2 -Gefangen-

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Alex erwachte stöhnend. Er öffnete die Augen, er war alleine in einem kleinen Raum. Abgesehen von der harten Pritsche, auf der er lag, gab es lediglich eine nackte Glühbirne in dem weißgestrichenen Zimmer, selbst die Tür seines Verlieses war kalkweiß. Alex verzog das Gesicht als er sich an den pochenden Hinterkopf griff. Als wären seine Kopfschmerzen nicht auch ohne den Schlag schon schlimm genug gewesen. Aber jetzt gab es Wichtigeres! Konzentriert schloss er die Augen, um einen Ausweg zu finden. Das Türschloss zu knacken wäre prinzipiell selbst in seinem geschwächten Zustand für ihn mit etwas Magie keine Schwierigkeit gewesen, doch er spürte eindeutig den Bann eines Magiers. Nie im Leben würde er in seiner Situation diese gebannte Tür aufbekommen! Außerdem spürte er die Präsenz von Vampiren, vielen Vampiren. Er musste in das Hauptquartier eines Territoriumchefs befördert worden sein. Alex schluckte, als ihm bewusst wurde, dass es für ihn keinen Weg hier raus gab, es sei denn, er würde freigelassen werden. Doch warum sollte ihn jemand gehen lassen? Schließlich war er gerade entführt worden! Wütend auf sich selbst, weil er nicht aufgepasst hatte, sprang er auf, boxte mit seiner Faust so fest er nur konnte gegen die Wand und schrie. Erst als er sich schwer atmend mit dem Rücken an der Wand niedersinken lies, fiel ihm die Kamera auf, die jede seiner Bewegungen aufnahm. Trotzig zeigte er ihr den Mittelfinger. Dann begann er zu warten, denn etwas anderes blieb ihm zu seinem Unbehagen nicht übrig. Zwar konnte er sich gut vorstellen, was die Vampire von ihm wollten, aber die Frage, woher sie von ihm wussten, bereitete ihm Kopfschmerzen. Wenn sie sein Alter herausfinden würden, wäre er geliefert, so viel stand fest. Es musste ihn jemand verraten haben, was wiederum bedeutete, dass Alex unvorsichtig geworden sein musste. Er war sich sicher gewesen, dass der Einzige, der ihm wirklich gefährlich werden konnte, ein befreundeter Magier namens Raymond Sullivan war, doch da hatte er sich offenbar getäuscht. Dass Raymond etwas mit seinem Verschwinden zu tun hatte, konnte der Nekromant ohne langes Nachzudenken ausschließen. Der Magier war einer seiner wenigen, aber durchaus loyalen Freunde. Der junge Mann hätte sich vermutlich eher selbst die Zunge abgebissen. Schmerzlich wurde Alex bewusst, dass sein Leben in Einsamkeit einen entscheidenden Nachteil hatte, es würde Wochen dauern, bis jemandem auffiel, dass er weg war. Er hatte zur Zeit so gut wie nur menschliche Kunden und auch seine magischen Klienten würden davon ausgehen, dass er untergetaucht oder extrem unzulässig war. So etwas wie Stammkunden hatte er nicht, da er es strickt ablehnte, mehr als dreimal eine Verbindung aufzubauen. Sein einziger Lichtblick war Raymond, der ihn in ein paar Wochen besuchen wollte. Alex knirschte wütend mit den Zähnen. Ein paar Wochen waren eine verdammt lange Zeit, wenn man in so einer Lage war.

Alex wurde unsanft aus seinen trüben Gedanken gerissen, als er hörte, wie ein Schlüssel in dem Schloss der Tür umgedreht wurde. Er sprang auf, zwar war ihm bewusst, dass er seinem Feind auch im Stehen unterlegen war, allerdings wollte er dies durch den Höhenunterschied nicht noch unterstreichen.
Zwei Männer erschienen in Alex' Zelle, ein etwa vierzigjähriger Magier und ein Vampir, dessen Alter natürlich schwierig einzuschätzen war. Alex konnte nicht sagen, weshalb, aber er glaubte nicht, dass der Vampir alt war. Er war sich sogar fast sicher, dass sein geistiges wie auch körperliches Alter von circa fünfundzwanzig Jahren zusammenpassten. Der Körper von Vampiren alterte nur bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr.

Evan musterte den scheinbar jungen Mann vor sich genau. Es hatte ihn verwundert, dass der Nekromant nicht versucht hatte, die Tür aufzubrechen. Er war schon der Vierte, der in diesem Raum aufwachte, aber trotzdem der Erste, der scheinbar den Bann von Jeffrey, der neben ihm stand, gespürt hatte.

"Alex Martin?", fragte Evan mit fester Stimme.

Als Antwort bekam er nur ein Knurren, welches er als Zustimmung deutete. Der junge Vampir wandte sich an den deutlich größeren Mann neben ihm: "Jeffrey, ich denke, du kannst gehen. Sag bitte meinem Vater, dass ich mit unserem Freund hier rede."

Das Flüstern des TodesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt