18 -Durst-

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"Oh mein Gott!", aufgeregt eilte Dana in das große Esszimmer. Atticus und Raymond, die bis eben in ein Gespräch über Portale verwickelt gewesen waren, sahen beim leicht panischen Klang ihrer Stimme besorgt auf.

"Was ist passiert?", fragte Raymond beunruhigt.

"Alex ist weg! Er ist nicht in seinem Bett und im Badezimmer war er auch nicht!", aufgewühlt fuchtelte die Fee mit den Händen durch die Luft.

Raymond seufzte, der Nekromant neben ihm setzte ein breites Grinsen auf: "Hast du bei dem Vampir geguckt?"

"Nein! Warum sollte ich? Schlimm genug, dass Alex den angeschleppt hat!", empörte sie sich.

"Meine Güte, Dana!", Raymond sah sie beinahe mitleidig an, "er ist in Evan verliebt! Glaubst du allen Ernstes, er hätte ihn sonst mit hier her gebracht?! Selbst wenn er eine Geisel gebracht hätte, hätte er ihn einfach laufen lassen, nachdem er raus aus dem Vampirterritorium war..."

"Nie im Leben mag er diesen Möchtegern von einem Vampir!", Atticus und Raymond tauschten einen bedeutungsschwangeren Blick aus. Alex mochte es entgangen sein, doch es war nicht wirklich schwer zu erkennen, dass die Fee einen Narren an dem Todesfürsten gefressen hatte. 

Der Nekromant verdrehte die Augen: "Okay, ihr zwei macht schon mal Frühstück und ich gehe jetzt in Evans Zimmer und wecke die beiden. Ich wette, Alex ist bei ihm!"

"Tu', was du nicht lassen kannst", schnaubte Dana, nur um Sekunden später ihren Frust an einem ihrer Hausmädchen auszulassen.

Atticus hingegen lief ohne Eile die Treppe hoch und blieb vor dem Zimmer des Vampirs stehen. Er konnte sich nicht wirklich entscheiden, ob Dana ihm leid tat oder nicht. Einerseits konnte sie unerträglich dramatisch sein, übertrieb im Regelfall maßlos und schreckte auch oft nicht davor zurück, mit den Gefühlen anderer zu spielen, solange sie ihren Vorteil aus der Sache ziehen konnte. Andererseits war sie immer noch seine Freundin und immerhin war sie sehr loyal und wenn man wirklich in der Patsche saß, zögerte sie meist auch nicht lange zu Helfen. Lautlos stieß er Luft aus, von der er gar nicht bemerkt hatte, sie angehalten zu haben. Er konnte an der Situation sowieso nichts ändern und selbst wenn er es gekonnt hätte, hätte er es nicht gewollt. Leise öffnete er die Tür und  bei dem Anblick, der sich ihm bot, stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Evan, der immer noch das T-Shirt vom Vortag trug, lag auf dem Rücken, einen Arm um Alex gelegt, der seinen Kopf auf der Brust des Vampirs gebettet hatte. 

Evans feines Vampirgehör weckte ihn an diesem Morgen. Sofort saß er kerzengerade im Bett, weswegen auch der Todesfürst unsanft geweckt wurde. Panisch suchte der Brünette nach der Ursache des Geräusches, dass ihn so abrupt aus dem Schlaf gerissen hatte, und entdeckte Atticus.

"Morgen! Dana dachte schon, du wärst getürmt, Al... Naja, es gibt übrigens Frühstück, steht also bitte auf!", sagte dieser gut gelaunt.

"Gott, das war so peinlich...", murmelte Evan verschämt, kaum dass die Tür hinter Atticus ins Schloss gefallen war.

"Mhh...", brummte Alex verschlafen und rieb sich den Schlaf aus den Augen. 

"Wie geht's dir? Du hast im Moment viel zu wenig gegessen und geschlafen hast du die letzten Nächte auch nicht genug!", Evan musterte ihn mit gerunzelter Stirn, doch sein Gegenüber winkte ab.

"Es geht schon, hab schon Schlimmeres durchgemacht und da hatte ich keinen Freund, der sich wie meine Mum aufgeführt hat..."

