(36) Kuchen

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[Volkan]

Ich und Steffanie waren mittlerweile knappe zwei Monate lang ein Paar. Wir hatten in den letzten Wochen zwar einige Auseinandersetzungen bezüglich meines außergewöhnlichen Berufes, doch ich liebte sie immer noch so sehr wie am ersten Tag.

"Guten Morgen, Babe", begrüßte ich Steffi, nachdem ich ihre Wohnung mit dem Ersatzschlüssel aufgesperrt hatte. "Guten Morgen", erklang ihre Stimme aus der Küche. Ihr grauer Kater Jimmy lief sofort auf mich zu, als er mich sah. Ich bückte mich und streichelte ihn sanft. Auf einmal spürte ich Steffanies zärtlichen Hände auf meinem Rücken und sie beugte sich zu meinem Ohr vor und flüsterte: "Na, wie geht's dir, Schatz?". Von ihrer leisen Stimme bekam ich Gänsehaut und ich drehte mich um und stand auf. Ich umschling ihre Taille und zog sie zu mir. "Mir ging es nie besser, Prinzessin", hauchte ich ihr zu und küsste sie. Steffi roch genauso gut wie immer. Sie trug das Parfüm, das ich ihr zu ihrem 21. Geburtstag geschenkt hatte. Dieser Geruch machte mich verrückt.

"Willst du mir helfen?", fragte Steffanie mich und ging zurück in die Küche. "Bei was denn?", erkundigte ich mich und folgte ihr. "Ich muss einen Kuchen für den Geburtstag meines Vaters machen", antworte sie und holte Eier aus dem Kühlschrank. Ich verdrehte genervt die Augen und das einzige, dass ich rausbekam war ein gezwungen nettes "Mhm". Steffi drehte sich mit hochgezogenen Augenbrauen zu mit um und sagte: "Du musst mir nur helfen den Kuchen zu machen, du musst ihn nicht mögen. Er ist nun mal mein Vater, respektier das". "Wenn er respektiert, dass du meine Freundin bist", sagte ich. Sie lächelte und kam näher: "Das wird schon". Ich strich ihr eine Strähne hinters Ohr und nahm dann ihr Gesicht sanft in meine Hände und schaute tief in ihre grünen Augen. "Ich liebe dich", raunte ich ihr zu. "Ich dich auch", antwortete Steffanie und ich küsste sie.

Steffis Vater akzeptierte mich nicht. Er war immer abweisend zu mir, seit er erfahren hatte, dass ich ein Rapper bin. Egal wie sehr ich mich bemühte, ihm zu beweisen, dass ich ein guter Freund war und dass ich seine Tochter liebte, er versuchte trotzdem mich zu vertreiben. Doch es würde ihm nie gelingen. Niemandem würde das je gelingen. Steffanie zu verlieren wäre mein größter Albtraum.

"Holst du bitte die Milch aus dem Kühlschrank?", bat Steffi mich, als sie die Eier in die Schüssel schlug. "Wie viel brauchen wir?", fragte ich. "50 Milliliter. Du kannst es mit diesem Messbecher da abfüllen", erklärte Steffi mir und zeigte auf den Messbecher neben dem Herd. Ich tat, was Steffanie sagte und sie gab währenddessen den Zucker dazu. "Hast du Lust, heute mal wieder mit mir ins Studio zu fahren? Ich und Bausa fangen heute an unseren gemeinsamen Song aufzunehmen", schlug ich vor und schüttete den Messbecher mit Milch in die Schüssel. "Ich würde liebend gern, aber ich habe morgen eine wichtige Vorlesung und sollte ausgeschlafen sein", antwortete Steffi, "Und nicht zu vergessen habe ich morgen auch noch meine Führerscheinprüfung". "Stimmt, natürlich! Tut mir leid, das habe ich schon wieder fast vergessen. Du wirst das rocken, ich bin mir sicher", sagte ich und sah sie stolz an. "Natürlich, ich hatte schließlich den besten Lehrer", schmunzelte sie mich an. "Ich kann dich morgen von der Uni abholen, wenn du willst", bot ich ihr an. "Klar, ich bin normal um 13 Uhr fertig. Wir treffen uns dann einfach auf dem Parkplatz", entschied Steffi und ich strich ihr verträumt über die Wange. Sie war so wunderschön, ich konnte so froh sein, sie als meine Freundin zu haben. Und das war ich auch. Sehr sogar.

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Die letzte Nacht hatte ich kaum geschlafen. Die Studiosession dauerte länger als ich gedacht hatte und heute Abend war schon wieder die nächste. Ich freute mich einfach darauf Steffanie wieder zu sehen und parkte auf dem Parkplatz, vor der Hintertür ihrer Uni. Ich war gerade noch pünktlich, denn keine fünf Minuten nach meiner Ankunft kamen auch schon Studenten aus der Tür gestürmt. Ich legte meinen Ellbogen auf das offene Fenster und stützte so meinen Kopf  ab, während ich wartete.

Nach kurzer Zeit sah ich Steffi aus der Tür kommen. Sie verließ als letzte mit einem anderen, etwas älterem Herrn das Gebäude. Sie blieben vor der Tür stehen und redeten miteinander. Erst dachte ich mir nichts dabei, doch nach ein paar Sekunden schoss mir etwas durch den Kopf. Der Grund dafür, dass sie von Iwan erpresst wurde, war weil er von ihrem Verhältnis zu einem Lehrer wusste. Steffi hatte mir nie bestätigt, dass dieses beendet war. Ich vertraute ihr mehr als jedem anderen Menschen auf dieser Welt, doch als er sie anlächelte und sie zurück lächelte, kam ein komisches Gefühl in mir hoch. Ich wollte aussteigen, den Typen wegschubsen und sie in den Arm nehmen, aber ich konnte nicht. Ich wusste, dass ich ihr vertrauen konnte, aber konnte ich dem Typen vertrauen? Keiner durfte wissen, dass wir zusammen sind. Was wenn ich sie deswegen an jemand anderem verlor?

Die Beifahrertür öffnete sich und Steffi stieg ein. "Hallo, du Süßer", lächelte sie mich verspielt an und ich musste ihr einfach einen Kuss geben. "Pass auf! Uns darf doch keiner sehen", flüsterte sie. "Ach, hier ist sowieso niemand", antwortete ich und fuhr los. Ich hätte am liebsten gefragt, wer der Typ war und worüber sie geredet hatten, doch ich wusste dass sie dann sauer auf mich sein würde, weil sie denken würde ich vertraue ihr nicht. Also ließ ich es sein und versuchte nicht mehr daran zu denken. Was gar nicht so einfach war.

"Wünsch mir Glück", sagte Steffi, als ich sie vor ihrer Fahrschule absetzte. "Viel Glück. Du schaffst das", antwortete ich. "Sehen wir uns später noch?", fragte Steffanie. "Wahrscheinlich nicht. Ich muss wieder ins Studio. Schreib mir dann sofort, ob du bestanden hast", stellte ich schnell klar. "Mach ich, bis bald", schmunzelte Steffi und küsste mich. Ich wollte diesen Kuss eigentlich, wie jeden anderen genießen, doch der Gedanke, dass ich vielleicht nicht für immer der einzige für sie sein werde und ich es vielleicht noch nicht mal jetzt bin, lenkte mich zu sehr ab.

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Ich war gerade dabei, mir ein kühles Bier aus dem Kühlschrank zu holen, als mein Handy, das auf der Küchentheke lag anging. Steffanie hatte mir geschrieben.

Ich hab bestanden!

Meet & Greet (Apache 207)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt