3. 💎

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Ich nickte immer wieder ein, ich war einfach so müde. Nach sechs Nachtschichten war auch mein Energielevel am Ende angelangt. Es war 4 Uhr morgens und ich sehnte mich nach dem Feierabend. Die Notaufnahme war erstaunlicherweise ruhig für das nächst gelegene Krankenhaus nähe der Reeperbahn. Seit Anfang des Jahres, sprich etwas länger als zwei Monate arbeitete ich schon in diesem Krankenhaus und es war genau das was ich brauchte. Zuvor hatte ich am anderen Ende der Stadt in einem Krankenhaus gearbeitet, jedoch hatte ich gefühlt kaum was zutun, ich brauchte den Stress und das Adrenalin auf der Arbeit, so hatte ich mich hier für entschieden.
Mein Gesicht fühlte sich mittlerweile an als würde es gleich einfach auf den Boden klatschen. Meine Augenringe hingen mir tief im Gesicht, man konnte dick und Fett auf meiner Stirn "Müde" lesen. Ich hing grade mit ein paar Kollegen vor den Pc's rum und hörte ihnen angestrengt zu. "... ich weiß nicht, aber Dr. Held könnte dem Patienten doch wenigstens was geben..." ich hörte wieder weg, ich würde sonst nur wieder meinen Senf hinzufügen und das würde unnötige Diskussionen geben.
Nur ein paar Sekunden die Augen schließen.

"Hallo! Ich brauch hier Hilfe!" rief eine tiefe, mir sehr bekannte Stimme, weshalb ich sofort aufschreckte und mit meinen Kollegen zum Eingang rannte. "Ey man, wo bleibt ihr denn! Scheiße man." Vor mir ein völlig aufgelöster, durcheinander wirkender Gzuz, welcher Lx stützte, der wie ein Schwein aus der Nase blutete. Hinter ihnen entdeckte ich Marten, der John grade noch auf den Beinen halten konnte. "Hey! Du bist doch die süße vom Backstage!" -"Du kennst den verrückten da?" Flüsterte mir ein älterer Kollege ins Ohr, als er bemerkt hatte das Gzuz mit mir redete, was er allerdings mitbekommen hatte. "Was ist? Was hast du denn für ein Problem? Hilfst du uns jetzt oder willst du auch eine aufs Maul bekommen?" Ich seufzte auf, atmete tief durch und wand mich an den kurz vorm platzenden Rapper. "Gazo, ruhig bleiben! Wir helfen, bring Lx auf die Liege, meine Kollegen gucken sich seine Nase an. Was ist mit dir? Gehts dir gut? Was zum Teufel ist überhaupt passiert?" Ich lotste ihm den weg, musterte dabei seinen Körper. Er schien sich durch meine Worte beruhigt zu haben und nickte kurz um meine erste Frage zu beantworten „Ähm, sind in eine Prügelei geraten." ich zog eine Augenbraue in die Höhe. „Und die habt ihr wie immer angezettelt. Mensch Gazo!" er grinste unschuldig, doch wir wussten beide das er angefangen hatte und seine Kollegen kassieren mussten. Als ich mir sicher war, dass meine Kollegen sich um die Nase von Lx kümmerten und einen Orthopäden holten, wand ich mich an Marten und John. Letzterer schien langsam das Bewusstsein zu verlieren, ich erkannte eine Läsion auf seiner Stirn. „Fuck." Marten zischte, er sah erschöpft aus. „Hier! Da auf die Liege!" ich schlüpfte unter Johns freien Arm und half bei meiner mickrigen Größe ihn auf die nächst freie Liege zu verfrachten. Mir fiel zum ersten mal auf wie groß dieser Kerl doch war. Ich legte sofort einen notdürftigen Verband um seinen Kopf, checkte seine Vitalwerte. „John! Hey!" angestrengt öffnete er seine Augen als ich ihn ansprach, ich lächelte ihn an. „Hey, ich ruf die Plastische und die Neuro an, die wird sich deine Platzwunde anschauen. Kannst du dich mit mir solange unterhalten?" er musterte mein Gesicht, runzelte die Stirn, verzog aber schmerzhaft das Gesicht. „Ah fuck alter." murmelte er und hielt sich den Kopf. „Ich kenn dich. Du bist Lisa oder?" Sagte er dann und blickte mich wieder an, ich fühlte mich etwas beleidigt, jedoch hätte es mir klar sein müssen dass er sich meinen Namen niemals gemerkt hätte. „Fast, Lyra. Aber schön dass du dich an mich erinnerst." sagte ich ruhig und tupfte ihm das Gesicht währenddessen sauber.

