Angie ließ sich erschöpft auf den Stuhl sinken. Nachdem Violetta ihrem Vater hinterhergelaufen war, ist Matías gekommen und die ganzen Diskussionen und Fragereien gingen von vorne los.
Als das Gespräch dann endlich vorbei war, verabschiedete sich zunächst Señorita Parodi mit den restlichen Polizisten. Sie würden sich in nächster Zeit auf alle Fälle öfter bei den Castillos melden. Kurz darauf ging auch Ramallo, der sich auf die Suche nach Olga machte, um mit dieser restliche Sachen zu klären und entsprechende Dinge, wie das Hochzeitsessen, abzusagen.
Matías und vor allem Jade machten es Angie allerdings nicht so einfach. Jade wollte unbedingt warten, bis Germán wiederkommen würde und drohte an, wenn nötig, die ganze Nacht über an Ort und Stelle zu verharren. Irgendwann hatte jedoch auch Matías die Lust am Warten verloren und nachdem Angie der anderen Frau sehr ausführlich und verständlich dargelegt hatte, wie schädlich es doch für Haare und Haut war, die ganze Nacht draußen in der Kälte zu stehen, sah es sogar Jade ein und sie verließ den Platz zusammen mit ihrem Bruder. Angie war mehr als froh darüber. Jade konnte wirklich sehr anstrengend sein und wenn die blonde Frau diese nervtötende Stimme noch länger gehört hätte, wäre sie gänzlich durchgedreht.
So war Angie umso glücklicher, als sie nun alleine war und sich erledigt auf einen der unzähligen Stühle sinken lassen konnte.
Diese friedliche Stille hielt jedoch nicht lange an, denn keine vier Atemzüge später, kam Violetta angelaufen und rief nach ihr Tante. "Angie!" Die blonde Frau hatte die Augen geschlossen, doch sie spürte, wie sich ihre Nichte auf den Stuhl neben sie fallen ließ. Angie atmete noch einmal tief durch. "Was gibt es denn, Vilu?", erkundigte sie sich müde. Sie wollte jetzt nicht reden, sie wollte in Ruhe gelassen werden und einfach schlafen. Die letzten Stunden waren auch für sie alles andere als leicht und sehr erschöpfend gewesen.
"Ach, Angie.", seufzte Violetta auf und lehnte sich zu Angie, welche ihre Nichte sofort in die Arme schloss. Das war die andere Seite der Geschichte. Angie musste für Violetta da sein, in diesem Moment mehr als jemals sonst. Sie musste stark sein, ihrer Familie aus dieser Tragödie wieder heraushelfen. "Das ist nicht fair. Was hat Papá denn bitte falsch gemacht!?" Angie drückte Violetta noch ein wenig fester an sich und strich ihr langsam über das braune Haar. "Dein Papá hat gar nichts falsch gemacht.", flüsterte Angie mit beruhigender Stimme. "Es ist nun mal passiert. Da müssen wir jetzt alle durch."
Violetta seufzte erneut auf und drückte ihre Tante noch einmal fest. "Du musst zu Papá.", meinte sie dann leise, während Angie sie irritiert ansah. "Ich muss was?" Vilu setzte sich leicht auf, um die blonde Frau, welche sie noch immer beschützend in den Armen hielt, besser ansehen zu können. "Bitte, Angie. Papá hat nach dir gefragt. Er braucht dich jetzt, bitte." Germán hatte was? Er brauchte was? Einen kurzen Augenblick passierte nichts und Violetta dachte schon, dass sich Angie weigern würde, doch dann strich diese ihrer Nichte sanft über die Wange. "Und du kommst alleine klar?", hakte die blonde Frau nach. Violetta ging vor, auch in dieser Situation. Sie würde es nicht über sich bringen, nun Germán aufzusuchen, wenn Violetta sie jetzt brauchen würde.
