Ich rücke noch einmal meine Krawatte zurecht. Irgendwann hatte sie mal erwähnt, dass sie auf Männer im Anzug steht. In der Hand halte ich einen Strauß Blumen, wie in den Filmen. Endlich drücke ich auf die Klingel und warte bis sich die Tür öffnet. Da steht sie, wunderschön im Türrahmen und ich begrüße sie stürmisch.
1. „Wieso so chick?" fragt sie mich überrascht als sie die Türe öffnet. 2. Sie sieht einfach umwerfend aus und das obwohl sie noch immer eine Jogginghose trägt. 3. „Ich dachte, das würde dir gefallen." antworte ich grinsend. 4. 5. „Aber wir wollten doch nur ein paar Filme gucken." verwundert sieht sie mich an, aber lächelt dann. 6. Natürlich lächelt sie. 7. Schließlich mag sie Männer in Anzügen. 8. Hat sie ja schließlich selbst gesagt. 9. Sie spricht schon über die Filmauswahl, als mir der Blumenstrauß wieder einfällt den ich noch immer in den Händen halte. 10. Ich strecke ihn ihr entgegen. 11. 12. Sie nimmt den Strauß zögerlich in Empfang. 13. Sofort frage ich, ob sie die Blumen nicht mag. 14. „Nein, nein.", antwortet sie seufzend, „Sie sind wunderschön." 15. Es sind rote Rosen. 16. „Wie du." mache ich ihr ein ehrliches Kompliment. 17. Solange sind wir noch nicht miteinander bekannt und trotzdem fühlt es sich so an, als würde ich sie schon ewig kennen. 18. 19. „Ich stelle die Rosen nur mal schnell in eine Vase." 20. Sie verschwindet um die Ecke. 21. 22. 23. 24. Als sie wiederkommt sitze ich schon auf ihrem Sofa. 25. Sie fragt mich was wir uns ansehen wollen. 26. Ich schlage einen Liebesfilm vor, den ich vorher extra noch gegoogelt habe. 27. 28. Ihr Blick ist skeptisch auf mich gerichtet. 29. „Wir können auch einfach einen Actionfilm gucken." meint sie und deutet auf eine DVD-Hülle vor ihr. 33. Dann seufzt sie laut. 34. 35. Sie sagt kein Wort. 36. Aber irgendetwas bedrückt sie. 37. „Alles in Ordnung?" frage ich sie. 38. Sie sieht einfach perfekt aus. 39. Mit ihrem langen Haar, das ihr in sanften Wellen über die Schultern fällt und mit ihren süßen Sommersprossen. 40. Sie ist einfach perfekt. 41. Mit ihrem liebevollen Charakter, der sich so schnell für Dinge und Menschen begeistern kann. 42. „Ich verstehe das nicht." meint sie. 43. Ich verstehe sie in diesem Moment nicht. 44. Was will sie mir sagen? 45. „Ich meine, das ist unser fünftes Date und wir wollten uns einen gemütlichen Abend machen." 46. Ihre Stirn liegt in tiefen Falten. 47. Ihre Augenbrauen hat sie erstaunt hochgezogen. 48. „Und du trägst diesen Anzug", fährt sie fort, „Und noch die roten Rosen." 49. Mein Herz macht einen Satz. 50. Dann schlägt es ganz schnell. 51. Habe ich einen Fehler gemacht? 52. „Du hast gesagt, du magst es wenn Männer Anzüge tragen und du magst rote Rosen." erkläre ich stolz, wie aufmerksam ich gewesen bin. 53. Sie knetet unruhig ihre Hände. 54. Eine Angewohnheit der Nervosität. 55. Mache ich sie etwa nervös? 56. Dieser Gedanke bringt mich zum Lächeln. 57. 58. Sie atmet tief ein und erklärt mir dann langsam: „Du erdrückst mich." 59. Ich denke ich habe mich verhört. 60. „Erdrücken?" frage ich erschrocken nach. 61. „Du bist ein lieber Kerl." erklärt sie und lächelt schief. 62. Aber es ist kein herzliches Lächeln. 63. Es wirkt verklemmt. 64. 65. „Aber ich brauche meinen Freiraum. Am Anfang war das alles ja echt süß, aber langsam wird es bedrückend." 66. Will sie, dass ich gehe? 67. Will sie mich nicht mehr sehen? 68. „Aber ich liebe dich!" spreche ich endlich aus was ich fühle. 69. Wie ich für sie fühle. 70. 71. „Du solltest jetzt besser gehen." 72. Mehr sagt sie nicht. 73. „Möchtest du mir denn nicht auch sagen, dass du mich liebst?" frage ich sie. 74. Sie schüttelt langsam mit dem Kopf. 75. 76. Mein Herz zieht sich zusammen. 77. „Aber ich liebe dich!" wiederhole ich lauter als hätte sie mich noch nicht verstanden. 78. Sie steht auf. 79. Geht zur Türe. 80. Hält mir die Türe auf. 81. Ich folge ihr langsam. 82. Sie nickt mir zu. 83. Ich stehe im Türrahmen. 84. Drehe mich um. 85. Und küsse sie endlich. 86. Sie stößt mich von sich weg. 87. Ich küsse sie wieder. 88. Meine Hände gleiten zu ihrem Hals. 89. Ich halte sie fest, sie zappelt. 90. Die Blumenvase fällt herunter und zersplittert. Die roten Rosen fallen zu Boden. 91. „Ich liebe dich!" bekunde ich meine Liebe ein drittes mal. Schließlich heißt es auch, aller guter Dinge sind Drei. 92. Plötzlich merke ich, dass sie sich nicht mehr bewegt. 93. Ich rüttele sie an den Schultern. 94. „Nein!", schreie ich, „Ich liebe dich!" 95. Ich schlage verzweifelt meinen Kopf gegen die Wand. 96. Ich spüre meinen Körper nicht mehr. 97. Ich spüre nur noch die Schmerzen in meinem Herz. 98. Weil sie fort ist und schlage meinen Kopf ein letztes mal gegen die Wand. 99. Den eigenen Tod stirbt man, mit dem Tod eines anderen muss man leben, erinnere ich mich. 100. Eine erdrückende Stille kehrt ein.
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100 Sekunden
Short StoryDen eigenen Tod stirbt man, mit dem Tod eines anderen muss man leben, erinnere ich mich. - Auch wenn es nur einige wenige Sekunden sind die man mit dem Tod des Anderen leben muss. Für alle, denen 100 Sekunden reichen. -lvnrzz
