6 Wochen später
Das Flugzeug brach durch die Wolken und ich freute mich sehnsüchtig den Boden endlich wieder unter den Füßen zu haben. Fliegen war wirklich nicht meine Stärke und schon gar nicht so viele Stunden. Die Zeitverschiebung steckte jetzt schon tief in meinen Knochen und wurde nur von der inneren Unruhe im Zaum gehalten. Die Unruhe fing an als wir Deutschland erreichten und wurde immer schlimmer umso näher wir Dortmund kamen. Es war nur noch eine Frage von Minuten bis wir aufsetzen und ich das erste Mal in meinem Leben deutschen Boden berühren würde. Mein Herz klopfte so wild das ich Probleme hatte zu atmen. Tyler neben mir hüpfte rum wie ein Gummiball, was an meinen Nerven zusätzlich zerrte. Meine Mutter saß am Fenster und als sie sich kurz zu mir drehte und "gleich bin ich wieder zu Hause" sagte, konnte ich die Tränen in ihren Augen sehen. Es berührte mich zu tiefst und machte meine Sorgen, Ängste und sonstige Bedenken ganz klein. Mir wurde bewusst, wie sehr sie gelitten haben musste über all die Jahre und um wieviel es schlimmer geworden sein musste als sie merkte, das ihr Traum von dem Märchen "Liebe" zu Ende geträumt war. Sie tat mir unendlich leid und ich überlegte mir ob es wirklich solch eine gute Idee war nach Marco zu suchen. Was ist wenn es mir gleich gehen würde, nur das ich in ein paar Jahren um Miami weinen würde? Ich versuchte mich auf das letzte Gespräch mit David zu konzentrieren, der mir schon gebetsmühlenartig erklärte, ich solle es erst einmal versuchen, bevor ich den Kopf wegen einem "hätte, wäre, wenn" in den Sand steckte. Ich sollte mich meiner Gefühle stellen, hatte er gesagt und erst schauen wie Marco überhaupt in seinem gewohnten Umfeld auf mich reagierte. Urlaub und Heimat wären zwei paar Sachen, hatte er gesagt und ich soll mutig sein. Mutig sein war gar nicht so einfach, zumal ich überhaupt nicht wusste was auf mich zukam und das hatte nicht nur was mit Marco zu tun. So wie meine Mutter aussah, gab es für sie kein Zurück mehr und was würde dies für mich und meine Zukunft bedeuten? Da waren sie wieder, die 1000 fragen die mir meinen Verstand blockierten. Im nächsten Moment setzte die Maschine auf und ich applaudierte innerlich. "Endlich sind wir da. Los raus hier"-"Mum wir kommen deswegen nicht schneller aus der Maschine raus. Wir sind nämlich nicht alleine" ich zeigte auf den Mittelgang, der sich schon mit Menschen gefüllt hatte. Die alle gleichzeitig ihre Taschen aus dem Fach über den Sitzen raus zogen. "Wir werden warten müssen"-"ja, weil du nicht gleich aufgestanden bist"-"Mum! Die Türe ist ja noch nicht mal offen" seufzend ließ sie sich wieder in ihren Sitz zurück fallen und gab sich offensichtlich geschlagen. Wir blieben schlussendlich so lange sitzen, bis man auch wirklich von einem Durchkommen sprechen konnte. Doch das Jammern war an dieser Stelle noch nicht beendet, denn es ging am Gepäckband weiter und weil ihre Schwester nicht gleich sichtbar war, gab es die nächste Lawine. Endlich konnten wir Tante Marion ausmachen, die kräftig mit den Armen winkte als sie uns entdeckte. Dann brüllten sie, meine Mutter und meine Tante, im Chor los und rannten auf einander zu um sich innig zu umarmen. Das war dann auch der Moment in dem ich feuchte Augen bekam. Sie jauchzten und jubelten ohne Unterbrechung und die Tränen kullerten in breiten Bächen die Wangen hinunter. Dann wurde auch endlich Tyler und ich war genommen. Die Umarmung die wir bekamen war nicht weniger herzlich und wenig später waren unsere Koffer verpackt und wir saßen schon