Kommen wir zu einem eher sensiblen Thema. Die Selbstverletzung. Ein großes, verbreitetes Thema, welches von der Gesellschaft meistens verschwiegen wird. Vorallem von den älteren Generationen. Jedenfalls ist es so, wie ich es in meinem Leben bis jetzt mit empfunden habe.
Ich kenne viele Menschen unteranderem Freunde oder Kurskameraden, die sich selbst verletzt haben oder es immernoch tun. Die einen tun es aus Zuflucht von dem psychischen Schmerz, die sie aus verschiedenen Gründen haben. Die anderen tun es aus Zwang, um der Sucht seinen Willen zu geben. Denn wir dürfen auch nicht vergessen, dass Selbstverletzung eine Art der Sucht ist!
Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen -vorallem Jugendliche- sich selbst verletzen. Es gibt auch verschiedene Methoden, aber dazu kommen wir ein anderen Mal.
Heute möchte ich mit dir darüber reden, was mit uns überhaupt geschieht, wenn wir uns selbst verletzen. Woher kommt dieser Drang, dieser Wille oder überhaupt diese Idee?? Warum tun wir das denn eigentlich? Und welche Auswirkungen kann sie haben?
Noch ein kleiner Reminder: Wenn dich dieses Thema leicht triggert, dann empfehle ich dir dieses Kapitel nicht zu lesen oder einfach vorsichtig mit Zeitabständen zu lesen! :)
Kurz und knapp gefasst, kommt der Wille sich selbst zu verletzen aus psychischen Gründen her. Wenn psychisch kranke Menschen sich unter Druck-, Stress- oder Paniksituationen befinden, greifen sie zur Methode der Selbstverletzung, um für einen Moment das Gefühl von Befreiung zu verspüren. Denn in dem Moment, wo sie sich selber den physischen Schmerz hinzufügen, sind sie so vertieft in ihrem Handeln und dem kleinen Schmerz, sodass sie für einen winzigen Moment alle anderen Sorgen vergessen.
In solchen Momenten werden Hormone namens Endorphine (Glückshormone) in dem Gehirn ausgeschüttet, die uns wie der Name bereits sagt, das Gefühl von positiver Aufregung verspüren lassen. Deswegen lachen manche Menschen auch, wenn sie sich mal im Alltag ausversehen an dem Tisch stoßen oder hinfallen.
Besonders von Selbstverletzung sind ja Menschen mit mittleren bis schweren Depressionen, Borderlinestörungen, PTBS oder Essstörungen betroffen. Allein die Essstörung hat in ihrer Symptomatik eine Form der Selbstverletzung in sich undzwar das schädigende Essverhalten bzw. die Sucht zur Abnahme von Gewicht.
Du muss es dir so vorstellen. Ein psychisch kranker Mensch hat sehr oft Phasen in seinem Leben, wo es ihm nicht gut geht. Hoffnungslosigkeit, Lebensmüdigkeit und Antriebslosigkeit, weil man sich fragt, wofür man überhaupt am Tag aufsteht, überkommen sie. Es ist wie ein schwarzer Hund, der dich durch deinen ganzen Alltag begleitet und mit negativen Gedanken plagt. Kontinuierlich.
Und in manchen Momenten nimmt diese depressive Phase so eine intensive Kontrolle über den Verstand eines Menschens, sodass sie verzweifelt nach einer Lösung suchen, der 24/7 Negativspirale zu entkommen. Und naja, die einzige Lösung, die ihnen in den Sinn kommt, ist die Selbstverletzung. Durch das Ritzen oder Selbstverbrennung durch Zigaretten.
Es ist so, als würde man Feuer mit Feuer bekämpfen, weil man in der Verzweiflung und Negativität einfach keinen Tropfen an Wasser findet.
Auswirkungen von Selbstverletzung sind nach dem Handeln vorallem Erleichterung. Sie atmen wieder tief durch, spüren nur noch das zischende Brennen auf der Haut und vergessen für einen klitzekleinen Moment. Manchmal lächeln sie, manchmal schließen sie die Augen und empfinden, fühlen nach langem endlich wieder etwas anderes als Depressivität, Stress etc.
Aber auf der anderen Seite können auch extreme Schuldgefühle bei Betroffenen entstehen. Sie fühlen sich ihren Familien, Freunden oder sich selber gegenüber schuldig sich verletzt zu haben. Sie nehmen wahr, dass das „wirklich nicht richtig war, was sie taten."
Aber STOP!!!
Tief durchatmen.
Ich will dir etwas sehr wichtiges sagen.
Bist du betroffen von Selbstverletzung?
Wenn Ja, dann höre mir kurz zu. Glaube mir, als Selbstbetroffene, wenn ich dir sage:
ES. IST. NICHT. DEINE. SCHULD. DASS. DU. DICH. SELBER. VERLETZT!!
Heute habe ich mich nach 3 Jahren in denen ich komplett Clean war, wieder selbstverletzt. Deswegen schreibe ich dieses Kapitel. Es ist erst paar Stunden her, und ich weiß nicht, was ich denken soll. Alles wurde zu viel. Ich fühlte mich alleine.
Aber eins wusste ich mittlerweile schon, undzwar dass ich KEINE Schuld für meine Selbstverletzung trage. Dass es rein von meiner Krankheit geleitet ist, dass so viele andere Erfahrungen daran teilhaben und ich einfach ein Mensch bin.
Ein Mensch mit einer schwerstverletzten Seele, weshalb es okay ist, dass ich heute rückfällig wurde.
Es ist nicht deine Schuld. Und eines Tages, verspreche ich es dir, dass du es schaffen wirst, Schritt für Schritt aus dieser Sucht rauszukommen.
Falls du jemanden kennen solltest, der sich selber verletzt, bitte ich dich dringend darum der Person hilfsbereit, geduldig und verständnisvoll zur Seite zu stehen. Keine negative oder abgeschreckten Reaktionen von dir zu geben und einfach anwesend zu sein. Verständnis zeigen und sagen, dass es okay ist. Das kann bereits so vieles bei einem Betroffenen auslösen! :)
Welche Erfahrungen hast du denn schon mit der Selbstverletzung gesammelt? Fremde oder eigene Erfahrungen? ^^
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Mein Leben mit PTBS
AléatoireMein Name ist Eleja. Ich (war) 16-17 Jahre alt und leide an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). In diesem Buch schildere ich meine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit, wie ich damit lebe und welche Herausforderungen diese mit sich b...