Marten stand die ganze Zeit daneben und sah mir dabei aufmerksam zu, gab aber keinen Ton von sich und er sah komplett bleich aus. „Marten willst du dich nicht setzen? Du siehst nicht gut aus." sagte ich dann zu ihm und John blickte kurz zu ihm rauf. Marten nickte, als er den ersten Schritt machen wollte, schwankte er gefährlich in meine Richtung. „Marten? Mart- Oh scheiße." der Schrank kippte in meine Richtung voraus, doch ich wurde Gott sei Dank verschont, denn Gzuz kam aus dem heiteren Himmel und fing ihn ab.
„Fuck alter, das war knapp." schnaufte Gazo als er Marten auf einen Stuhl absetzte, John hatte sich aufgerichtet und sah besorgt zu seinem Cousin. „Legst du dich wieder hin!" fuhr ich ihn bestimmt an, John sah mich verwirrt an, machte keine Anstalten sich wieder hinzulegen. „Große Worte für so eine Kleine. Ich lege mich hin wann ich will, süße." er grinste schief und musterte meinen Körper und machte Anstalten von der Liege zu springen. Ich formte meine Augen zu schlitzen, das hatte er nicht ernsthaft gebracht. „Hör mal zu jetzt, das hier-..." ich gestikulierte mit meinen Händen und zeigte ihm somit wo er sich hier befand. „Ist die Notaufnahme, ich bin hier die Schichtleitung, somit habe ich das sagen bis die Ärzte da sind. Du legst dich jetzt hin, machst was ich sage und bleibst wach! Da draußen kannst du machen was du willst, aber nicht hier! Und jetzt, bitte lass mich deinem Cousin helfen." John sah mich prüfend an, sah zu Gzuz, zu Marten und dann wieder zu mir. „Ey digga, mach was sie sagt! Ich geh nach Alex schauen. Man mach kein scheiß." meldete sich sein Kumpel zu Wort und ich war dankbar das er so vernünftig dachte, auch wenn ich ihn am wenigsten so eingeschätzt hätte. John schien mit sich zu ringen, legte sich dann aber doch endlich hin, weswegen ich mich wieder Marten widmete. Sein Blutdruck war in den Keller gesackt, durch das Adrenalin, somit holte ich ihm etwas zu trinken und hoffte, dass es besser werden würde.
Marten fing nach einer gewissen Zeit langsam an wieder Farbe zu bekommen und sah schon etwas kräftiger aus. Ich wollte auch einmal nach Lx schauen, daher musste ich den Raum verlassen in den ich John direkt geschoben hatte als er auf der Liege lag. Jemand hielt mich grob am Arm fest, weswegen ich zusammen zuckte und mich umdrehte. „Danke." John sah mich an, mit einem Gesichtsausdruck den ich nicht einschätzen konnte, trotzdem lächelte ich und nickte. „Ich seh mal nach Lx, haltet euch gegenseitig wach, okay?" John nickte und fing an mit seinem Cousin smalltalk zu reden.

Lx grinste mir mit blutgetränkten Tamponaden in den Nasenlöchern entgegen. „Hey, alles gut bei dir?" er nickte und grinste weiter. „Hast was bekommen, was?" wieder nickte er grinsend, ich lachte. „Wo ist denn Gzuz?" fragte ich ihn und sah mich um. „Der holt mir was zum trinken und die Entlassungspapiere. Wie gehts Bonez und Marten?" jetzt hatte er mit dem grinsen aufgehört, blickte mich besorgt an. „Er ist wach, Marten gehts auch gut. Ich geh auch gleich wieder rein. Wollte nur mal nach dir sehen." wieder grinste er, hielt mir eine Faust entgegen welche ich annahm. „Danke, ähm..." -„Lyra." vervollständigte ich seinen Satz lächelnd, etwas gekränkt darüber, dass er sich meinen Namen nicht gemerkt hatte und hüpfte wieder in das Zimmer in dem John und Marten waren. Kurz darauf kamen die Neuro Chirurgin und der Plastische Chirurg hinein und untersuchten John gründlich und nähten ihm die Wunde.

„Nein, ich will nicht hier bleiben." John war so festgefahren und stur, die Ärzte wollten nur das er zur Überwachung hier blieb, jedoch konnte man es vergessen ihn zu überreden. Somit gab ich ihm seine Papiere, die er unterschreiben musste. Ich sah auf die Uhr, die letzten zwei Stunden waren so schnell vergangen, das war unglaublich. Mein Feierabend war zum Greifen nahe. „Hey Kleine, wie lange geht deine Schicht noch?" John riss mich aus meinen Gedanken von meinem Bett. Moment, hatte er mich ernsthaft kleine genannt? Also bitte. „Mit 1,70 bin ich groß!" ich verschränkte die Arme vor meiner Brust und sah ihn beleidigt an, John rollte grinsend die Augen. „Antworte auf meine Frage." verdutzt über seinen herrschenden Tonfall sah ich ihn an, öffnete dann aber automatisch meinen Mund: „In fünf Minuten habe ich Feierabend." er nickte. Was wollte er nur mit dieser Info?
Jedenfalls verabschiedete ich mich von den Männern und wünschte ihnen eine gute Besserung.

Kopfgeficke. || Bonez Mc FFGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt