas unruhig von einem Fuß auf den anderen, eine kleine Strandtasche hängt ihr über der Schulter. »Schon gut.« Bevor ich erneut protestieren kann, ist die Tür wieder zu und Morgan klettert hinten rein.

»Hey, ich bin Morgan.« Sie wirft Auden ein freundliches Lächeln zu, während sie sich anschnallt und ich den Wagen wieder auf die Straße bringe. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Auden flüchtig nach hinten schaut und dann mit leiser Pieps-Stimme sagt: »Ich bin Auden. Hi.«

Morgan scheint es nicht zu irritieren, ihr Blick richtet sich sofort aus dem Fenster, und ich merke, dass sie meinem Blick ausweicht. Ich mache mir eine innerliche Notiz, da später nachzuhaken, bevor ich meine Aufmerksamkeit wieder auf meinen Bruder richte, dessen Gesicht knallrot ist.

Interessant.

Scheinbar bin ich nicht der Einzige, den Morgan in ihren Bann gezogen hat.

The PactWo Geschichten leben. Entdecke jetzt