Chilling Time

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Heute Nachmittag war faulenzen angesagt. Leslie und ich hatten beschlossen, dass wir zuerst unsere Kerle mit der Gesichtsmassage verwöhnen wollten, damit wir uns nachher besser entspannen konnten und sie sich bei ihrem Part mehr ins Zeug legten.
Also saßen wir nun auf den Sesseln unserer Sweet - pardon von Gideons und meinem Zimmer - und Raph saß mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden, dem Oberkörper zwischen Leslies Beinen und mit den Händen über ihre Knie streichelnd. So ganz ohne Fummeln konnte er dann doch nicht. Sein Kopf ruhte auf ihrem Bauch, die Augen geschlossen empfing er verträumt und genüsslich schnurrend Leslies Streicheleinheiten.
Der Neid muss ihr lassen, dass sie darin echt gut war als hätte sie es gelernt.
Das Raubtier zwischen meinen Beinen hatte sich ebenfalls in ein schnurrendes Kätzchen verwandelt und war bis auf seine gelegentlichen Streichelattacken absolut handzahm. Die Behandlung hatte beiden Exemplaren ein verträumtes und unwiderstehlich verführerisches Lächeln auf ihre hübschen Gesichter gezaubert. Das mussten wir also unbedingt öfter machen.
Für den zweiten Teil hatten wir beschlossen, dass jeder sein eigenes Zimmer nutzen würde, damit unsere Jungs wegen der Aussicht nicht eifersüchtig wurden. Als Les und Raph draußen waren, zog ich Schuhe, Hose und Oberteil aus und legte mich mit meinem Handy bäuchlings aufs Bett.
Während Gid mein rechtes Bein einölte, spürte ich seine Blicke über meinen Körper wandern.
"Wem schreibst du?"
Es war kein Misstrauen in seiner Stimme. Mir vertraute er seit letzter Nacht. Allerdings konnte mein eifersüchtiger Tiger es immer noch nicht haben wenn ein anderer Kerl mir zu nahe kam oder mich zu lange oder zu interessiert ansah.
"Meiner Mum. Ich denke Sie müssten jetzt ausgeschlafen haben."
"Liest du es mir vor?" Seine Stimme klang plötzlich so sanft und so nah, dass ich eine Gänsehaut bekam.
"Wenn du mich so lieb darum bittest..." Er brummte zufrieden.

>> Hey Mum! Wie geht's euch? Schon ausgeschlafen?<<
Nach Sekunden ein Piepen.
>> Hey Gwenny! Wie schön dass du dich meldest. Uns geht's gut. Kann sein, dass wir noch eine Woche länger bleiben.<<
Was??? Mein und auch Gideons Aufenthalt im Camp würde übermorgen enden...Gids Massagedruck verstärkte sich leicht.
(Hatte ich übrigens schon erwähnt, dass ich vor zwei Minuten beschlossen hatte, dass Gideon mir für den Rest meines Lebens - was für immer sein wird - jeden Tag eine Massage verabreichen muss, weil er es so geil macht, dass ich jetzt schon nicht mehr will dass er je damit aufhört...)
Ich sah kurz über meine Schulter, und sein Blick verriet mir, dass er sich gerade vorstellte ich würde die ganze Woche bei ihm wohnen. Ob Mum - und vor allem Dad - das erlauben würden?
>> Ist Dad bei dir?<<
>> Nein er ist gerade bei einem Meeting. Wieso?<<
>> Ich muss dir was beichten...<<
>> Hast du was angestellt? <<
>> Wie man's nimmt. Ich hab mich verliebt.<<
Ich spürte einen Kuss im Nacken, der mir einen Schauer über den Rücken jagte. Für eine Sekunde war mir das Piepen schnuppe.
>> In wen?<<
>> In Gideon de Villiers <<
>> Den Kotzbrocken??? <<
"Na warte!" brummte es von hinten.
Okay. Das war jetzt peinlich. Als Gid mir über die Schulter sah, merkte ich plötzlich wie er anfing mich durch zu kitzeln. Irgendwann lag ich schreiend, bettelnd und vor Lachen nach Luft japsend unter ihm begraben.
Schließlich setzte er seine Massage fort.
>> Ja. Aber eigentlich ist er gar kein Kotzbrocken mehr. <<
>> Hatte gehofft, dass du das sagst.<<
So langsam checkte ich gar nichts mehr.
>> Wieso das denn?<<
>> Dein Onkel Falk kennt Gideon recht gut. Und bei unserem letzten Telefonat mit Falk vorgestern ist ihm rausgerutscht, dass Gid auch im Camp ist. Daraufhin ist Dad erst mal ausgerastet und hat Will angerufen und ihn gefragt, ob der kleine Mistkerl es jetzt doch noch geschafft hätte dich rumzukriegen. Als Will ihm dann klar gemacht hat, dass Gid eigentlich ein ganz lieber Kerl ist und du bei ihm wirklich gut aufgehoben bist, hat er seine Meinung geändert.
Frag doch Gideon, ob du nicht bei ihm übernachten könntest, bis wir wieder da sind.<<

Jetzt war ich platt. Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet. Mein Tiger hatte die Nachricht mitgelesen und war nun vor Schreck von hinten auf mich drauf gefallen.
"Schreib ihr ganz schnell, dass es mir eine Ehre wäre, bevor sie ihre Frage zurückzieht!"
Ich schloss den Deal mit Mum ab und die Sache war perfekt.
Gid hätte beinahe einen Luftsprung gemacht. Er war total euphorisch dass er mich jetzt noch eine volle Woche ganz für sich haben würde. Auch ich konnte mein Glück kaum fassen.
Aber irgendetwas war noch faul an der Sache. Beim nochmaligen Lesen ihrer Nachricht fiel mir auf, dass sie meinte Dad hätte gefragt ob Gid es jetzt doch noch geschafft hatte...
Das hätte er gar nicht wissen dürfen. Ich hatte zwar mal über Gid gemeckert, aber ich hatte nie im Leben erwähnt, dass er Annäherungsversuche bei mir gemacht hatte. Eben weil ich Angst hatte, dass Dad mir die Hölle heiß machen würde. Und dass Gideon tatsächlich an mir interessiert war, hatte ich ja selbst erst vor kurzem herausgefunden. Woher wussten meine Eltern das dann?
Meine Gedanken verschwanden als Gid den Verschluss meines BHs öffnete und meine Rückenmassage begann. Und mein Rücken reichte nach seiner Auffassung natürlich bis zu meinem Bauchnabel und Brustbein wodurch dann die Massage nicht nur für mich zum Vergnügen wurde...

Schließlich trafen wir uns im Salon wieder. Raph stand schon an der Bar und war fleißig am Mixen. Da er uns zwischendurch immer wieder den Rücken zudrehte, konnten wir nicht wirklich sehen, was er alles für Zutaten benutzte.
Die Drinks schmeckten jedenfalls nach mehr. Sagenhaft gut.
"Was hast du dir eigentlich für heute Abend überlegt, Raph?"
Raphaels Gesichtsausdruck auf diese Frage gefiel mir nicht wirklich. Ein hinterhältiges Grinsen beschlich ihn. Und seine Antwort gefiel mir noch weniger:
"Wir machen 'ne Weinprobe!"
Ach du heilige Scheiße!

Und einmal Ferienlager...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt