27 -Abschied-

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Evan war sich nicht sicher, ob er erleichtert oder enttäuscht sein sollte, als er und Alex sich wieder in Danas Villa befanden. Einerseits war er selbstverständlich froh, dass sie unbeschadet zurückgekehrt waren, andererseits hatte er die Zweisamkeit mit dem Todesfürsten sehr genossen. Sie hatten nicht mehr besonders viel über Winston gesprochen, denn es fiel Alex offenbar noch immer schwer, darüber zu reden. Dennoch fühlte er sich Evan näher denn je und er war glücklich, dass der Vampir jetzt bescheid wusste. 

Alex wusste, dass es langsam Zeit wurde, mit den alten Geschichten abzuschließen, doch er tat sich schwer damit. Es mochten beinahe dreihundert Jahre vergangen sein, das hinderte ihn aber nicht daran, sich an Winstons Tod zu erinnern als wäre es erst gestern passiert. Doch so konnte es nicht mehr weiter gehen, er hatte lange genug darunter gelitten. 

Evan wusste nicht genau, was Alex vorhatte, als er begann ein paar Sachen an sich zu raffen und sich in ein leeres Zimmer einsperrte, aber er hatte eine Ahnung, dass sein Freund heute mit Winston reden wollte. Und damit hatte er recht, der Todesfürst hatte alles vorbereitet und schloss gerade konzentriert die Lider. Es fiel ihm heute zwar nicht schwer, Winston zu finden, dafür war die Verbindung noch zerbrechlicher als sonst.  

"Alejandro?", der Dunkelblonde sah ihn überrascht an, "Es ist noch kein ganzes Jahr vergangen oder?"

"Hallo Winston", flüsterte Alex. Er sah in das besorgte Gesicht seines Ex-Freundes und lächelte sogar ein bisschen: "Nein, es ist noch kein Jahr vergangen... Aber ich muss mit dir reden."

"Warum? Was ist passiert?", der Todesfürst konnte Winston ansehen, wie verwirrt er war. 

"Ich... ich hab jemanden kennengelernt.", sagte er schließlich und sein Lächeln wurde augenblicklich erleichtert erwidert.

"Endlich. Wie ist er denn so?"

"Er heißt Evan und ist ein Vampir. Und er ist einfach... naja, einfach er, nach außen immer beherrscht und ruhig, aber eigentlich mutig und leidenschaftlich. Und unfassbar stark", murmelte Alex.

Winston sah ihm fest in die Augen und lächelte, wenn auch ein wenig traurig: "Ich bin froh, dass du wieder lebst... Behalt ihn, er tut dir offensichtlich gut!", kurz zögerte er, doch dann schloss er an, "Du bist hier, weil du dich verabschieden willst oder?"

Alex blickte betreten zur Seite und nickte: "Du weißt genauso gut wie ich, dass ich dich immer geliebt habe und das auch immer tun werde... Aber ich kann das hier nicht mehr, nicht wenn ich mit Evan zusammen bin..."

"Das ist auch richtig so, es wäre ihm gegenüber nicht gerecht. Glaub mir, ich liebe dich auch, aber ich bin stolz auf dich, dass du deine Entscheidung so getroffen hast. Nicht, dass ich dich nicht vermissen würde, aber es ist besser so und jetzt werde ich beruhigt ruhen können, weil ich weiß, dass es dir gut geht!", Winston nahm Alex fest in den Arm.

"Tschüss Winston", Alex schluchzte leise auf und fügt noch hinzu, "es tut mir alles so leid..."

"Nein, das zwischen uns sollte wohl einfach nicht sein und du bist einfach ein herzensguter Mensch, der versucht hat, alles richtig zu machen.", widersprach der Dunkelblonde vehement,  "Dafür solltest du dich niemals entschuldigen! Mach's gut und pass auf dich und Evan auf, Alejandro. Versprichst du mir das?"  

"Ja, ich verspreche es!", sagte Alex und kaum dass Winston die Worte vernommen hatte, brach die Verbindung, dieses Mal für immer.

Evan lief zur gleichen Zeit durch einen Flur, weil er auf der Suche nach Atticus war, als er ein leises Poltern hörte. Es kam aus dem Zimmer, in das Alex sich eingeschlossen hatte. Besorgt beschleunigte der Vampir seine Schritte und klopfte energisch an die Tür: "Alex? Alex, ist alles in Ordnung?"

Als keine Antwort zu vernehmen war, rief er erneut, dieses Mal deutlich panischer: "Alex? Ich breche die Tür auf! Komm schon, jetzt antworte!"

Doch noch immer hörte er nichts. Mit seiner Vampirkraft warf er sich gegen die stabile Eichenholztür, die unter dem Druck augenblicklich nachgab. Er sah Alex, der in der Mitte des Raumes auf dem Boden lag und offenbar bewusstlos war. Der Brünette ließ sich neben ihm auf den Boden nieder, strich ihm vorsichtig das schwarze Haar aus der Stirn: "Alex! Alex, komm schon... Wach auf!"

Tatsächlich schlug der Spanier die Augen auf und sah sich kurz orientierungslos um, bis er Evan neben sich auf dem Boden entdeckte und sich mit seiner letzten Kraft an diesen drückte und ihn fest umarmte.

"Du hast mit Winston gesprochen oder?", fragte Evan nach einer Weile, in der er Alex nur festgehalten hatte, sanft.

Alex nickte bestätigend und brachte etwas mühsam hervor: "Ich... ich hab mich verabschiedet..."  

Evan blieb die Luft weg, das musste dem Todesfürst unendlich schwer gefallen sein und dem Vampir wurde bewusst, dass Alex dieses Opfer zumindest auch für ihn gebracht hatte. Er wusste nicht, was er sagen sollte, er strich nur mit den Händen sanft über Alex' Rücken, während er ihn weiterhin im Arm hielt. 

Doch in diesem Moment brauchten sie auch keine Worte, um einander zu verstehen. Sie brauchten nur den Körper des jeweils anderen, der sie stützte. Die Nähe, die ihnen vor Augen führte, dass Liebe das Einzige war, das zählte.



Hi:)
Ich muss ganz ehrlich zugeben, die beiden letzten Kapitel sind schon ziemlich tragisch und traurig geworden, aber ich mag die Tatsache, dass dadurch auch etwas Schönes entsteht.
Manchmal frage ich mich, ob überhaupt irgendwem auffällt, dass ich ab und an versuche, irgendwelche Botschaften in Kapiteln zu verpacken, geschweige denn ob es mir selbst auffallen würde, wenn ich das Buch nicht geschrieben hätte.
Wie dem auch sei, ich hoffe wirklich, es hat euch gefallen und es wird euch momentan nicht zu traurig oder eintönig. Lasst gerne Feedback da, ich freue mich ehrlich über jedes Sternchen, das angeklickt wird, und jeden einzelnen Kommentar, auch wenn es mal nur ein Smiley oder so ist!
Bis nächste Woche,
eure c_in_medias_res <3

Das Flüstern des TodesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt