Kapitel 46

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PoV. ~ Silas

Mit leisen Sohlen liefen Leon und ich über das feuchte Gras und blieben bei der Mauer stehen, welche das Anwesen von Ash und seinen Leuten umkreiste.

Stets wachsam und auf unsere Umgebung lauschend, passierten wir das Tor welches nicht verschlossen war, da sich nie jemand freiwillig hierher verirren würde.

Ich deutete Leon an mir zu folgen und gemeinsam liefen wir von der Straße weg und durch den Wald um zu dem großen Gebäude zu gelangen.

Die Nacht war kalt und dunkel, nur wenige Sterne erhellten den Weg vor uns, doch das machte mir nichts weiter aus.

Ich grinste. Vampire konnten allgemein gut in der Nacht sehen, allerdings vereinfachte es mir meine Fähigkeit nochmal.

Ich hatte die Kraft Schatten zu Kontrollieren, in welcher Form auch immer.

Seien es Schattengestalten welchen ich meinen Willen aufzwang, erschaffene Waffen und Kleidung oder auch nur um den Geist von jemand anderen zu vernebeln.

Als ich noch sehr jung war, war diese Welt noch ein bisschen anders.

Ich lebte seit über 1500 Jahren, lies aber alle in dem Glauben das ich nicht älter als 500 Jahre war.

Damals gab es noch andere Wesen als Vampire auf dieser Welt. Uralte Magie und Kräfte von welchen diese Welt nicht zu träumen wagte.

Mein damaliger Mentor hat mir gezeigt wie ich mit meiner Kraft umgehen konnte und in all der Zeit hatte ich diese absolut Perfektioniert.

Leon wusste nur das ich mit meinem Speichel Wunden heilen konnte, sonst hatte er keine Ahnung von meinen Fähigkeiten und das war auch gut so.

Je weniger darüber bescheid wussten, desto besser.

Leon lief mir geradewegs in den Rücken, als ich plötzlich einfach stehen blieb, da ich ein Geräusch gehört hatte.

Ich umfasste sein Handgelenk und zog ihn mit mir hinter einen Baum.

Ich legte einen Finger auf meine Lippen und deutete ihm so an ja den Mund zu halten.

Es war schon schlimm genug, das wir unseren Geruch nicht verdecken konnten, da mussten wir uns nicht durch Geräusche verraten.

Ich trat einen Schritt zurück und lies meine Magie frei.

Unter meinen Füßen züngelten schwarze Schatten hervor, ich formte daraus mit einem Schnippen einen kleinen Raben welcher in der Nacht verwechselnd echt aussah.

Ich schloss meine Augen und drang mit meinem Geist in das kleine Schattengeschöpf ein.

Leihe mir deine Augen und Ohren, sofort erhob sich der kleine Vogel mit kräftigen Flügelschlägen in die Luft und überflog das Gelände der Burg.

Der Mond spiegelte sich leicht in dem dunklem Marmor dieses Gebäudes.
Das ganze Anwesen war stockdunkel, bis auf den Thronsaal, dieser wurde durch schwaches Kerzenlicht erhellt.

Ich sah alles durch die Augen des Schattens, welcher sich in den Sinkflug fallen lies, auf einer Laterne vor einem Fenster landete und geradewegs hineinspähte.
Da der Vogel außerhalb des Gebäudes war konnte ich leider nichts hören, aber sehen war schonmal besser als nichts.

Ich sah Ash der natürlich auf seinem Thron saß, hinter ihm Ben und Lydia stationiert die scheinbar gerade die Schicht für die Wache hatten. Na ganz toll.

Gerade als ich den Schatten befehlen wollte wegzufliegen, wurde die Tür aufgestoßen, was man nur daran erkannte, das die drei Vampire in diese Richtung sahen.
Ein grausames Lächeln direkt auf Ash's Gesicht.

Ich drehte meinen Kopf leicht nach rechts und der Schatten passte sich meiner Bewegung an.

Durch die Tür kamen drei Vampire, jeder mit einer Geisel in den Armen.

Der erste hielt einen anderen Vampir fest, was man daran sehen konnte das er deutlich Mühe hatte den fast stärkeren in seinem Griff gefangen zu halten.

Zwei andere hielten Menschen in ihren Armen.

Ein kleiner Lockenkopf mit honigblonden Haaren sah absolut zerbrechlich und hilflos in den starken Armen des Vampires aus.

Der andere war Luca, da ich schon wusste wie dieser aussah, konnte ich ihn gleich zuordnen.

Alle drei waren verletzt, aber Gott sei Dank nicht so schlimm, als dass es aktuell eine Gefahr für sie darstellen würde.

Ich drehte meinen Kopf wieder nach links und warf einen Blick auf Ash.

Dieser Grinste immer noch, seine Augen glühten in einem intensiven rot und strahlten so viel kalten Zorn aus.
Leon und ich mussten uns echt beeilen.

Ich befahl dem Schatten sich wieder in die Luft zu erheben und das tat der Kleine auch.

Kurz nachdem er das Fenster hinter sich gelassen hatte und so nicht mehr ersichtlich war, löste ich die Illustration auf.

Der kleine Vogel verpuffte in einer kleinen silbernen Wolke.

Ich öffnete meine Augen und zwang meine Magie wieder zurück.

Leon stand da und starrte mich nur an, sichtlich verwirrt was gerade passiert war.

„Wir müssen uns beeilen. Ich denke Ash kommt gerade zu seinem großen Finale."

Sofort huschten wir über die Wiese und machten uns auf den Weg in diese Burg.

Love me, VampireWo Geschichten leben. Entdecke jetzt