„Frau Mertens?", hörte ich eine Männerstimme vor mir fragen. Ich erschrak kurz und schaute dann hoch. Auch Julia drehte sich um und vor uns stand ein relativ junger Mann in einem weißen Kittel. „Was ist mit Franco?", fragte Julia gleich. „Er scheint nochmal Glück gehabt zu haben. Nur einige Prellungen und ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Ich hätte ihn zwar gerne wenigstens über Nacht hierbehalten, aber er hat unterschrieben, dass er nachhause geht. Er wird also gleich hier zu Ihnen kommen. Aber haben sie bitte noch ein kleines Auge auf ihn, falls doch noch etwas sein sollte.", meinte der Arzt zu ihr und dadurch beruhigte sie sich ein wenig. „Franco ist echt unmöglich.", flüsterte sie und schüttelte leicht den Kopf. „Vielen Dank.", sagte sie nun zu dem Arzt und schüttelte ihm die Hand. Dieser ließ uns dann kurz darauf auch wieder alleine. „Siehst du. Ist zum Glück alles nur halb so schlimm.", sagte Paula und lächelte Julia an. „Julia?", hörte ich dann wieder jemanden von hinten fragen. Diesmal konnte ich die Stimme aber gleich zuordnen. Es war Franco. Auch Julia bemerkte dies, drehte sich sofort um und nahm ihn in den Arm. „Ich hatte solche Angst um dich.", sagte sie zu ihm und drückte ihn noch fester an sich. „Ist okay. Es ist doch alles gut. Mir ist nichts passiert.", sagte er zu ihr. „Ist bei euch beiden alles in Ordnung?", fragte er nun an mich und Julia gewandt. Julia nickte nur und ich tat es ihr gleich. „Wollen wir dann nachhause gehen?", fragte er uns und wieder nickten wir beide nur. Wir verabschiedeten uns noch alle von Paula. Und gingen dann zum Auto und fuhren zur Wohnung. Jetzt war ich doch ziemlich aufgeregt. Ich lernte jetzt mein neues Zuhause kennen. Wenn es auch hier nicht klappen sollte, dann weiß ich auch nicht wo ich hin soll. Deswegen muss es diesmal klappen. Franco und Julia gingen durch die Haustür und ich folgte ihnen langsam. Wir gingen durch die Wohnung durch und ich staunte wirklich nicht schlecht. Für zwei, beziehungsweise jetzt drei, Personen war sie echt riesig. „Soll ich dir erstmal zeigen wo du schläfst?", fragte Julia mich und ich nickte nur. Sie ging eine Treppe hoch und dann gleich in eine Tür. Ich folgte ihr und dann standen wir auch schon in meinem Schlafzimmer. Es hatte ein riesiges Fenster, einen Kleiderschrank, ein Bett und einen Schreibtisch. „Es war bis jetzt immer das Gästezimmer. Du kannst es natürlich noch ein bisschen umgestalten.", sagte Julia. „Es ist wunderschön. Danke.", sagte ich. Ich zweifelte kurz, ob ich umarmen soll, tat es dann aber doch. Ich gebe mir zwar wirklich Mühe, aber diese Angst vor Nähe geht nicht von heute auf Morgen weg, auch wenn es mir so lieber wäre. „Alles gut bei euch?", hörte ich Franco plötzlich fragen. Ich zuckte heftig zusammen, da ich in dem Moment gar nicht mit ihm gerechtet hatte. „Franco!", fauchte Julia ihn gleich an. „Julia ist schon in Ordnung. Er macht es ja nicht mit Absicht.", sagte ich und nahm all meinen Mut zusammen um ihn anzulächeln, doch er drehte sich einfach um und verließ wieder das Zimmer. „Wenn wir hier jetzt schon so sitzen, dann können wir ja auch mal über die Schule reden.", sagte sie und ich hörte nur gespannt zu. Normale Jugendliche in meinem Alter werden das wahrscheinlich nicht verstehen, aber ich freue mich wieder in die Schule zu dürfen. „Welche Klasse bist du denn jetzt? Und auf welche Schule gehst du denn überhaupt?", fragte Julia mich. Ich schaute sie nur kurz etwas erstaunt an, bis mir auffiel, dass sie ja gar nicht weiß, dass unser Vater mir verboten hatte zur Schule zur gehen. „Ich wäre jetzt elfte Klasse, aber das wird denke ich mal eher weniger so sein.", sagte ich, wobei der zweite Teil des Satzes eher geflüstert war. „Wieso denn nicht?", hakte Julia nach. „Naja...ich...er hatte mir verboten zur Schule zu gehen. Ich war das letzte mal in der achten Klasse.", flüsterte ich nun. „Bitte was?! Er hat dir Verboten zur Schule zu gehen?!", meinte Julia völlig entsetzt. Ich nickte nur. „Das gibt es doch nicht. Ich werde das regeln, dass du ab dem neuen Schuljahr wieder zur Schule gehe kannst. Solange bleibst du noch zuhause.", sagte sie und nahm mich nochmal in den Arm. „Lass uns dann mal runter gehen zum essen.", sagte sie, nahm meine Hand und führte mich an den Tisch in der Küche. Wir aßen alle zusammen und danach ging ich auch nur noch schnell duschen und legte mich dann auch schon schlafen, da ich echt müde war.
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Zurück ins Leben
Fiksi PenggemarEin normales Leben eines 16 jährigen Mädchen ist für Malia ein Fremdwort. Einen Nachmittag mit Freunden verbringen, verliebt sein, zur Schule gehen? All das kennt sie nicht. Doch wird sie es schaffen sich ihr eigenes Leben zurückzuholen?