Kapitel 38

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Am nächsten Tag war der Kopf mal wieder schwer, so schwer wie schon lange nicht mehr. Meine Mutter war schon wach und Tyler längst in der Schule als ich langsam zur Kaffeemaschine schlich. "Guten Morgen Schätzchen", keine Ahnung wie lange es her war das mich meine Mutter so nannte aber sie war im gesamten sehr gut gelaunt. "Du bist so gut drauf, damit komm ich gerade echt noch nicht klar" ich rieb mir die Schläfen und schloss die Augen als das laute Geräusch des Mahlwerkes losging. "Du solltest eine Tablette nehmen dann geht es gleich besser"-"nee lass gut sein, ich schwöre auf Kaffee". Der Kaffee war durch und ich gab noch Zucker dazu um mich damit auf den Weg in den Garten zu machen. Der erste Schluck verbrannte mir leicht die Zunge und ich stellte ihn weg, lehnte mich zurück und versuchte klar zu werden. ~Ein Kopfsprung ins offene Meer würde mir die Klarheit bestimmt schlagartig geben~ überlegte ich mir und holte damit mehr als gewollt in meinen Kopf. Es war ein flaues Gefühl in meinem Magen. Ein flattern von tausend Schmetterlingen. Mein Herz fing an wie wild zu klopfen und vor meinem inneren Auge baute sich das Bild von Marco auf. Er war das letzte Mal der Grund warum ich ins Meer sprang. Nun war er nach der langen Zeit wieder voll und ganz präsent. Was mich extrem ärgerte! "Ich habe letzte Nacht noch etwas nachgedacht"-"das mach ich auch gerade" stöhnte ich leise und fühlte mich richtig gestört von meiner Mum. Ich wollte die Erinnerung an Marco nicht haben und doch wollte ich sie nicht los lassen. Es war mein kleiner Traum von ihm und mir und einer wahnsinnig schönen Zeit, egal wie es endete. Meine Mutter rückte den Stuhl zur Seite und hatte immer noch dieses selige Grinsen im Gesicht. "Ok Mum, was hast du dir überlegt?" Ich ließ mich nach vorn auf den Tisch fallen und versuchte erneut am Kaffee zu nippen. Diesmal ging es einfacher und ich konnte mir einen großen Schluck gönnen. "Ich reiche die Scheidung ein und wir gehen nach Dortmund"-"WAS?" Sie hatte es so selbstverständlich gesagt als wären die Koffer und Kisten schon gepackt. Ich hielt Ausschau nach dem Möbelwagen, der bestimmt gleich um die Ecke kommen musste. "Chrissy ich dachte du wirst die Idee toll finden?"-"toll finden?" Toll war es nicht und überhaupt passte es gerade gar nicht! "Was heißt eigentlich wir?" Platzte es dann aus mir raus als mir ihr Satz im Einzelnen bewusst wurde. "Du, Tyler und ich?" Verständnislos sah sie mich an als würde für sie gar nichts anderes in Frage kommen. "Du, Tyler und ich?" Wiederholte ich ihre Aufzählung und konnte es nicht glauben. "Ist dir bei der Überlegung auch in den Sinn gekommen, dass ich mitten in meinen Examen stecke? Das ich kurz vor dem Abschluss stehe und ich eine Klausur nach der anderen habe? Ich kann nicht mal eben einfach umziehen" ich war richtig aufgebracht was verschiedene Gründe hatte und einer nach dem anderen Schoß mir in den Kopf. Mein Examen war das eine, das andere waren Freunde, Heimat, die Veränderungen und das so ein Umzug nicht eben mal für ein nettes Wochenende planbar war. Der schlimmste Grund war aber der Ort an den es gehen sollte. Dortmund! Es ging nicht darum das diese Stadt keine Möglichkeit bieten würde für eine angehende Grundschullehrerin. Im Gegenteil. Vielleicht war meine Zweisprachigkeit sogar ein Vorteil um schneller etwas zu bekommen. Es war die Tatsache, dass es die Heimat von Marco war und ich wusste damit nicht umzugehen. "Es ist mir durchaus klar, dass wir nicht direkt los können" die Euphorie wich aus meiner Mutter und machte Platz für so etwas wie 'sauer sein'. "Ich bin nicht so naiv, dass ich nicht wüsste was da alles dran hängt. Natürlich machst du erst deinen Abschluss und die Scheidung ist auch nicht mal eben in einer Mittagspause erledigt. Dennoch werden wir jetzt schon mal nach Deutschland reisen und ich fände es sehr gut wenn du mitkommst. Ich möchte mich vor Ort umschauen wegen einer Wohnung und wie es für Tyler dann läuft wegen der Schule. Was natürlich für dich dann sicher auch interessant ist."-"erstmal nach Dortmund?" Ich lehnte mich in meinem Stuhl wieder zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Stirn in Falten. "In deinen Ferien"-"das ist ja schon in 6 Wochen. Das ist ja Weihnachten!"-"jaaa? Dann muss ich schon nicht das Haus dekorieren. Dazu hätte ich sowieso keine Lust." Es machte mir Angst wie geplant das alles schon für meine Mutter war und ich überlegte wieviel sie letzte Nacht überhaupt geschlafen hatte. "Bist du dir sicher dass du das alles so willst Ma?"-"warst nicht du es die mir in den Ohren lag ich müsste weg von dem Mann?"-"schon" seufzend ließ ich die Schultern fallen. "So durchgeplant wie sich das alles anhört hast du bestimmt schon alles in die Wege geleitet und es bedarf gar nicht mehr meine Meinung dazu oder?"-"das siehst du etwas falsch. Du musst nicht mit wenn du nicht willst aber ich werde mit Tyler auf jeden Fall gehen! Ich bin schon viel zu lange hier in der Fremde und mit meiner Schwester habe ich auch schon telefoniert. Sie ist sehr begeistert und da sie immer noch in unserem Elternhaus wohnt, wäre für den Übergang auch ein Platz zum Schlafen da. Ich habe heute Mittag einen Termin beim Anwalt und ..." sie sprach nicht weiter sondern sah nach unten in ihren Schoß und knetete die Hände. "Es ist also an dir ob du mitkommst oder ... oder hier bleibst" sie sah mich nicht an und ich konnte ihr auch nichts sagen. Sie würde auf jeden Fall gehen und ich musste mich entscheiden ob ich mit geh oder bleibe. Wie sollte ich das mal eben so entscheiden? Das ging nicht so einfach! Sie über rannte mich mit ihrer Idee, die noch nicht mal mehr eine war sondern eine Tatsache die sie umsetzen wollte. Ich stand auf, irritiert und kopfschüttelnd, steuerte erst die Küche an weil ich was dort wollte, es aber dann vergaß und ging dann ins Bad nach oben um kalt zu duschen.


A little Dream of you and meWo Geschichten leben. Entdecke jetzt