23 -Der Kampf-

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Am nächsten Tag traf sich eine Ansammlung von etwa siebzig Feen, Magiern, Nekromanten und Werwölfen auf einer großen Wiese, unweit Danas Villa. Evan meinte sogar, zwei weitere Vampire gesehen zu haben. Mit Erleichterung hatte er an diesem Morgen bemerkt, dass er keinerlei Schmerzen wegen der vergangen Nacht verspürte. Einerseits war Alex wie versprochen vorsichtig gewesen, andererseits spielte seine beschleunigte Heilung durch das Vampirgen wohl auch eine Rolle. Jedenfalls starrte er seinen Freund in ebendiesem Moment mit großen Augen an.

"Was ist?", fragte Alex mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Hast du nicht gestern gesagt, wir würden uns in Kampfmontur treffen?!"

"Ja, selbstverständlich. Mit was denn sonst? Im Ballkleidchen?", neckte der Schwarzhaarige ihn.

Evan stöhnte: "Sehr witzig... Aber warum bist du dann bitte der Einzige hier, der entspannt mit Jeans und Mantel, statt mit irgendeiner Art Schutz hier ist?!"

Alex lächelte leicht und drückte dem Brünetten einen Kuss auf den Mund: "Evan, ich bin ein Todesfürst, ich brauche keinen Panzer und außerdem hab ich in dem Mantel schon die ein oder andere Waffe drin..."

Verärgert und besorgt runzelte der Vampir die Stirn. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, Alex schutzlos zu sehen. Mochte er noch so sehr widersprechen, genau das war er in Evans Augen nämlich. Außerdem war ihm schmerzlich bewusst, dass sein Freund zwar ein Todesfürst sein mochte, und ein sehr mächtiger dazu, doch dennoch würde er sich nicht wiedererwecken. Das würde seinem ganzem Weltbild, ja seiner gesamten Moralvorstellungen so sehr widersprechen. 

"Ich pass' auf mich auf", sagte Alex in etwas versöhnlicher, "und auf dich natürlich auch!"

Langsam wurde die Menge unruhig, Raymond und ein paar weitere Magier hatten bereits begonnen Portale zu erschaffen. Diese würden sie bis kurz vor die Grenze der Vampirterritoriums bringen. Allein bei dem Gedanken, seinen Vater wiederzusehen, drehte Evan sich der Magen um. Alex drückte seine Hand noch einmal bekräftigend, dann kletterte er auf einen alten Baumstumpf, der am Rand der Wiese in Gras vor sich hin rottete. Der Todesfürst begann einige aufmunternde Worte an seine Armee zu richten, auch wenn er dafür nicht gerade in der Stimmung war, betonte ein weiteres Mal, dass es in erster Linie darauf ankam, Maverick von seinem Clan wegzuschaffen, tot oder lebendig. Es war ihm gleichgültig, ob der Vampir sterben musste, doch er wollte es selbst tun. Er selbst wollte Maverick gepeinigt sehen, so wie dieser einst ihn selbst gequält hatte. Doch viel mehr noch ging es ihm um Vergeltung für das, was Maverick seinem eigenen Sohn angetan hatte. Zu seinem Groll musste er auch verkünden, dass Evan an ihrer Spitze laufen würde, denn erstens kannte er sich mit Abstand am besten in dem Gebiet der Vampire aus und zweitens erhofften sie sich Verwirrung bei den Gegnern. Es hatte lange gedauert, Alex von diesem Plan zu überzeugen, doch letzten Endes hatte er zugeben müssen, dass dieser ihnen einen entscheidenden Vorteil würde liefern können.

Hand in Hand schritten Vampir und Todesfürst als erstes durch das tiefblaue Portal, direkt hinter ihnen gingen Dana und Atticus. Genau wie Evan waren die beiden durch eine Art schwarzen Brustkorb geschützt, an ihren Gürteln waren verschiedenste Waffen befestigt. Schwerter, Dolche und Messer, die mit Klingen aus verzauberten Stahl besetzt waren und es ihnen so ermöglichten, auch einen Vampir zu töten. Atticus hatte außerdem seinen Bogen und ein Köcher voll Pfeile dabei, er war ein guter Schütze, ein begnadeter Bogenschütze. Tatsächlich war nur an Alex auf den ersten Blick keine Art von Schutzkleidung oder Waffe zu sehen, doch wenn man ihn genau betrachtete, konnte man einige Ausbeulungen in seinem Mantel erkennen. 

Alex verkniff sich ein besorgtes Seufzen und versuchte stattdessen eine starke Miene zu wahren, als die kleine Armee sich auf den Weg zum Hauptquartier des Clanchefs machte. Noch immer war ihm nicht wohl dabei, dass Evan hier war, und das auch noch in vorderster Front. Doch er konnte es nicht mehr verhindern, er war sich sogar sicher, dass die ersten Späher ihre Anwesenheit bereits bemerkt und vermutlich auch gemeldet hatten. Und wenn er eins in seinem langen Leben gelernt hatte, dann dass Vampire meist nicht besonders lange auf einen Angriff warten ließen. Tatsächlich dauerte es nicht mehr lang, da machten seine Augen bereits die ersten Gegner aus. Von einer Anhöhe auf kamen ihnen massenhaft Vampire, ein paar Magier und sogar ein Nekromant entgegen. Es sollte ein dreckiger Kampf werden. Alex versuchte Maverick ausfindig zu machen, was ihm auch gelang, doch er war mindestens dreißig Meter entfernt und vor ihm waren viel zu viele Vampire, als dass er zu ihm hätte vordringen können. Doch der Nekromant war nur etwa zwei Meter von ihm entfernt und Alex beschloss, ihn sich vorzuknöpfen, denn der Nekromant würde eventuell noch eine brauchbare Waffe des Clans darstellen können, sollte er nicht auf dem Weg geräumt werden. Mit einem Ruck befreite der Todesfürst sein Schwert aus seinem Gürtel, man hatte es dank des Mantels nicht sehen können. Ein Vorteil für ihn, denn er stand vor dem Nekromanten, der offenbar noch nicht besonders erfahren war und ihn nun leicht unbeholfen Anzugreifen versuchte. Den Nekromanten auszuschalten, bedurfte Alex nicht viel Zeit, doch schon stand ein großgewachsener Vampir in seinem Weg, der sich als deutlich widerstandsfähiger erwies. Die Klingen klirrten laut auf, als ihre Schwerter sich in der Luft trafen. 

Evan, der ein wesentlich geübterer und auch stärkerer Krieger als sein Freund war, sah im Augenwinkel besorgt, dass Alex bereits nach wenigen Minuten eine Schnittwunde am Arm hatte. Doch er unterschätzte den Todesfürsten, der wütend aufschrie und aus dessen Fingern nun, da sein Gegner einen kleinen Abstand zu ihm hatte, giftgrüne Funken sprühten. Der Vampir hatte noch siegessicher gegrinst, doch nun schrie er auf. Evan begriff, Alex entzog ihm Lebensenergie und fügte ihm obendrein noch die Verletzung zu, die an seinem eigenen Arm ebenso schnell heilte, wie die des anderen begann zu bluten. Beruhigt wollte er sich wieder voll und ganz auf das Schlachtfeld vor ihm konzentrieren, doch in diesem Moment spürte er eine Klinge an seinem Hals. 

 "Schmor in der Hölle, Verräter", hörte er eine kalte Stimme in seinem Ohr, die ihm eine Gänsehaut bescherte. Und urplötzlich realisierte er innerhalb eines Sekundenbruchteils, dass es für ihn jetzt vorbei war. Er würde sterben.   

Das Flüstern des TodesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt