„Und wie genau wird aus einem Nekromanten ein Todesfürst?“
„Durch ein sehr kompliziertes und gefährliches Ritual, die meisten überleben es nicht…“, antwortete Alex nachdenklich, „Im Prinzip kann ein Todesfürst so ziemlich das selbe wie ein Nekromant, er ist nur stärker. Nekromanten altern und sterben genauso wie Menschen, es sei denn, sie entscheiden sich, dieses eine Ritual zu vollziehen. Gelingt es, altert der Körper wie bei euch nur bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr und selbst wenn der Todesfürst ermordet wird, kann er sich selbst aus dem Totenreich zurückholen…“
„Er ist also wirklich unsterblich? Wenn er sich selbst zum Wiedergänger machen kann, dann kann doch nichts und niemand ihn umbringen, warum gibt es dann so wenige? Und du hast doch gesagt, bei Wiedergängern ist die Seele tot, ist dass bei Todesfürsten genauso?“, fragte Evan gespannt.
„Langsam, langsam! Wenn ein Todesfürst sich selbst zurück in diese Welt befördert, ist er quasi sein eigener Meister, deshalb bleibt die Seele unbeschadet. Das Problem ist, dass erstens die meisten Nekromanten sterben, wenn sie ein Todesfürst werden wollen. Zweitens passiert es oft, dass ein toter Todesfürst zu geschwächt ist, um wieder zurückzukommen. Außerdem muss ihn etwas sehr fest hier halten, denn im Totenreich ist die ewige Ruhe, es soll sehr schwer sein, sich davon loszureißen, wenn man selbst tot ist.“, erklärte Alex und machte eine Pause, um etwas zu trinken. Von dem ganzen Gerede, fühlte sich sein Hals schon an, als hätte er eine große Portion Sand zu sich genommen.
„Aber einen wirklich starken Todesfürst kann man im Prinzip nicht töten?“
Der Mann neigte bedächtig den Kopf hin und her: „Wenn er stirbt, kann er überleben. Aber angenommen, man würde ihn sobald er lebt, sofort wieder töten und immer so weiter, wäre seine Kraft vermutlich irgendwann aufgebraucht, aber da weiß ich nicht viel drüber. Ist meines Wissens noch nie passiert.“
„Und wie alt ist der älteste Todesfürst?“, die Neugier hatte den Vampir fest gepackt.
„Der Älteste, von dem ich je gehört habe, war 438 Jahre alt. Dann hat er sich umgebracht, weil er genug gelebt hat. Übrigens keine seltene Todesart bei Todesfürsten.“
„Warum gibt es eigentlich so wenig Nekromanten?“
„Also einerseits ist da das rezessive Gen, aber in erster Linie haben wir viele Feinde“, erwiderte Alex ohne die Miene zu verziehen.
Erstaunt sah Evan in an: „Warum?“
„Meine Güte! Ist das nicht offensichtlich?“, fragte Alex genervt, während der Braunhaarige sich über den plötzlichen Stimmungswechsel seines Gegenübers wunderte, „Abgesehen von den Clans sehen alle nur die Bedrohung in uns. Sie haben Angst, dass wir ihre Verstorbenen aufwecken und gegen sie missbrauchen oder so. Nur wenn sie noch mal mit einem Angehörigen reden wollen, dann sind wir plötzlich ihre besten Freunde!“
Es war nicht zu übersehen, dass Alex nicht das erste Mal darüber nachdachte, er schäumte förmlich vor Wut. Zu Evans immenser Überraschung, verstand er Alex. Nachdenklich betrachtete er den hübschen Mann, der ihm so rätselhaft vorkam.
Alex atmete tief durch und ärgerte sich über seinen Ausbruch. Er hatte dem Vampir schon zu viel gesagt, dessen war er sich sicher. Sein größtes Manko war schon immer gewesen, dass er schönen Jungs zu leicht vertraute. Ohne Nachzudenken hatte er Evan seine Welt erklärt und er hatte ihm ohne es zu bemerken gesagt, wie er ihn töten konnte. Jetzt konnte er nur noch hoffen, dass der zweifellos intelligente Vampir nicht realisierte, was er da gehört hatte.
Sowohl Alex als auch Evan zuckten zusammen, als es an der Tür klopfte. Der Braunhaarige blinzelte zweimal und stand dann auf, um die Tür zu öffnen. Zum Vorschein kam ein vergleichsweise kleiner und kindlich wirkender Vampir, der trotz seiner Erscheinung bereits über neunzig Jahre alt war.
„Entschuldige die Störung“, sagte der Neuankömmling und neigte als Zeichen des Respekts den Kopf.
„Warum bist du hier?“, fragte Evan erstaunt und gab dem anderen Vampir damit die Erlaubnis, den Blick zu heben.
„Ich soll dir von deinem Vater ausrichten, dass er ihn“, er deutete in Alex Richtung und setzte zum Weitersprechen an, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken, als er den Mann sah, „Alex?!“
Während Evan verwirrt zwischen seinem Gefangenen und dem Vampir hin und herblickte, stöhnte Alex auf: „Samuel…“
„Ich wundere mich, dass du dich noch an meinen Namen erinnerst!“
„Ich mich auch!“, erwiderte Alex und funkelte den Vampir an.
