36. Kapitel

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"Was sagst du, Angie? Würdest du deinen letzten Tag in Buenos Aires mit mir verbringen?"



"Oh Gott! Ich will gar nicht wissen, was die Schüler jetzt über mich denken! Dass du so eine Aktion durchführst, ist ja schon unglaublich genug, aber dass das ganze Studio dabei zusieht!" Angie lachte laut. "Damit werden sie mich jahrelang aufziehen." Sie schaute Germán grinsend an und lachte kopfschüttelnd weiter. Germán lief stumm vor sich hin lächelnd neben ihr her. Er wollte nie wieder etwas anderes hören als ihr befreites Lachen. Dass er überhaupt noch einmal in diesen Genuss kommen würde, hätte er sich erst gestern noch niemals erträumen lassen.

Er sah Angie liebevoll an. "Ich wollte Zeugen.", neckte er vorsichtig. "Da ich nicht wusste, wie du reagieren würdest, dachte ich, sicher ist sicher." Angie schenkte ihm erneut ihr Lachen. "Na dann hoffe ich aber, dass wir nicht den ganzen Tag von stummen Zuschauern begleitet werden. Das würde es dann doch sehr unromantisch werden lassen."

Germán summte zwar zustimmend, doch suchte gleichzeitig den Blick seiner Schwägerin: "Du weißt, dass das hier kein Date sein muss, ja? Ich habe keine Erwartungen, keine Hintergedanken. Ich möchte einfach nur Zeit mit dir verbringen. Einfach du und ich."

Angie erwiderte den Augenkontakt und der große Mann konnte erkennen, wie sich ein wehmütiges Lächeln auf ihrem Gesicht breitmachte. "Ja. Du und ich klingt schön.", flüsterte sie. Ihre Stimme klang dabei fast sehnsüchtig. "Ich glaube, seit jenem Abend, an dem du herausgefunden hattest, wer ich wirklich bin, waren wir nie wieder nur du und ich. Marías Mann und Schwester, Vater und Tante, Schwager und Schwägerin..."

Germán verstand sie nur zu gut. Sie hatten nie mehr die Gelegenheit gehabt, sich offen und unbeschwert anzunähern. Ihre Beziehung ganz natürlich entwickeln zu lassen. Im Gegenteil, sie war von Vorbehalten, Vorurteilen und Spannungen geprägt worden.

"Das kann doch heute das Schöne an unserer aktuellen Situation sein. Wir müssen nichts definieren." Der große Mann griff zaghaft nach Angies Hand und drückte sie einmal leicht, bevor er den Kontakt wieder löste. "Wir müssen heute nicht vorsichtig umeinander herumschleichen, sind endlich frei von allen Lügen und Ausreden. Wir tun das, was sich richtig anfühlt. Wir können einfach sein. Angie und Germán. Zwei Personen, die sich besser kennenlernen wollen. Was sagst du?"

Die blonde Frau lächelte. "Das würde 'Angie' sehr gefallen." Als Germán spürte, wie nun ihre Hand nach der seinen griff, sie drückte und sie anschließend sogar mit ihrer verschränkte, machte sein Herz einen freudigen Hüpfer. Ihr Nicht-Date konnte beginnen.



Hand in Hand liefen die beiden gemeinsam den Weg zur ersten Station des Tages. Obwohl Angie mehrfach und hartnäckig nachfragte, beharrte der große Mann darauf, dass sie sich überraschen lassen sollte. Und da Angies Neugierde, wie Germán zufrieden feststellte, unmöglich der Sturheit ihres Schwagers standhalten konnte, verstand sie erst, dass sie zum Zoo gelaufen waren, als dieser in Sichtweite kam.

Verwundert und gleichzeitig erfreut blickte sie zu Germán auf. "Wir gehen in den Zoo?" Sie näherten sich der kleinen Warteschlange an der Kasse. "Ja, du bist früher mit deiner Familie immer so gerne hierher gegangen, da dachte ich..." Germán unterbrach sich selbst, da er in diesem Moment sein Umfeld zum ersten Mal so richtig wahrnahm. Es war ein Nachmittag mitten in der Woche. Dementsprechend waren hauptsächlich alte und ganz junge Menschen da.

Er wurde plötzlich unsicher. Verlegen kratzte sich Germán am Hinterkopf und begann, immer schneller und schneller zu reden: "Aber vielleicht war das auch eine dumme Idee, ich meine, immerhin ist ja schon viel Zeit vergangen und du bist mittlerweile erwachsen und magst vielleicht gar keine..."

Germangie - This Ain't GoodbyeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt