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Gönüls Sicht

Ich war endlich fertig.  Normalerweise hätte ich das nie so schnell geschafft, weil ich erstmal sehr lange nach einem Kleid suchen, kein passendes finden würde und von meiner Schwester eins ausleihen würde. Doch erstaunlicherweise fand ich doch noch ein langes Kleid, was auch noch langärmlig war. Überall war es bedeckt. Zum Glück. Ohne Azelyas Hilfe, würde ich so katastrophal aussehen. Aber dank ihr, konnte ich meine Augen nicht mehr vom Spiegel nehmen. Ich hoffte nur, dass ich Ömer auch gefallen würde. Das Kleid, was ich trug war schlicht, wie Azelya es wollte. Es hatte die Farbe hellblau, was genau zu meinen Augen passte. Dazu hatte ich mir ein rosanes Kopftuch umgebunden und trug eine silberne Kette. Mein Make-up war auch nicht übertrieben. Alles ganz schlicht. Ich war den Mädels so dankbar. Ohne sie hätte ich das nie so hinbekommen. Ich würde ohne ihre Hilfe jetzt, wie ein kleines Mädchen aussehen, welches sich für Make-up und Highheels ihrer Mutter interessiert und sich heimlich so viel Schminke ins Gesicht klatscht, dass man ihr Gesicht nicht mehr erkennen kann. Viel Schmuck darf man nicht vergessen! Ömer würde mich gar nicht mehr erkennen. Ich würde in sein Auto steigen und er würde mich verscheuchen.
Ich hatte auch noch Zeit. Noch eine halbe Stunde. Wow! Das war ja mal ein Rekord. Ich war so aufgeregt. Wie er wohl reagieren würde, wenn er mich mit Kopftuch sieht? Ich machte mir so viele Gedanken, dass ich vergessen hätte, ein Foto an Azelya zu schicken. Schnell schoss ich das Foto und schickte es ab.

Azelya: ,,Ohaaaa! Kızım sen ne yaptın?! Bu ne güzellik? (Mädchen, was hast du gemacht?! Was ist das für eine Schönheit?)"

Ich: ,,Wirlich? Würde ich ihm gefallen?"

Azelya: ,,Natürlich! Hallo? Du bist sowieso eine Naturschönheit. Ohne Make-up bist du schon wunderhübsch. Aber so bist du einfach nur perfekt! Also wäre ich Ömer, würde ich dich sofort wieder nach Hause schicken und dort essen, wegen Eifersucht. Hahaha."

Ich: ,,Hahahah. Übertreib doch nicht. Oh mein gott! Er hat mir geschrieben. Ich glaube er ist da. Ich schreibe euch später okay? Ich muss jetzt los. Bye!"

Azelya: ,,Okay bye!"

Ich ging auf sein Chat.

Ömer: ,,Ich bin angekommen. Warte unten auf dich Schatz."

Ich: ,,Okay. Ich komme."

Ich sagte meinen Eltern Bescheid. Es wunderte mich, dass sie nicht dagegen waren. Sogar mein Vater! Als ich ihm das mit Ömer erzählt hatte, dachte ich, ich hätte den größten Fehler meines Lebens gemacht. Aber er ging damit locker um. Natürlich war er schockiert am Anfang, aber er wusste glaube ich selber, dass ich jetzt in dem Alter bin, langsam ein Partner haben zu dürfen. Ich war erwachsen. Es war natürlich sehr schön ein Kind zu sein, aber man wird halt erwachsen und muss das Elternhaus eines Tages mal verlassen. Ich verabschiedete mich von zu Hause und ging runter. Ich war so gespannt auf die Reaktion Ömers. Ich öffnete die Tür, stieg langsam die Treppen hinunter und sah ihn. Er lehnte sich am Auto an mit verschränkten Armen und wartete auf mich. Sogar sein Warten sah gut aus. Er guckte in die Gegend, als er dann aber plötzlich bei meinen Augen anhielt. Unsere Blicke trafen sich und er machte sich aufrecht. Seine Arme gingen langsam nach unten und er sah mich mit funkelnden Augen an. Langsam kamen wir uns näher und eine Weile schauten wir uns nur in die Augen.

,,Du...Du siehst bezaubernd aus Gönül. Sen gerçekten kapandınmı şimdi? (Trägst du jetzt wirklich Kopftuch?)"

,,Ja. Endich konnte ich mich überreden."

,,Du bist ja sowieso sehr hübsch. Deshalb dachte ich, du wirst die alltägliche, wunderschöne Gönül sein. Aber vor mir sehe ich gerade eine extrem hübsche Prinzessin."

Ich senkte meine Blicke, weil mich jemand in meinem Leben zum ersten Mal zum Schämen gebracht hatte. Wirklich zum ersten Mal, schämte ich mich so sehr. Ich liebte ihn einfach so sehr, dass ich ihn sofort jetzt heiraten würde. Anschließend küsste er mich auf die Stirn und wir stiegen ins Auto.

Im Restaurant hatte er schon ein Tisch reserviert. Wir setzten uns dorthin und bestellten etwas. In der Zwischenzeit brachte er mich immer wieder zum Schämen, indem er romantische Sprüche und Komplimente machte. Ich erkannte mich nicht mehr. Seit wann schämte ich mich so sehr. Oder das war vielleicht normal. Ich hatte noch nie in meinem Leben ein Freund. Er war der erste. So sollte es auch für immer bleiben. Die Zeit mit ihm verging so schnell, dass wir gar nicht bemerkt hatten, dass unsere Teller schon lange leer waren und wir die letzten im Restaurant waren. Wir riefen den Kellner und er gab uns die Rechnung. Ömer bezahlte und wir gingen zu seinem Auto. Er öffnete mir die Tür und ich stieg ein. Im Auto redeten wir noch ein wenig und es war Zeit, wieder nach Hause zu gehen. Ich wollte mich gar nicht mehr von ihm trennen. Mich von ihm zu verabschieden, fiel mir sehr schwer. Ich musste es ja aber. Als ich dabei war, die Tür zu öffnen, sagte er mir etwas, was mich ab dem Zeitpunkt, der glüglücklichste Mensch der Welt machte.

,,Gönül?"

,,Ja?"

,,Ich werde mit meinen Eltern heute Abend reden und wenn deine Etern und du es auch wollen, möchten wir nächste Woche kommen und um dein Hand bitten. Ist das zu früh? Oder findest du es okay?"

Ich war schockiert, glücklich und alles mögliche, außer traurig. Ich wollte ihm sofort um den Hals springen, das wäre dann aber ein bisschen übertrieben. Ich musste meine Grenzen kennen. Ich tat so, als ob ich damit gerechnet hätte und ging gar nicht schockiert darauf ein. Das alles aber nur gespielt. Normalerweise hatte ich gerade den größten Schock meines Lebens.

,,Für mich ist es in Ordnung. Ich rede mal mit meinen Eltern darüber. Dann gebe ich dir Bescheid okay?"

,,Okay Schatz. Ich liebe dich."

,,Ich dich auch. Selamun aleykum"

,,Aleykumselam aşkım (Liebling)"

Ich stieg aus, ging in das Haus rein und tanzte im Flur, wie eine verrückte.

In meinem Zimmer schaute ich auf mein Handy und sah, dass mich Azelya schon angeschrieben hatte, wie das Essen war. Ich erzählte ihr alles und Azelya machte ein Audio, wo sie und Eflin genauso schockiert und glücklich waren, wie ich es war. Ich ging fröhlich nach unten und erzählte es auch meinen Eltern. Sie wollten erst nicht, weil wir uns noch neu kannten, aber ich konnte sie überreden. Beim Überreden war ich immer die Nummer 1. Ich sagte, dass wir uns auch in dieser Zeit kennenlernen konnten bis zur Hochzeit. Und sie waren überredet! Schnell schnappte ich mir mein Handy und schrieb Ömer an, dass sie nächste Woche kommen durften. Außerdem suchte ich mir schnell im Internet ein Kleid aus, was ich an dem Tag anziehen würde. Es war erstaunlich. Ich fand sofort eins. Ich bestellte es direkt. Es war rosa. Einfach nur rosa und schön. An dem Tag ging ich so glücklich schlafen, wie noch nie...

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