„Wie lange ist das jetzt her? Siebzig Jahre?“, fragte der Angesprochene feindselig.
„Ich wusste immer, dass es eine dumme Idee ist, einen Vampir zu ficken…“, sagte Alex. Seine letzten Hoffnungen waren mit der Ankunft des zweiten Vampirs endgültig zerstört worden, nun wusste Evan, dass er ein Todesfürst war. Dieser bekam ein gefährliches Funkeln in den Augen, als die Erkenntnis ihn traf, er hatte es von Anfang an gewusst und nun hatte er den Beweis.
„Samuel, ich würde dich gerne unter vier Augen sprechen! Alex, ich komme später noch einmal wieder!“
Alex saß alleine in seiner Zelle. Er vermochte nicht zu sagen, wie viele Stunden er schon auf Evan wartete. Es gab in dem Raum, in dem er sich befand, weder eine Uhr noch ein Fenster, sodass ihm sein Zeitgefühl langsam aber sicher verloren ging. Er war müde und hungrig, also beschloss er, sich etwas hinzulegen. Trotz seiner Müdigkeit, schaffte er es jedoch nicht, einzuschlafen. Unruhig wälzte er sich hin und her. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, doch gegen Alex´ Erwartung stand dort nicht Evan, sondern zwei andere Vampire. Der eine hatte dunkelblondes Haar und einen merkwürdig quadratisches Gesicht mit einer großen Narbe, die seine gesamte rechte Wange bedeckte. Jemand musste ihm die Haut dort mit Silber verätzt haben, schoss es Alex durch den Kopf, denn sonst wäre die Wunde spurlos verschwunden. Der andere Vampir sah Evan wie aus dem Gesicht geschnitten. Vom Aussehen her, hätten die beiden Zwillinge sein können, doch Alex spürte, dass der Mann etwa einhundertsechzig Jahre alt sein musste, er vermutete, dass er Evans Vater gegenüber stand.
„Alex, ich möchte, dass du mir jetzt gut zuhörst, denn ich wiederhole mich nur sehr ungern. Ich bin Maverick Williams, das Clanoberhaupt, wie du zweifellos schon weißt. Du weißt auch, dass du für meinen Clan eine Armee aufbauen sollst und dass ich weiß, dass du ein Todesfürst bist. Ich habe nur eine Frage an dich: Arbeitest du freiwillig mit mir zusammen?“, fragte Evans Vater.
Alex sah ihn ruhig an: „Lieber würde ich sterben.“
Maverick lachte ohne eine Spur amüsiert zu sein: „Unter anderen Umständen wäre das überhaupt kein Problem gewesen, aber du bist mindestens einhundert Jahre alt und damit viel zu wertvoll. Mal sehen, vielleicht änderst du deine Meinung ja noch, nachdem du und Marcus“, er nickte zu dem Mann neben ihm, „euch ein bisschen kennen gelernt habt…“
Stunden später stand Alex nackt mit den Händen an einen Balken gefesselt, sein gesamter Körper schmerzte fürchterlich. Sein Rücken war blutüberströmt und seine Haut war in Fetzen zerrissen. Erneut holte Marcus aus und ließ die Peitsche mit aller Kraft auf Alex´ Rücken niedersausen. Der Nekromant schrie auf und sackte noch mehr in sich zusammen. Bald würde er sein Bewusstsein verlieren und er betete, dass dies nicht mehr lange dauern würde. Diese Schmerzen waren nicht zu ertragen, doch er durfte nicht für die Vampire arbeiten. Er hatte nicht das Recht dazu, sein Wohl über das von Hunderten zu stellen.
Gerade als Alex die ersten schwarzen Punkte am Rand seines Sichtfeldes wahrnahm, wurde die Tür des Folterkellers aufgerissen und er konnte die Umrisse von Evan und dem Magier erkennen, der bei seiner ersten Begegnung mit dem Vampir dabei gewesen war. Doch obwohl er nun versuchte, die Augen offen zu halten, verließ ihn seine Kraft und er sank bewusstlos zusammen, sein Körper wurde nur noch von den Fesseln halbwegs aufrecht gehalten.
Hallöchen:)
So, jetzt seit ihr hoffentlich erst mal genug über Nekromanten und Todesfürsten aufgeklärt.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich bei diesem Buch meistens echt zwingen muss, weiterzuschreiben, aber wenn ich erst mal dabei bin, geht’s plötzlich wie von alleine. Ich würde mich wie immer sehr über euer Feedback freuen! ;)
Bis dann, eure c_in_medias_res <3
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Das Flüstern des Todes
FantasiaEs war ein ganz normaler Tag im Leben des Nekromanten Alex Martin, solange bis er einen Schlag auf den Hinterkopf bekam und von Vampiren entführt wurde. Sein Leben als Einzelkämpfer, wie er sich selbst gerne nannte, war vorbei und auf einmal musste...