Darauf schwieg Evan. Freund, das Wort spukte in seinem Kopf herum. Ihm war klar, dass Alex ihn zumindest nicht hassen konnte, ansonsten hätte er ihm wohl kaum die Wahl gelassen, in nun mehr drei Tagen zu gehen oder bei ihm zu bleiben, aber er hatte es nicht wirklich gewagt, sie als Freunde zu bezeichnen. Es fühlte sich gut an, aber irgendwie auch nicht. Er fühlte einen Stich in der Brust. 

"Ich muss mal kurz rüber, ich hab meine Klamotten gestern nicht mitgenommen... Treffen wir uns unten?", fragte Alex.

Evan nickte nur.

Der Todesfürst war froh, seine Sachen noch holen zu müssen. Es brachte ein wenig Abstand zwischen ihn und den Vampir. Es war genau wie damals bei Winston, dieses Herzklopfen, das Gefühl unbegrenzter Möglichkeiten, einfach von Freiheit und die Gewissheit, einen Vertrauten an seiner Seite zu haben. Doch das durfte nicht passieren, es war so schon kompliziert genug, er wollte nicht schuld daran sein, wenn Evans Leben in die Brüche ging. 

Das Frühstück verlief einigermaßen ruhig, da Dana aufgrund der Tatsache, dass Alex bei Evan geschlafen hatte, wütend war und sowohl Vampir, als auch Todesfürst in Gedanken versunken waren. Alex biss dennoch genüsslich eine Ecke seines Croissants ab, bin ihm einfiel, dass Evan mittlerweile definitiv ebenfalls Hunger haben musste, oder besser Durst

"Evan! Wir müssen dir Blut besorgen!"

"Das eilt nicht so sehr, ein paar Tage geht das notfalls schon noch...", behauptete Evan, doch seine rotaufleuchtenden Augen straften ihn Lügen. 

"Dana, wo kriegen wir hier Blut her?", mischte Raymond sich ein.

"Woher soll ich das wissen? Sehe ich wie einer von diesen Blutschlürfern aus?!", Evan zuckte kaum merklich zusammen. Es war klar, dass er hier nicht erwünscht war, aber er hatte gehofft, dass die Reaktionen weniger heftig ausfallen würden. Doch zu seiner großen Überraschung schien die Fee die einzige zu sein, die ein Problem mit seiner Anwesenheit hatte, denn die übrigen drei begannen gemeinsam darüber zu sinnieren, wie sie Evan so schnell wie möglich von seinem Durst befreien konnten. 

Er räusperte sich: "Also, wenn es hier einen Wald gibt, kann ich auch einfach Tierblut trinken, ich brauche nicht unbedingt welches aus dem Krankenhaus..."

Sein Vorschlag wurde akzeptiert und Atticus beschloss, ihm den Weg zu weisen, da er, wie er beteuerte, morgens sowieso gerne an der frischen Luft war. Der Vampir wartete an der Haustür, während der Nekromant sich noch eine Jacke holen ging, denn draußen war es noch immer ziemlich kalt. Ohne es zu wollen, hörte Evan, wie Dana mit Alex sprach: "Du hättest ruhig erzählen können, dass der Kleine dein neues Spielzeug ist..."

"Dana!", rief Raymond entrüstet.

"Er ist nicht mein Spielzeug...", sagte Alex betont ruhig. Bei diesen Worten atmete Evan erleichtert auf.

"Was ist er dann? Dein Freund oder was?!"

"Evan ist ein Freund und ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum ich dieses Verhör über mich ergehen lassen muss!"

In diesem Moment kam Atticus mit seinem üblichen Grinsen auf den Lippen wieder und zog den Vampir mit sich. 

Warum war er nur ein Freund für Alex? Und warum zur Hölle, musste ihm ausgerechnet letzte Nacht endgültig und unwiderruflich bewusst werden, dass er sich in den Todesfürsten verliebt hatte?

  

Hey:)

Ja, so viel zum Thema mehr Action... Naja, ich geb mir Mühe!XD Vielleicht wird's nächstes Mal was. 
Ich habe dieses Kapitel emelotte123 gewidmet, als kleines Dankeschön, für das viele Feedback und deine nicht enden wollende Geduld, wenn ich mal wieder etwas am Verzweifeln bin!

Bis Freitag, eure c_in_medias_res <3

Das Flüstern des TodesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt