Kapitel 44

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„Hat dir Chantal schon mehr gezeigt als nur die Läden?" Alex grinste mich wissend an als er mich dies fragte und ging wohl auch gar nicht davon aus, dass ich ihm irgendwas anderes erzählen würde als „Nein". Ich musste natürlich schmunzeln und erntete dafür einen leichten bösen Blick und weil ich es mir nicht ganz mit ihr verscherzen wollte sagte ich "wir waren auch schon beim Training vom BVB"-"ach, echt? Du interessierst dich für Fußball? Hätte ich ja nicht gedacht"-"sie hat auch mehr Interesse auch nur an einem Spieler". Nun war ich es, die einen bösen Blick für Chantal übrig hatte, denn ich glaubte etwas Gutes getan zu haben und sie drückte mir das Messer in den Rücken. Es zeigte mir deutlich was ich ihr alles zutrauen konnte und würde in Zukunft vorsichtiger sein. "Ach so. Da läuft der Hase also lang, dann bist du wohl genauso eine wie meine Schwester. Nur den Spielern am nach Geiern, schade" Alex verfiel in Schweigen und schaute nur noch in seinen Teller und beachtete mich nicht mehr. Ich kochte innerlich vor Wut und hätte gerne Chantal den Hals umgedreht. Nach dem Essen verkrümelte ich mich raus vor die Tür. Ging ein Stück weit die Straße runter und zog eine zerknautschte Packung Zigaretten aus meiner Jackentasche. Ich drehte die Packung lang in meiner Hand, denn ich hatte schon sehr lange nicht mehr geraucht nur Gras. Den Joint, den ich aber in dieser Packung aufbewahrt hatte, ließ ich zu Hause in meiner Dose. Wäre bestimmt witzig geworden am Flughafen hätte ich dies nicht getan. In der Nähe des Hauses stand eine Bank und auf die setzte ich mich und zündete mir doch eine an. Den Rauch zog ich nicht wirklich tief in die Lunge und musste dennoch husten als hätte ich es getan. "Du solltest das lassen. Das ist nicht gesund" Alex stand vor mir und grinste mich schief an. Er hatte es nicht ernst gemeint, das war mir direkt klar, dennoch war es wie ein erhobener Zeigefinger und forderte meine rebellische Seite in mir auf. "Kann dir ja egal sein"-"ist es auch, ich wollte es nur gesagt haben". Ungefragt setzte er sich neben mich, vergrub die Hände in seinen Taschen und zog den Kopf ein. Wenigstens hatte er genau so kalt wie ich. "Ich rauche eigentlich nicht"-"sieht aber gerade anders aus"-"ich weiß. Ist aber nur um zur Ruhe zu kommen"-"da hilft das?"-"nein" gestand ich und trat die halbe Kippe mit meinen schweren Stiefeln aus. "Etwas Gras würde das tun" sinnierte ich einfach so in die Leere. Vielleicht war er ja gar nicht so lieb wie er tat und wüsste direkt was ich wollte. "Kiffen ist natürlich viel besser als Zigaretten" man konnte die Ironie und den Sarkasmus deutlich hören und macht mir klar, das bei ihm, so etwas mit Sicherheit nicht zu holen war. "Bist du wirklich nur den Spielern hinterher?" verwundert sah ich ihn an, "nein"-"also hat meine Schwester wieder mal nur übertrieben" ich nickte nur und wollte das Thema aber auch nicht wirklich vertiefen. Was sollte Alex es auch angehen das ich Hals über Kopf in Marco verknallt war und am liebsten mein Leben dafür gegeben hätte alles wieder gut zu machen was ich verbockt hatte. "Eigentlich wollte ich dich fragen ob ich dir ein paar Clubs zeigen soll. Meine Schwester darf nämlich nicht überall rein und das ist auch ganz gut so. Doch wenn du auf Spieler abfährst wäre das unklug von mir das zu tun" nun machte er mich natürlich extrem neugierig und ich horchte auf. "Ich bin nicht wie deine Schwester, denn ich halte nichts von Geld und schon gar nicht von Menschen die zu viel davon haben", bis auf einen, beendete ich den Satz im Kopf. Nun sah er mich schief an und mein Blick haftete an der Falte zwischen seinen Augen. Es war genau dieselbe Stelle, Tiefe und Form wie ich sie von Marco kannte und mir schnürte etwas das Herz zu. Er wägte wohl ab ob er mir trauen konnte und fing dann an zu nicken. "Am Samstag steigt eine Party im Home und ich würde dich gern einladen wenn du Bock hast", warum sollte ich keinen Bock haben? Für mich gab es hier nichts was mir meine Langeweile nehmen konnte, außer die Suche nach Marco. „Und was hat das alles jetzt mit deiner Schwester und Fußballern zu tun?"-„Weil in den Club der ein oder andere Spieler geht" mein Herz schlug direkt drei Takte schneller und ich musste mich zusammenreisen um nicht ein Sturm an Fragen auf Alex nieder prasseln zu lassen. „Meine Schwester und ihre zwei besten Freundinnen haben es geschafft in einem anderen Club auf die Black List zu kommen" er erzählte es so neben bei als wäre es eine Zutat eines Rezeptes. „Ist sie so schlimm? Ich war zwar überrascht über ein paar Informationen die sie mir gegeben hat und wie frei sie darüber sprach, wie schwer es wäre an Spieler zu kommen aber das sie so schlimm ist, hätte ich nicht wirklich gedacht", ja es war gelogen. Ich konnte es mir wahrlich bildlich vorstellen, dass sie genau so war! „Mach dir selbst einen Gefallen und halte dich was fern von ihr wenn du nicht dem selben Ruf erliegen willst den sie hat" er zwinkerte mir freundlich zu und mir fiel auf und gefiel sein offenes Lächeln. Er stand auf, vergrub seine Hände noch tiefer in den Taschen seiner Jacke „dann also am Samstag. Sei auf zehn fertig, ich bin dann hier um dich zu holen", dann zog er einen Schlüssel aus der Tasche und ging über die Straße um in ein Auto zu steigen. Der Bund seiner Jacke ging ihm über den Hintern und präsentierte diesen so noch mehr. Es war ein netter Hintern und ich merkte wie ich schmunzelte und musste deswegen mit dem Kopf schütteln. Er war einfach beeindruckend und ich fragte mich ob er eine Freundin hatte, wenn nicht, würde es mich schon stark wundern. Ich sah ihm noch einen Moment hinterher und ging dann in meinem Kopf durch was ich am Samstag, was schon zwei Tage später war, anziehen konnte. Sollte ich Chantal davon erzählen? Sie würde es so oder so mitbekommen und bedurfte keiner extra Anmerkung und ich zuckte mit den Schultern bei der Überlegung. Die Lust nach einem Kaffee zog mich wieder zurück ins Haus und abends im Bett, rief ich auf meinem Laptop eine Seite auf die ich gefunden hatte über Marco, die ich mir genauer anschauen wollte. Es war eine Fanseite auf die ich per Zufall gestoßen war als ich bei Google seinen Namen eingab und mich schlussendlich bis tief in die Nacht fesselte.


A little Dream of you and meWo Geschichten leben. Entdecke jetzt