Gegen Abend brummte Evan noch immer der Schädel von Alex' ganzen Erklärungen über verschiedenste Bücher, Messer, Tränke und Pflanzen. Der Todesfürst war zufrieden mit sich und seiner Ausbeute, denn tatsächlich hatte er trotz des Chaos, das seine Wohnung fest im Griff hatte, bereits so gut wie alles gefunden, was er meinte die nächsten Wochen zu brauchen.
"Vielleicht sollte ich einfach gleich ausziehen...", murmelte er, was Evan erst für einen Scherz hielt, doch als er die vollkommen ernste, nachdenkliche Miene seines Freundes bemerkte, wurde er stutzig.
"Wie meinst du das? Wo willst du denn hin?", fragte er erschrocken.
Alex schreckte aus seinen Gedanken auf: "Ich wohne schon etwas länger hier und eigentlich wäre es an der Zeit, weiterzuziehen. Andererseits ist meine Tarnung mittlerweile wohl eh überflüssig... Und selbst wenn, ich müsste erstmal was Geeignetes für uns finden..."
"Für uns?", überrascht sah Evan ihn an.
"Hast du allen Ernstes gedacht, ich würde mich jetzt einfach aus dem Staub machen und dich alleine lassen?!", auch wenn er es nicht zugeben wollte, es kränkte Alex ein wenig, dass Evan scheinbar immer noch nicht begriffen hatte, dass er ihn wirklich liebte.
"Naja", der Vampir wurde verlegen, "eigentlich nicht, aber du bist so... na du eben! Und ich bin halt ich! Außerdem hab ich manchmal irgendwie das Gefühl, als würde ich dich zwar kennen, aber einfach nichts über dein Leben wissen!"
"Du weißt doch mittlerweile eine ganze Menge", murmelte Alex.
"Nein!", regte der Brünette sich auf, "Zum Beispiel das Foto in deinem Schlafzimmer, da bist du mit einem Mann drauf und ich hab nicht mal den Schimmer einer Ahnung, wer das ist! Klar, wahrscheinlich der Typ, mit dem du mal zusammen warst, aber was damals passiert ist und wer er war, ich hab keine Ahnung!"
Während Evan beim Reden mit den Händen in der Luft herumfuchtelte, stöhnte Alex ergeben auf: "Ist ja schon gut! Ich wusste, dass du irgendwann damit um die Ecke kommen würdest, aber ich hab gehofft, es würde noch etwas dauern, okay?! Komm mit."
"Wohin?", verwirrt kam Evan der Aufforderung nach.
"Ins Wohnzimmer, die Geschichte könnte länger dauern und ich möchte sie dir ungern stehend im Flur erzählen."
Resigniert ließ der Todesfürst sich auf das Sofa fallen und seufzte auf: "Na gut, dann fang ich wohl am besten am Anfang an... Ich war damals fünfzehn..."
Evan saß ein wenig unruhig da, denn er wusste, dass Alex auch diesen anderen Mann sehr geliebt haben musste und es schien schmerzhaft für den Schwarzhaarigen, zurückzudenken. Fast bereute er, seinen Freund so gedrängt zu haben, doch dann wurden seine Gedanken von Alex angenehmer Stimme unterbrochen und der Vampir hing nur so an seinen Lippen.
Alex, damals noch allgemein mit Alejandro angesprochen, hatte schon in sehr jungem Alter außergewöhnliche magische Kräfte gezeigt, weswegen seine stolzen Eltern keine Kosten und Mühen gescheut hatten, ihm die bestmögliche Ausbildung zukommen zu lassen. Eisern hatten sie den jungen Alejandro auf ein Leben als Todesfürst vorbereitet. Doch der Teenager war rebellisch und weniger begeistert von der Idee seiner Eltern. Im Alter von fünfzehn Jahren hatte er schließlich Winston kennengelernt, einen ganz gewöhnlichen Menschen, aber auch einen Gefährten, der ihn verstand. Hals über Kopf hatten Alejandro und Winston sich ineinander verliebt und obwohl viele Stimmen behaupteten, es sei lediglich eine kleine Jugendliebe, hielt ihre Beziehung. Die Eltern des Nekromanten hatten ihren Plan resigniert fallen gelassen, denn sie hatten eingesehen, dass sie ihren Sohn nicht zu einem Leben als Todesfürst zwingen konnten. Doch dann passierte etwas Unvorhergesehenes, es war kurz das Alejandros neunzehnten Geburtstag. Weshalb die Vampire Winston angriffen, wusste niemand, doch feststand, dass sie den jungen Mann entführt und gefoltert hatten. Für beinahe zwei Wochen hatte er als lebende Blutkonserve gedient, bis er schlussendlich ermordet wurde. Alejandro wusste, dass er seinen Freund unwiederbringlich verloren hatte, denn würde er ihn wiedererwecken, würde der Mann unter seinem Befehl stehen und nicht mehr er selbst sein.
Aber kam es nicht auf einen Versuch an?
Alejandro kam auf eine waghalsige Idee, würde er es schaffen, Winston doch wieder ins Leben zu rufen, wenn er nur genug Macht besaß? Wenn er doch ein Todesfürst werden würde, hätte er dann nicht eine Chance?
Alejandro führte entschlossen das Ritual durch und wurde ein Todesfürst. In seinem gesamten Leben hatte er noch keine Person wiedergebracht und er wollte es nicht bei Winston zum ersten Mal ausprobieren. Verzweifelt weckte er zwei andere tote Menschen, doch sie waren nur leere Hüllen. Aber Alejandro musste Winston wiederhaben. Er hatte so viel versucht, vielleicht hatte es bei den beiden anderen nur nicht funktioniert, weil er es nicht genug gewollt hatte oder weil er sie nicht gekannt hatte! Gegen alle Vernunft holte er also seinen Freund aus dem Totenreich. Doch tatsächlich war auch Winston nur eine lebendige Leiche. Über eine Woche versuchte der Todesfürst alles, was ihm in den Sinn kam, um nur den Mann wieder zu erkennen, der er einst gewesen war. Doch nach dieser Zeit musste er sich eingestehen, dass er versagt hatte. Man konnte einfach keinen Toten wieder wirklich lebendig machen und er wollte nicht, dass Winston litt.
Als Alex den letzten Teil seiner Geschichte erzählte, wurde seine Miene immer kälter und verschlossener. Evan war sich ziemlich sicher, dass der Todesfürst seine Emotionen mit aller Kraft zurückhielt, um stark zu wirken und nicht vor dem Vampir zu weinen. Doch er unterbrach ihn nicht, sondern lauschte weiter.
Mit seinen eigenen Händen hatte Alejandro den Mann, den er über alles liebte und für den er ein Leben in Kauf genommen hatte, das er nie hatte führen wollen, umgebracht, um ihn zu erlösen.
Hi:)
Ich weiß gar nicht, wann ich es das letzte Mal geschafft habe, ein Kapitel morgens schon fertig zu haben! XD
Naja, ich wünsch euch ein schönes Wochenende!
Eure c_in_medias_res <3
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Das Flüstern des Todes
FantasíaEs war ein ganz normaler Tag im Leben des Nekromanten Alex Martin, solange bis er einen Schlag auf den Hinterkopf bekam und von Vampiren entführt wurde. Sein Leben als Einzelkämpfer, wie er sich selbst gerne nannte, war vorbei und auf einmal musste...
