Angie strich Germán vorsichtig über die Wangen, war seinem Gesicht so nahe, dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten. Sie sah ihrem Schwager tief in die Augen, hatte nach so langer Zeit endlich wieder die Möglichkeit vollkommen in diesen zu versinken. Das einzige, was sie störte, waren die Tränen in ihnen. Das Braun sollte strahlen, anstatt so trüb zu sein...
Irrte sie sich, oder hatte in seinen Augen gerade etwas aufgeblitzt?
Bevor Angie diese Frage überhaupt zu Ende denken konnte, hatte Germán sich urplötzlich nach vorne gebeugt und seine Lippen auf ihre gepresst.
Angie war zunächst völlig überrumpelt, total schockiert. Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was hier gerade vor sich ging. Germán küsste sie!
Die blonde Frau wollte ihn von sich schieben, wollte sich von ihm entfernen. Sie tat es nicht. Etwas in der Art, wie er sie küsste, wie verzweifelt seine Lippen auf ihren lagen, ließ Angie an Ort und Stelle bleiben. Sie konnte es nicht genau benennen.
Warum auch immer, brauchte Germán anscheinend ihre Nähe, um sich zu beruhigen, um wieder runterzukommen. Keiner konnte leugnen, wie schlecht es ihm heute gehen musste. Also warum sollte Angie ihm nicht dieses eine Mal den Gefallen tun? Zumal die junge Frau nicht leugnen konnte, dass ihr ganzer Körper aufgrund seiner weichen Lippen unter Strom stand. Es dauerte also lediglich wenige Sekunden, bis Angie den Kuss zaghaft erwiderte und sich ein Feuer, das alles zu verbrennen schien, durch ihre Adern fraß. Wenn sie jemals geglaubt hatte, über ihren Schwager hinweg zu sein, bewies ihr dieser Moment das Gegenteil...
Germán selbst schien sich noch lange nicht beruhigt zu haben. Völlig unerwartet biss der große Mann sanft in Angies Unterlippe. Sie musste sich schwer zusammenreißen, nicht aufzustöhnen. Als Germán mit seinen Händen jedoch noch langsam unter den Saum ihres roten Kleides fuhr, quittierte Angie dies nun doch mit einem leisen Stöhnen. Sie spürte, wie Germán leicht gegen ihre Lippen lächelte. Seit wann war ihr Schwager bitteschön so unverblühmt und nahm sich einfach, was er wollte? Völlig egal, Angie gefiel diese Seite von ihm. Sehr sogar. Und Germán war noch immer nicht fertig.
Er löste sich einen kurzen Augenblick von ihr, damit beide einen kräftigen Atemzug tätigen konnten, dann lagen seine Lippen erneut auf ihren. Was gerade in ihm vorging, konnte Angie nicht im geringsten erahnen. Sie erwiderte einfach den Kuss und hoffte, ihm und auch irgendwie sich selbst damit helfen zu können. Herauszufinden, was sie eigentlich wollte, was sie fühlte.
Als Germán mit seiner Zunge sanft über ihre Lippen strich, war es um die junge Frau geschehen. Sie öffnete stöhnend den Mund, ließ ihren Schwager den Kuss nur allzu gerne vertiefen...
Die Lippen der beiden trafen immer wieder, mit immer größer werdendem Verlangen, aufeinander. Ihre Zungen kämpften miteinander, rangen darum, wer bei dem Kuss das Sagen hatte.
Germán zog seine Arme plötzlich wieder aus ihrem Kleid heraus. Die blonde Frau vermisste die Berührung, das unglaubliche Kribbeln auf ihren Beinen augenblicklich. Dafür lehnte Germán sich jedoch nun nach vorne, so lange, bis Angie mit ihrem Rücken schließlich auf der Parkbank lag und ihren Schwager über sich hatte. Sie spürte sein Gewicht, welches sanft auf ihren Körper drückte, seine Körperwärme, die sie einhüllte, sowie seine großen Hände, die zaghaft und doch so bestimmend über ihren Körper strichen. Wenn Germán nur wüsste, was für eine Anziehung er auf sie hatte, was er bei ihr auslöste. Wie ihr Körper ganz automatisch auf ihn und seine Berührungen reagierte...
Angie wurde wieder voll in die Realität gerissen, als Germán ihr erneut in die Unterlippe biss. Dieses Mal jedoch um einiges verlangender. Ein Schauder nach dem anderen überrollte Angie. Sie konnte nicht mehr genug von seinen Lippen bekommen, obwohl ihr Verstand immer wieder einwarf, dass das hier völlig falsch war, dass es ihr Schwager war, den sie so leidenschaftlich küsste. Und der schlimmste Gedanke, dass er sie vermutlich nicht einmal so wollte, wie sie ihn, sondern dass er sie lediglich benutze, um seine Trauer zu bewältigen, um sich von der geplatzten Hochzeit abzulenken.
Wie sehr Germán die Nähe zu der blonden Frau trotz allem genoss, zeigte sich, als er sich noch stärker an sie presste, wodurch Angie etwas hartes an ihrem Unterleib spürte. Sie keuchte erschrocken auf. Dahin sollte das also alles führen... Das war... Sie waren gerade dabei... Das hier würde...
So unerwartend, wie Angie von dem großen Mann geküsst wurde, beendete sie diese Verbindung auch wieder. Sie legte ihre Hände bestimmt auf seine Brust und schob ihn von sich weg. Es dauerte einen Moment bis Germán reagierte, dann entfernte er sich selbst von seiner Schwägerin und setzte sich an das andere Ende der Bank. Angie erhob sich langsam, brachte ihre Knie dazu, nicht mehr unkontrolliert zu zittern und strich anschließend ihr Kleid zurecht. Beide atmeten noch immer schwer, nahmen den benötigen Sauerstoff in sich auf.
"Germán, wir..." Angie konnte das Geschehene nicht einfach unbesprochen lassen. Fragte sich nur, was sie sagen sollte. "Wir können doch nicht... hier in aller Öffentlichkeit... Es hätte uns jeder sehen können!" Germán schaute sie schweigend an, ihm schienen jegliche Worte zu fehlen. "Wir waren gerade dabei, miteinander... ich meine, das mit dem Kuss war eine Sache..." Die blonde Frau unterbrach sich ständig selbst. "Du bist traurig und verletzt und wurdest verlassen... das war eine Sache... aber Sex..." Sie wusste nicht, woher sie die Sicherheit nahm, aber die blonde Frau wusste, dass Germán weitergemacht hätte, wenn sie nicht dazwischen gegangen wäre.
Angie brach ab, während ihr Schwager offensichtlich wieder zu sich gekommen war und sie nun mit großen Augen ansah. "Angie, oh Gott, Angie! Da-das tut mir wahnsinnig leid!" Er stotterte, ähnlich wie sie, unentschlossen vor sich hin. "Das geht natürlich nicht... Ich bin viel zu weit gegangen. Ich weiß nicht, was gerade mit mir los war... Es tut mir so leid!"
"Ist schon okay. Denke ich." Germán atmete erleichtert auf. Er wollte offensichtlich nicht, dass sie sauer auf ihn war. "Tut mir wirklich leid.", entschuldigte er sich erneut. "Das wird auf keinen Fall mehr vorkommen, versprochen!"
"Gut.", nickte Angie, obwohl etwas in ihrem Inneren heftig protestierte und die Worte nicht wahrhaben wollte. Sie ignorierte dies jedoch gekonnt. Er war der Mann ihrer Schwester, verdammt nochmal! Außerdem würden sie sich, ehe Angie sich versah, sowieso wieder streiten und sie würde es nur umso mehr verletzten, wenn sie ihre Gefühle, die sie für ihn hatte, zuließ. Nein, das ging auf gar keinen Fall! Sie liebte ihn auch nicht, sie hatte mittlerweile schließlich Gefühle für Jeremías entwickelt! Oder?
Angie konzentrierte sich nun wieder auf Germán, welcher sie verlegen betrachtete. Es herrschte ein unangenehmes Schweigen. Keiner wusste, was er nach solch einer Situation sagen sollte...
"Komm, wir gehen heim.", schlug Angie nach einer gefühlten Ewigkeit vor. "Violetta wartet bestimmt schon und ich würde mich ehrlich gesagt, ganz gerne umziehen." Germán schenkte ihr ein scheues Lächeln und erhob sich zustimmend. "Klar, lass uns gehen."
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Germangie - This Ain't Goodbye
FanficGermán wollte Esmeralda heiraten, doch an deren Hochzeit hatte sich herausgestellt, dass sie eine Lügnerin, eine Schauspielerin war. Obwohl Angie durch die Beziehung der beiden sehr verletzt wurde, zögert sie keine Sekunde, ihrem Schwager beizustehe...