(6) Tiefkühlpizza & Instagram

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"Und da musst du rechts abbiegen", navigierte mich Steffanie. Ich befolgte ihre Anweisungen und musste jedesmal lächeln, wenn sie etwas sagte, aber ich denke ihr viel das gar nicht auf. "Da, dieses Gebäude ist es", sagte sie und deutete auf einen eher altmodischen Wohnkomplex. "Wo soll ich parken?", fragte ich und schaute mich um. "Links neben dem Haus ist ein Parkplatz", antwortete Steffi und nahm ihre Tasche in die Hand. 

Nachdem ich parkte fuhr ich mir durch meine langen, offenen Haare und blickte schließlich zu ihr: "Soll ich dich noch begleiten?". "Ne, mach dir keine Umstände. Wir wollen es ja nicht übertreiben", entgegnete sie und öffnete die Tür meines Wagens. "Das sind doch keine Umstände!", lachte ich und stieg ebenfalls aus. Steffanie verdrehte die Augen, doch dieses mal schmunzelte sie etwas. 

Wir gingen gemeinsam die Treppen hoch, bis zu ihrer Wohnungstür. Sie sperrte diese auf und sagte dann in einem erstaunlich nettem Ton: "Danke fürs Fahren". "Immer gern. Schreib mir, wenn dein Bus mal wieder nicht kommt, dann bringe ich dich wieder nach Hause", versicherte ich ihr und überlegte, ob ich sie umarmen sollte, doch da schloss sie auch schon lächelnd ihre Tür. Ich atmete einmal tief durch und lief dann wieder runter zu meinem Auto.

Zuhause angekommen zog ich mich um und legte mich schmunzelnd in mein Bett, bis mir auffiel, dass ich heute noch gar nichts gegessen hatte. Hungrig schlich ich in meine Küche und holte mir eine Tiefkühlpizza aus dem Gefrierschrank und schob diese in den Ofen. Während ich wartete setzte ich mich ins offene Wohnzimmer und holte mein Handy hervor. Ich hatte eine neue Instagram Benachrichtigung. Steffanie hatte mein Bild geliket. Ich musste lächeln. Irgendwas an ihr war besonders. 

Nachdem ich meine Pizza aufgegessen hatte, legte ich mich wieder in mein Bett. Alle meine Gedanken endeten bei Steffanie. Es hatte gar keinen Sinn zu versuchen an etwas anderes zu denken. Schlussendlich drehte ich mich um und schlief ein.

Das Klingeln meines Handys weckte mich. Müde griff ich danach. Lucry rief mich an. "Wie spät ist es?", nuschelte ich verschlafen in mein Telefon. "Halb zehn. Ich dachte du wärst schon wach?", hörte ich Lucry sagen. "Ich bin hellwach!", imitierte ich und rappelte mich auf. "Super, dann kannst du doch bestimmt schon früher ins Studio kommen, oder?", entgegnete er. Genervt lehnte ich meinen Kopf nach hinten und atmete tief durch. "Ich bin in einer halben Stunde da", antwortete ich. Einverstanden legte Lucry auf. Ich stieg aus meinem Bett und zog mir mein weißes Unterhemd, dazu meine blaue Jeans und die Doc Martens an. Eilig putzte ich mir noch die Zähne und machte mir einen Dutt, ehe ich mir meine Schlüssel schnappte und meine Wohnung verließ.

Auf dem Weg holte ich mir noch einen Coffee-to-go von einem Cafe und kam dann endlich am Studio an.

Nach knapp zwei Stunden verließ ich das Studio auch schon wieder. Wir hatten die Lines noch etwas umgestellt und auch am Beat änderte sich wieder was, doch im Großen und ganzem war der Song jetzt fertig. 

Ich musste wegen einer roten Ampel wieder an der Kreuzung von gestern stehen bleiben. Doch dieses mal war an der Bushaltestelle keine wartende Steffanie. Etwas enttäuscht lehnte ich meinen Kopf gegen den Sitz und starrte wieder nach vorne auf die Straße. Da fiel mir auf, dass ich mich ganz genau an den Weg zu Steffis Wohnung erinnern konnte. Ich überlegte kurz ob ich zu ihr fahren sollte. Ohne wirklichen Plan stieg ich aufs Gaspedal und fuhr in die Richtung ihrer Wohnung.  

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