Kapitel 65

1.1K 29 0
                                    

Die ganze Nacht hatte ich mich unruhig von einer Seite zur anderen gedreht. Irgendwie ging es mir nicht aus dem Kopf was Marco mir gesagt hatte. Warum sollte es ihm Angst machen, mir etwas zu schenken? Da er die Worte "Geld" und "magst du nicht" verwendet hatte, grübelte ich zum größten Teil nur darüber nach. Es war nur wahrscheinlich, dass es etwas Teures war und ich versuchte mir zu überlegen, was es sein könnte. Wenn es besonders viel kostete und dies auch noch offensichtlich war, wie sollte ich dann reagieren? Da ich nun alles über seinen Status wusste und in der letzten Woche viel sehen konnte und irgendwie viel erlebte, obwohl ich mich meist mit Händen und Füßen wehrte wenn er alles bezahlen wollte, gab es mir einen Einblick in ein Leben mit viel Geld. Ich zog die Bettdecke fester an mich und überlegte, ob ich mit dieser Art Leben, leben konnte. Mit der Faust schlug ich mir vor den Kopf und versuchte diese Sache aus meinem Hirn raus zu bekommen. Wie konnte ich mir über solche Nichtigkeiten, nur solche Hirngespinste machen? Wenn ich ihn liebte, was spielte dann Geld für eine Rolle? Klar, er konnte sich bestimmt so gut wie alles auf der Welt leisten, dennoch machte er mir nie den Eindruck, bis auf ein paar Spielereien, das er verschwenderisch wäre. Nein, das war er überhaupt nicht! Er gab eigentlich Geld nur sehr bedacht aus, war aber doch großzügig. Warum? Warum dann diese Gedanken? Ich musste damit aufhören, sonst würde ich mir damit nur selbst im Weg stehen. Irgendwann schlief ich dann doch ein und hörte nicht einmal meinen Wecker. Seltsamerweise wurde ich aber auch nicht von meinem Bruder oder meiner Mutter geweckt. So schlief ich bis weit nach 10 Uhr und rieb mir den Schlaf aus den Augen, als hätte ich eine Wahnsinns Party hinter mir. Mein Kopf brummte auf jeden Fall wie bei einem Kater.

Eine kalte Dusche, die sich mit geschlossenen Augen fast wie ein Sprung ins Meer anfühlte, brachte mir die Frische zurück. Doch direkt danach stellte ich auf heiß, sehr heiß. Denn dieses Meer war nur eine Dusche. Sie war in Deutschland. Mitten im Dezember, bei Minustemperaturen! Danach steckte ich meinen Hintern in eine Wollleggins und dazu ein dickes Flanellhemd. Die dicken Socken vergaß ich natürlich auch nicht. Nun fehlte mir nur noch die Wärme von innen. Marion war schon am Kochen, als ich in die Küche kam um mir einen Kaffee zu besorgen. "Da du beim Frühstück nicht da warst, soll ich dir ein Toast machen?"-"danke Marion, aber der Kaffee reicht" ich hob die Tasse leicht an und lächelte ihr freundlich zu. "Na gut, dann hoffe ich, dein Hunger kommt gleich. Es ist fast 12 Uhr und das Essen wird pünktlich auf dem Tisch stehen" flötete sie und irgendwie, wirkte dies leicht auf mich, wie eine dieser Sitcoms, die sonst nur auf Fox liefen oder einem anderen Sender. Einer der typisch war, für solche „Friede-Freude-Heile Welt-Familien" im Vorabendprogramm. Was mich aber erschreckte, war die Tatsache der Uhrzeit. Hatte Marco nicht gesagt, er würde genau zum Mittag kommen? Schnell ging ich in mein Zimmer und holte mein Handy. Es war unnötig, denn eine Nachricht fand ich keine darauf, darum schrieb ich Marco eine. Ich wusste nicht ob er nicht schon unterwegs war und genau das, wollte ich raus finden. Doch statt einer Rückmeldung, kam plötzlich Chantal ohne anzuklopfen in das Zimmer gestürmt. Sie hatte mich zu tote erschreckt und ihr Zustand, beruhigte mich kein bisschen. "Was ist mit dir denn los?"-"du hast ... du hast besuch!"-"ich?"-"tu nicht so als hättest du es nicht gewusst!" sie klang leicht hysterisch und mir war klar, wer der Besucher war. Meine Stimmung hellte sich auf und ich ließ Chantal einfach stehen, um so schnell wie möglich zu Marco zu kommen.

Ich hatte mich nicht getäuscht, es war wirklich Marco, der schon freudig von meiner Mutter begrüßt wurde. Sie standen mitten im Wohnzimmer und es sah schon fast so aus, als wäre mein Freund, das Weihnachtswunder persönlich. Schnell wollte ich ihn davon befreien und ging zu ihm rüber. "Hey! Das ist wirklich eine Überraschung, die dir überaus gut gelungen ist" lächelte ich übertrieben und sah mich unsicher in der Runde um. Wie Chantals Reaktion ausgefallen ist, wusste ich ja schon und die Gesichter von Marion und meinem Onkel sahen auch nicht besser aus. "Hey Honey, so war es geplant" er nahm mich liebevoll in den Arm und küsste mich sanft. Irgendwie war mir dies etwas peinlich, unter aller Augen, dennoch erwiderte ich natürlich den Kuss. Suchte aber dann das Weite mit ihm zusammen. Ich zog ihn in mein Zimmer und schloss die Tür hinter uns. "Sag mal, gestern holst du mich noch einige Häuser weiter die Straße runter ab, lässt mich dort auch aussteigen und heute klingelst du einfach?" ich lachte ihn an, denn ernst waren meine Worte wirklich nicht gemeint. "Das überrascht mich so sehr, dass ich gar nicht weiß, was ich dazu sagen soll?"-"Naja, ich musst den Schritt gehen" breit grinste er mich an, "ich kann dich ja nicht die Koffer die Straße runter tragen lassen" nur war ich verwirrt. Dies brachte ich auch mit einem leichten Kopfschütteln zum Ausdruck. "Wie meinst du das mit den Koffern?"-"Naja, die Koffer, die du noch packen müsstest" er setzte sich auf mein Bett und ich lehnte mich an die Tür. "Und warum genau sollte ich das machen?"-"Wegen deinem Weihnachtsgeschenk"-"könntest du vielleicht mal ohne Rätsel reden?" langsam ging ich zu ihm rüber und blieb vor ihm stehen. Er legte seine Hände mir auf die Hüfte und zog mich soweit an sich ran, bis ich auf seinem Schoss saß. Ich legte meinen Arm in seinen Nacken und sah ihn an. "Was hast du vor?"-"Unser Flugzeug startet in ungefähr 3 Stunden und ich hoffe die Zeit reicht? Ich habe Winterpause und somit Urlaub. Da du genau so wenig diese Kälte magst wie ich, dachte ich mir, wir fliegen an einen Ort, an dem es um einiges wärmer ist"-"wolltest du deswegen wissen wann ich zurück nach Miami geh?" er nickte nur und wir lächelten uns an. So richtig kitschig, wie es eben zwei Verliebte taten. "Ich wollte dich damit überraschen, weil ... naja ... ich wusste nicht, wie du bei solch einem Geschenk reagieren wirst?" Das war also seine Angst und irgendwie fand ich meine Grübelei, der vergangenen Nacht, auf einmal ganz gut. So konnte ich wirklich locker mit dieser Art von Geschenk umgehen. "Jetzt wird mir klar, warum deine Schwester dir sagte, dass du wieder gesund zurück kommen sollst" ich legte meine Hand ihm auf die Wange und suchte seine Lippen um ihn als Dankeschön innig zu küssen.

A little Dream of you and meWo Geschichten leben. Entdecke jetzt