"Ich komme schon klar, Angie. Wirklich.", versicherte diese und lächelte leicht. "Du musst jetzt für Papá da sein und ihn wieder aufmuntern." Ergeben stand Angie auf. "Na dann." Die blonde Frau hatte das Gefühl, dass Violetta ihr zu viel zutraute, aber versuchen würde sie es auf jeden Fall. "Danke." Violetta erhob sich ebenfalls und umarmte Angie schnell ein weiteres Mal. "Ruf am besten Ramallo an und geh zu ihm und Olga. Die beiden müssten noch in der Nähe sein.", wies Angie an und gab ihr einen Kuss auf den Scheitel. "Ich hab dich lieb, Angie!" Vilu vergrub ihren Kopf in Angies Halsbeuge. Die blonde Frau lächelte berührt und die beiden lösten sich langsam voneinander. "Ich dich mehr.", zwinkerte Angie, küsste ihre Nichte noch einmal auf die Wange und setzte sich dann, nach kurzer Erklärung Vilus über Germáns Aufenthaltsort, in Bewegung. "Geh zu Ramallo!", rief Angie noch einmal, sich kurz umdrehend, zurück.
Die Minuten verstrichen und die blonde Frau war mittlerweile bei besagtem Park angekommen. Hier irgendwo musste sich Germán, nach Vilus Erzählungen, befinden. Aber wo? Angie lief weiter, schlug immer kleiner werdende Wege ein und sah irgendwann überhaupt keine Menschen mehr. Ihr Schwager würde ihr auch völlig ausreichen, doch auch von ihm gab es keine Spur...
Angie wollte gerade ihr Handy holen, um ihn anzurufen, nur um zu bemerken, dass ihre Tasche mit gesamten Inhalt noch an jenem Stuhl bei der Hochzeit hing. Na toll!
In dem Moment als sie aufgeben wollte, bog sie um eine Ecke mit mehreren Bäumen dicht nebeneinander, um jetzt neben dem kleinen Pfad weite Wiesen mit unzähligen, wunderschönen Blumen zu sehen. Und keine zehn Meter weiter, stand eine einzelne Holzbank mit einem einzigen, kleinen Baum nebendran. Dort saß Germán.
Angie schritt, erleichtert ihn gefunden zu haben, auf ihren Schwager zu. Ihre Miene verdüsterte sich jedoch augenblicklich, als sie erkannte, wie elend es ihm gerade gehen musste. Er war nach vorne gebeugt, seine Unterarme lagen stützend auf seinen Oberschenkeln und sein Blick ging zum Boden. Vorsichtig näherte sich Angie ihm, doch er bemerkte sie nicht. Erst als sie neben der Bank stand und leise "Germán?" sagte, hob er, leicht erschrocken von ihrem plötzlichen Auftauchen, den Kopf und sah sie an. "Angie." Seine Stimme klang rau, doch er lächelte schwach. Sie erwiderte das Lächeln sofort und setze sich neben ihn. Germán saß noch immer in der selben Position da, er hatte lediglich seinen Kopf zu ihr gewandt.
"Ich dachte schon, du würdest nicht kommen." Angie grinste ihn leicht an. "Du hast es mir ja ganz schön schwer gemacht, dich zu finden. Du hättest dich auch gleich in einen Busch setzten können." Erleichtert und auch ein wenig stolz auf sich, bemerkte Angie, wie sich seine Mundwinkel zu einem kleinen Grinsen hoben.
"Danke, dass du gekommen bist." Die blonde Frau legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter. "Natürlich. Warum hätte ich denn nicht kommen sollen?" Germán zuckte lediglich mit den Schultern und richtete seinen Blick erneut auf den Boden. "Hey!", flüsterte Angie und griff nach seinem Kinn, damit er sie wieder ansehen musste.
"Germán, wenn du mich brauchst und es dir schlecht geht, bin ich für dich da. Immer." Mit diesen Worten rutschte die blonde Frau näher an ihren Schwager heran, legte ihre Arme fest um seinen leicht zitternden Körper und schloss ihn so in eine innige Umarmung...
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Germangie - This Ain't Goodbye
FanficGermán wollte Esmeralda heiraten, doch an deren Hochzeit hatte sich herausgestellt, dass sie eine Lügnerin, eine Schauspielerin war. Obwohl Angie durch die Beziehung der beiden sehr verletzt wurde, zögert sie keine Sekunde, ihrem Schwager beizustehe...