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Die drei Freunde waren gerade am Weg zu der Busstation und Jimin hörte den beiden Jüngeren nur mit halben Ohr zu, doch alleine die Tatsache, wie viel Energie Taehyung aufbringen konnte, um sich über ihre Geographielehrerin aufzuregen, zauberte ein belustigtes Grinsen auf das Gesicht des Ältesten der drei. Belustigt, aber nicht glücklich. Das war er schon eine ganze Weile nicht mehr und mindestens genauso lange ist es her, dass der blonde Junge ehrlich gelacht hatte. Dieser Gedanke betrübte diesen wieder, doch er ließ sich nichts anmerken, denn seine besten Freunde sollte sich keine Sorgen machen. Das hatten die Beiden nicht verdient, dafür waren sie viel zu lieb. Außerdem wüsste Jimin auch gar nicht, wie er das alles, was in ihm vorging erklären hätte sollen. Er verstand es ja selbst nicht.

Der Junge hielt nicht nur in seinem Denken inne, sondern verlangsamte auch sein Schritttempo, als ihm eine Gestalt, die nur in eine Jeansjacke gewickelt war und in einer Seitenstraße lag, auffiel. Zwar bemerkten die beiden anderen Jungs diese nicht, doch dass ihr Freund etwas weiter hinten war schon. Sie drehten sich zu dem Blonden und schauten ihn fragend an: „Was denn los, Hyung? Wieso bist du so weit hinten?", kam es von Taehyung. Jimin überlegte schon verzweifelt nach einer Ausrede suchte, da er nicht alle Aufmerksamkeit auf die noch unbekannte Person richten wollte, als Jungkook schon scherzhaft hinzufügte: „Konntest du etwa mit deinen kurzen Beinen nicht mithalten, ChimChim?" Daraufhin streckte der Angesprochene ihm nur die Zunge heraus und meinte zu den anderen beiden, dass sie schon einmal vorgehen sollten. Er wohnte ja sowieso näher bei der Schule als die beiden und müsste eigentlich gar nicht den Bus nehmen. Er fuhr nur immer eine Station, um länger bei seinen Freunden zu sein, so oder so hatte Jimin einen gleich langen Weg Heim, da er in zwischen den beiden Busstationen wohnte. Taehyung und Jungkook nickten daraufhin und verabschiedeten sich von dem Älterem indem sie ihm nochmal zuwinkten.

Sobald sie mehr oder weniger außer Reichweite waren, ging Jimin das kleine Stück wieder zurück und wechselte die Straßenseite. Bei der Seitengasse angekommen, stellte sich heraus, dass der Blonde vorhin richtig gesehen hatte. Bei der Gestalt handelte es sich um einen jungen Mann, der nicht sehr viel älter als sein Entdecker zu sein schien. Aber sicher war er sich nicht, denn er war noch nie sehr gut darin, dass Alter von anderen Menschen zu schätzen. Doch das Alter des Jungen mit aschbraunem Haar war in diesem Moment Jimins kleinste Sorge. Viel mehr schockierte es den Blonden, dass der Fremde unter seiner Jeansjacke auch nicht viel wärmer angezogen war. Mit anderen Worten viel zu kalt. Das dünne Shirt, Jimin hoffte jetzt mal einfach, dass es langen Ärmeln hatte und die Jeans, die an beiden Beinen etwas zerrissen war, reichten keineswegs aus für die momentanen Temperaturen. Immerhin hatten sie erst Jänner. Ein wenig überfordert von der Situation, blickte der Junge auf den Braunhaarigen und überlegte, was er nun machen sollte. Schließlich fasste er dann aber doch einen Entschluss und hockte sich zu dem Anderem hinunter, bevor er diesen leicht an der Schulter rüttelte. Sein erster Versuch, den ihm noch Unbekannten wachzubekommen scheiterte, doch der Blonde war nicht bereit aufzugeben. Da er selbst auch nicht so lange in der Kälte bleiben wollte rüttelte er diesmal etwas fester und musste nicht zu lange warten bis es sich als erfolgreich erwies und der andere die Augen aufschlug. Dieser musste erst einmal ein paar Mal blinzeln, um sich an das Tageslicht zu gewöhnen und schaute dann dem blonden Jungen verblüfft und verwirrt an. Jimin hingegen lächelte seinem Gegenüber freundlich an und auch Erleichterung über das Lebenzeichen ließ sich in seinem Blick feststellen. Diese freundliche Geste verwirrte den Braunhaarigen jedoch noch mehr, genauso wie die Tatsache, dass der blonde Junge ihm jetzt eine Hand hinhielt, um ihn aufzuhelfen. Diese wurde jedoch nicht ergriffen, stattdessen rappelte sich der immer noch Fremde selbst auf und jetzt konnte man feststellen, dass der Größenunterschied der Beiden gar nicht so groß war. Zu Jimins Verärgerung, war er jedoch immer noch der Kleinere. Eine Weile schwiegen sie sich an, denn der Unbekannte schien nicht einmal Interesse daran zu haben, den Namen seines „Retters" zu erfahren. Dieser jedoch war sehr wohl neugierig und wollte wissen, wie sein Gegenüber hieß. Bevor er diese Frage stellen konnte, unterbrach der Braunhaarige jedoch die Stille: „Wieso hilfst du mir?", dies warf den Kleineren ein wenig aus der Bahn und Verwirrung machte sich in ihm breit. Diese blendete er aber nur wenig später fast komplett aus und setzte zu einer Gegenfrage an: „Wieso denn nicht?" Wider Jimins Erwartungen brauchte sein Gegenüber jedoch kaum Zeit, um eine passende Antwort zu finden. Beinahe augenblicklich konnte man seine etwas raue Stimme wieder vernehmen: „Weil ich ein Fremder bin." Dies stimmte den Blondhaarigen nachdenklich und diesmal brauchte er etwas länger, um eine Antwort zu finden. Auf diese war er jedoch sogar recht stolz: „Aber ein Fremder ist doch nur ein Mensch, den ich noch nicht kennengelernt habe."

Nachdem der Noch-Unbekannte dies gehört hatte, erschien ein ähnliches Lächeln auf dessen Lippen, wie auf denen von Jimin vorhin bei Taehyungs langer Rede darüber, wie blöd ihre Lehrerin doch war. In seiner Mimik zeigte sich Belustigung, aber keine Freude, auch wenn das schnell verwechselt werden konnte. Jimin, der selbst so oft genau auf diese Weise lachte, fiel es jedoch auf und es verunsicherte ihn, denn er glaubte, der Braunhaarige würde sich über ihn witzig machen. Und gewissen Maßen stimmte das, denn dieser hielt ihn für naiv und zu gut für diese Welt. Der Größere beschloss scheinbar, dass das Gespräch damit beendet war und wollte gehen. Er murmelte nur noch ein kaum hörbares „Ciao" als er an Jimin vorbei ging, wurde jedoch von dessen zarten Stimme nochmal aufgehalten: „Wie heißt du eigentlich?" Zu Jimins Überraschung drehte der Angesprochene sich tatsächlich noch einmal um und sprach so leise, dass der Kleinere große Mühe hatte ihn zu verstehen, bevor er dann schließlich endgültig ging. Jimin hatte ihn jedoch verstanden und freute sich darüber, den Unbekannten nun zumindest in seinen Gedanken Yoongi nennen zu können.

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Bin wieder da, Zuckerherzen und hoffe, dass mein Vorrat an Ideen nicht zu schnell leer geht ^^'
-Am

Feeling guilty || YOONMINWo Geschichten leben. Entdecke jetzt