wieder. "Es ist nicht besonders weit" lächelte meine Tante in den Rückspiegel und dann, schnatterte sie mit ihrer Schwerster um die Wette. Die ganze Strecke! Ohne einmal Luft zu holen! Dann hielt das Auto an und wir standen vor einem recht großen Haus "Home sweet Home, meine Lieben. Da sind wir"-"Oh es sieht noch so aus wie damals als ich ging"-"naja, einen neuen Anstrich hat es schon mal zwischen durch bekommen" lachte Marion auf und stieg aus. Wir wuchteten gerade unsere Koffer wieder aus dem Auto, als die Haustüre aufging und ein Hund raus gerannt kam, der ein junges Mädchen und ein älteren Mann im Schlepptau hatte. "Mathias kennst du ja noch" sagte Marion zu meiner Mutter und sah dann zu Tyler und mir rüber "das ist mein Mann und meine Tochter Chantal". Sie schob das Gartentor auf und wurde angesprungen von dem Hund "und das ist unser wichtigstes Familienmitglied, unser alter Herr Wilson" sie wuschelte kräftig dem zotteligen schwarzen Hund durchs Fell und redete auf ihn ein, wie auf ein kleines Kind. Ich musste grinsen, da ich solch ein Verhalten einfach nicht verstehen konnte. "Jetzt kommt erst einmal rein. Ich habe Kuchen gebacken und später gehen wir essen. So ganz zur Feier des Tages". Marion zeigte uns die Zimmer in denen wir die nächsten 3 Wochen schlafen würden und dann ging es an den Kuchen und zur Freude meines Hinterns, saßen wir schon wieder. Ich wäre lieber einmal quer durch die Stadt gelaufen, nur um zu laufen und vielleicht eine Spur von Marco zu finden. "Ihr habt es aber ganz schön mild für die Jahreszeit. Das kenne ich so gar nicht mehr", mild? Ich fror. Mir war es kalt bis in die Haarspitze und meine Mutter sprach von "mild". Wenn dieses Wetter nur "mild" war, wollte ich vielleicht auch gar nicht mehr wissen wie hier ein richtiger Winter aussah. Ich lauschte nur mit halben Ohr was am Tisch geredet wurde und bei einem Blick zu Chantal, stellte ich fest, nicht allein zu sein mit dem Desinteresse. Chantal war etwa 18 oder vielleicht auch schon 20 und sehr auf ihr Äußeres bedacht. So machte es zumindest den Eindruck und dann wurde ich durch lautes Gebell in meinen Gedanken unterbrochen. "Oh da kommt Alex. Er hatte Fußballtraining und versprochen gleich zu kommen um euch zu begrüßen" klärte uns Marion auf und da stand dann auch schon, ganz gegen meine Erwartung, ein strammer Kerl vor uns. Er warf seine Tasche in eine Ecke, knallte Magazine auf den Kaffeetisch und begrüßte uns dann. Ich hatte zwar was von einem Sohn gehört in einigen Gesprächen zwischen meiner Mutter und Marion, doch ich ging von einem kleinen Jungen aus. So hatte ich ihn auf jeden Fall in Erinnerung von den spärlichen Bildern die ich kannte. Vielleicht etwas älter als Tyler aber sicher nicht in meinem Alter. Mein Blick ging an ihm hoch und runter. Blieb an der ein oder anderen Stelle etwas länger haften und ich war froh das wir verwandt waren, oder? Fußballer schienen auf jeden Fall einen starken Eindruck auf mich zu machen, seit neustem. Ich konzentrierte mich wieder auf näheres im Sichtfeld und das stockte mir dann den Atem. Die Magazine, die Alex auf den Tisch gelegt hatte, waren Sportzeitungen und von dem obersten Cover sprang mir Marco entgegen.
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A little Dream of you and me
FanfictionChrissy ist 24 Jahre alt und lebt in Miami. Ihr großer Traum ist es einmal Grundschullehrerin zu werden. Ihr Leben ist nicht perfekt, aber schön. Auch wenn ihre Eltern gerade im Begriff sind, sich scheiden zu lassen und ihre Mutter zurück nach Deuts...