Kapitel 35

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𝗖𝗮𝗺𝗲𝗿𝗼𝗻

Das kommt mir alles so unwirklich vor.
Morgan liegt in meinen Armen.
Morgan hat mir ihre Gefühle gestanden.
Morgan hat mich geküsst.
Niemals hätte ich gedacht, dass das wirklich passieren würde. Dass sie meine Gefühle erwidern würde.

Ihr fruchtiges Parfüm liegt mir in der Nase, als ich mein Gesicht in ihren Haaren vergrabe. Meine Hand wandert in beruhigenden Kreisen über Morgans Rücken. Wir sitzen nun schon seit über einer Stunde hier draußen, und seit Morgans Tränen getrocknet sind, erzählt sie mir Geschichten über ihre Mom, während sie Sternbilder auf meinem Oberschenkel nachzeichnet. Sie wisse sie alle auswendig, weil das Suchen der Sternbilder die Lieblingsbeschäftigung ihrer Mom gewesen war, wenn sie die jüngere Morgan nach einem schlechten Tag aufheitern wollte.

Ich weiß nicht, wie mit einem Mal alle Mauern zwischen uns gefallen sind, doch nichts in der Welt würde mich dazu bringen, diese Mauern zurückzuwünschen. Alleine, dass Morgan sich überwunden hat mir mehr über ihre Mom zu erzählen, obwohl das Thema ganz klar einer tiefen Wunde gleicht, macht sie unglaublich stark. Ich habe Angst, mich zu bewegen und uns damit aus diesen Moment zu reißen. Dass dann plötzlich alles wie vorher ist; Morgan sich zurückzieht und ich zu feige bin, um mir meine Gefühle einzugestehen.

Die Tür zum Garten fliegt mit einem Mal auf und der gedämpfte Bass von innen schallt nun lautstark zu uns. Morgan hebt den Kopf, als Eve zu uns nach draußen tritt.

»Hey, was macht ihr denn hier draußen? Du schuldest mir noch einen Tanz.«

Ich merke gar nicht, wie ich automatisch meine Arme um Morgan enger schließe, bis sie sich ein klein wenig aufstemmt und mich mit schief gelegten Kopf ansieht. Die Decke, die ich vorhin um ihre Schultern drapiert habe, rutsch bei der Bewegung ein Stück nach unten und legt das enganliegende Top frei, das sie trägt und das Unmengen an glatter, weicher Haut freigibt. Erst als meine Lippen einen sanften Kuss auf ihr freiliegendes Schlüsselbein hauchen und Morgan unter mir erschauert, realisiere ich, was ich getan habe. Ich ziehe mich hastig zurück, nur um zu sehen, wie Morgan errötend den Kopf wegdreht. Doch ihre Finger verflechten sich auf einmal mit meinen, und mein Körper entspannt sich wieder.

Morgan dreht sich zu Eve. »Ein Tanz.«

Eve springt quietschend und klatschend auf und ab. Es wundert mich, dass sie mir Morgan nicht längst entrissen hat. Morgan kommt lachend auf die Beine und macht einen Schritt auf Eve zu, hält dann allerdings noch mal inne. Der Verlust ihrer Wärme ist nur noch halb so schlimm, als sie sich zögernd zu mir umdreht, ihre Hände auf meine Schultern legt und mir einen zaghaften Kuss auf den Mundwinkel drückt.

»Hau bloß nicht ab«, befiehlt sie mir, als sie sich zu Eve gesellt und mich mit so lautem Herzklopfen zurücklässt, dass ich glauben könnte, er würde sogar das Wummern der Musikboxen übertönen.

»Ich denke nicht mal dran.«

Auf Morgans Gesicht breitet sich das schönste, strahlendste Lächeln aus, dass ich am liebsten aufgesprungen wäre und sie zurück zu mir geholt hätte.

Als die beiden durch die Tür verschwinden, wird ihr Platz von einem wankenden Sawyer eingenommen. »Eyyyy Caaaap!«

Ich stemme mich kopfschüttelnd auf und eile zu meinem Freund. »Wo asd du dsie ganse Seit gesteckt?«

»Komm, Mann«, ich klopfe ihm auf die Schulter, »wir holen die erst mal ein Wasser.«

»Mit Waser meins du Schnapps?« Er sieht mit rotgeäderten Augen hoffnungsvoll zu mir auf. Ich schüttle bloß grinsend den Kopf und bugsiere Sawyer nach innen.

•••

»Alder, Cap, du siest se an wie n Stalker.«

The PactWo Geschichten leben. Entdecke jetzt