„Also Samuel, wann und wo genau hast du Alex kennengelernt?", fragte Evan aufgeregt, nachdem er den deutlich älteren Vampir in einen kleinen Raum in der Nähe von Alex' Zelle gezerrt hatte.
„So genau weiß ich das nicht mehr, das muss wie gesagt vor ungefähr siebzig Jahren gewesen sein... Wir haben uns in einer Bar in Kolumbien getroffen und uns ein bisschen unterhalten..."
Einen kurzen Moment lang vergaß Evan die Wichtigkeit ihres Gespräches: „Soso, nur unterhalten... das klang vorhin aber ganz anders!"
Sein Gegenüber lief zart rosa an und scharrte verlegen mit dem Fuß auf dem Boden herum. Zwar war Homosexualität unter Vampiren längst kein Verbrechen mehr, aber trotzdem nicht gerne gesehen. Hinzukam Mavericks offenkundige Abscheu gegen Homosexuelle. Obwohl er deshalb noch niemanden seines Clans verwiesen hatte, bekamen die Betreffenden von allen Seiten deutlich zu spüren, dass sie unerwünscht waren. Samuel blickte mit äußerster Vorsicht zu Evan auf, er kannte die Einstellung des Sohnes seines Clanchefs nicht und es wäre unklug, sich mit ihm anzulegen. „Man könnte sagen, dass dieser... dieser Mann mit mir geflirtet hat und wir eine Nacht zusammen verbracht haben. Als ich ihn allerdings am nächsten Tag wiedersehen wollte, stand seine Wohnung leer, er war von einem auf den anderen Tag spurlos verschwunden..."
„Wusste wirklich niemand, wo er hingegangen ist?", Evan musterte ihn eindringlich.
Überrascht, weil der Braunhaarige mit keinem Wort auf die pikanteren Details einging, antwortete der andere Vampir: „Mein Spanisch war zu der Zeit nicht besonders gut und es ist lange her, aber ich habe den Barkeeper gefragt, weil ich mitbekommen hatte, dass die beiden sich kannten. Er sagte nur, dass Alex umgezogen sei und dass er das wohl öfter tun würde... Er hat in Cartagena, also in der Stadt, in der ich ihn kennengelernt habe, wohl auch nur drei Jahre gelebt."
„Natürlich!", Evan begann auf und ab zu gehen, während er mehr zu sich selbst, als zu Samuel sagte: „Er will nicht gefunden werden und es wäre zu auffällig an einem Ort zu bleiben, schließlich wird er nicht älter...", plötzlich richtete er sich wieder an den anderen Mann, „Weißt du noch, unter welchem Namen er sich ausgegeben hat?"
„Was? Warum? Ich glaube, er hieß Montgomery oder so mit Nachnamen", murmelte der Angesprochene mit gerunzelter Stirn.
„Weil er sich zur Zeit Alex Martin nennt! Das sind mit Sicherheit beides falsche Namen!", rief Evan aufgeregt, während seinem Gegenüber unweigerlich das Bild eines Jagdhundes, der Blut geleckt hatte, in den Sinn kam. „Wie gut spricht er Spanisch?"
„Er spricht es fließend."
Immer noch tigerte der Braunhaarige unruhig durch den Raum. Langsam setzten sich die Teil wie die eines Puzzles in seinem Kopf zusammen. Alex war ein mindestens hundertjähriger Todesfürst, der diese Tatsache mit allen Mitteln zu verbergen versuchte, weshalb er oft umzog und vermutlich jedes mal einen anderen Nachnamen verwendete. Da er gut Spanisch sprach, vermutete der Vampir, dass Alex' Eltern wohl aus irgendeinem Land kamen, in dem es Landessprache war. Es beruhigte Evan ein wenig, dass Alex offenbar durch die vielen Umzüge ein ziemlich einsames Leben führte, denn er hatte befürchtet, dass schon bald jemand den Todesfürsten vermissen würde. Wer konnte schließlich wissen, was für mächtige Freunde der Mann hatte. Aber unter diesen Umständen hoffte Evan, dass entweder niemand etwas bemerkte, oder dass das Verschwinden von Alex zumindest erst recht spät auffallen würde.
Sowohl Evan, als auch Samuel zuckten heftig zusammen, als es hinter der geschlossenen Tür plötzlich laut rumpelte und ein Schlüssel im Schloss umgedreht wurde. Der jüngere Vampir lief sofort zu eben jener und wollte sie öffnen, doch so sehr er auch an ihr zog und zerrte, die Tür bewegte sich nicht einen Millimeter.
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Das Flüstern des Todes
FantasyEs war ein ganz normaler Tag im Leben des Nekromanten Alex Martin, solange bis er einen Schlag auf den Hinterkopf bekam und von Vampiren entführt wurde. Sein Leben als Einzelkämpfer, wie er sich selbst gerne nannte, war vorbei und auf einmal musste...
