Ich blieb einige Zeit vor der Waschmaschine sitzen und schaute der Wäsche beim Waschen zu. Meine Tränen liefen mir immer noch über die Wange.
Wieso tat er das? Wieso tat er sich das nur an? Mein Gott, wir würden uns irgendwann wirklich einmal umbringen. Als ich ihn gestern so da liegen gesehen hatte lief unsere ganze Zeit in Sekunden vor meinem geistigen Auge ab. So viele Bilder, unser erster Kuss, wie er mich zum ersten Mal berührt hatte, unser erstes Mal, unser Morgen danach, sein Schluss machen, unser Wiedersehen, unser Streit, unsere Versöhnung, die Verkündung das ich Schwanger war, wie er ausgerastet ist, die Geburt der Zwillinge, der Heiratsantrag, den Moment, als er mir das fertige Haus schenkte, unser Streit bevor er uns verließ. Und das sollte alles gewesen sein? Nein, das konnte es nicht gewesen sein. Ich hatte Panik, dass Marvin nicht mehr Leben würde, dass er die Zwillinge nicht mehr aufwachsen sieht, dass unser letztes Treffen mit einem Streit auseinander gegangen war. Ich hatte einfach so eine panische Angst.
Es war so knapp. Wie mein Vater mir gestern gesagt hatte, er hätte vielleicht noch 4 Tage unter diesen Umständen gelebt, danach wäre er wahrscheinlich gestorben.
Ich wollte es mir gar nicht vorstellen. Wie sollte ich das auch alles ohne Marvin schaffen? Er war meine Stütze, war mein Anker, mein Fels in der Brandung. Ich durfte ihn nie wieder verlieren.
„Wie geht es dir, Tessa?", fragte Max und setzte sich zu mir vor der Waschmaschine.
Ich erschrak, da ich so in Gedanken war, hatte ich noch nicht einmal mitbekommen, dass er in den Raum gekommen war. Ich schaute ihn an und überlegte.
„Ich weiß es nicht, Max. Es tat mir so weh, dass eben alles zu hören. Irgendwann bringen wir uns gegenseitig um. Es war so knapp Max. Wirklich, so knapp.", sagte ich und zeigte mit meinen Fingern einen Millimeterabstand.
„Ich weiß. Was hat dein Vater gesagt?", fragte er und schaute zur Waschmaschine.
„Das er wenn überhaupt nur noch vier Tage unter diesen Umständen gelebt hätte.", schniefte ich.
Max nickte nur leicht und nahm mich in den Arm, tröstete mich. Strich mir immer wieder beruhigend über den Rücken.
„Aber du musst jetzt nach vorne blicken, Tessa. Er lebt und wird in ein paar Tagen wieder ganz der Alte sein. Du hast ihn gerettet.", flüsterte Max in meine Haare.
Ich war doch erst daran schuld, dass er gegangen war. Ich. Niemand sonst. Hätte ich mich nur nicht mit ihm gestritten. Hätte ich nicht so scheiße Reagiert. Hätte ich ihn nicht noch mehr verletzt. Hätte ich sein Handy früher gecheckt.
Wir blieben bis die Waschmaschine fertig war hier sitzen und Max tröstete mich die ganze Zeit. Er redete nicht und ließ mich einfach weinen. Ich dankte ihm so sehr.
Als ich die Wäsche dann aufgehangen hatte und die nächste Maschine angemacht hatte gingen wir wieder hoch in mein Zimmer, wo Neo mit den Zwillingen auf der Erde lag und mit ihnen spielte. Finn und Nino saßen auf den Stühlen und unterhielten sich mit Marvin, der ziemlich erschöpft aussah. Ich setzte mich auf meine Bettseite und ließ mich ins Kissen fallen. Max setzte sich zu Neo und den Zwillingen. Kaum saßen wir klingelte es an der Haustür.
Nino bewegte sich und meinte, dass er schnell runter gehen würde. Also tat er es. Kurze Zeit später kam er mit meinem Vater wieder. Er schickte die Jungs kurz raus und untersuchte Marvin. Gab ihm noch eine Infusion und sagte, dass das die letzte sei.
Mein Vater sagte, dass er so liegen bleiben sollte und ich ihn rufen sollte, wenn sie fertig gelaufen war, was nicht allzu lange dauerte, er nahm sich die Zwillinge und ging mit ihnen. Die Jungs kamen rein und meinten, dass sie rüber gehen würden, am späten Abend aber noch einmal vorbeikommen würden. Sie verabschiedeten sich von uns und gingen.
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Hand Kiss
Roman d'amour[Teil 3] Und das Chaos zwischen Tessa und Marvin geht weiter. Hat sie seinen Heiratsantrag angenommen? Was werden sie machen? Was ist mit dem Haus? Wie entwickeln sich die Zwillinge? Wie endet die Geschichte zwischen Marvin und Tessa? Cheek Kiss...
