Es tut mir so leid

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Louis POV.

Zusammen gerollt liege ich Harrys Bett. Die Decke habe ich mir bis zum Kinn hoch gezogen. Mein Körper bebt und unkontrollierbare Schluchzer verlassen meinen Mund. Meine Augen sind rot und die Tränen wollen einfach nicht aufhören zu fließen.
Es sind nicht die Beleidigungen und Gemeinheiten die das Ganze so unerträglich machen. Sondern der Fakt, dass Harry nichts dazu gesagt hat. Er hat einfach zu gehört während dieser Mann, den er Vater nennt, mich beleidigt. Mich in den Dreck zieht und dann schmeißt er mich auch noch raus. Wie konnte ich nur so ein Idiot sein und ernsthaft glauben, dass Harry genauso fühlt wie ich. Das er überhaupt irgendwas fühlt. Mein Herz tut schrecklich weh und ich bin mir sicher, wenn es brechen könnte, hätte es das getan. Nach vielen Stunden kommen keine Tränen mehr, aber der Schmerz beherrscht noch immer meinen Körper. Ich bin nicht mal wütend auf Harry. Er hat ja Recht. Ich bin es nicht Wert, das war ich nie und das werde ich nie sein. Ich bin nur der kleine Louis. Der viel zu Fett ist und keine Muskeln hat. Der Louis, der nicht genug Arbeiten kann, um seine Familie zu ernähren. Der Louis, der zu spät kam und sein Mädchen nicht retten konnte. Der Louis, den niemand braucht. Die Erkenntnis trifft mich mit einem Mal und der Schmerz der drauf folgt, raubt mir den Atem. Zum ersten Mal seitdem ich hier bin habe ich schreckliches Heimweh. Ich will wissen wie es meinen Schwestern geht. Hat die Medizin geholfen? Ich will meine Mutter ihn den Arm nehmen, ich möchte das sie mich hält und nie wieder los lässt. Ja vielleicht klingt das ganze kindisch, aber ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so allein gefühlt wie in diesem Moment.

Nachdem die Schlinge um meinen Hals endlich lockerer wird, hole ich röchelnd Luft. Ich will aufstehen, dieses Haus verlassen, aber ich kann nicht, ich habe keine Kraft mehr. Also bleibe ich hier liegen, will schlafen um den Schmerz für einen kurzen Moment vergessen zu können, doch sobald ich meine Augen schließe, sehe ich ihn. Harry. Meinen Harry, dem ich meine Liebe gestehen wollte, den Harry der meine Gefühle mit Füßen getreten hat und dem ich völlig egal bin. Ich weiß nicht wie lange ich hier liege, mein Körper sehnt sich nach dem erholsamen Schlaf, doch mein Kopf kämpft dagegen an. Mein Körper ist taub, sämtliche Energie ist verschwunden, was wahrscheinlich darin liegt, dass ich heute noch nichts gegessen habe. Immerhin eine Sache, die ich geschafft habe.

Meine Gedanken schwirren in meinem Kopf herum und halten mich gefangen. Ich bemerke nicht wie immer mehr Zeit vergeht, ebenso merke ich nicht als sich die Tür öffnet.

"Lou, oh Gott es tut mir so leid", reißt mich Harrys Stimme aus meinem Gedankenchaos. Obwohl die Tränen schon lange nicht mehr fließen, sehe ich ihn trotzdem nur verschwommen. Meine Augen brennen, aber ich ignoriere den Schmerz. Harry kommt auf mich zu. Schließt mich in seine Arme, ich verkrampfe mich und warte darauf, dass er mich wieder los lässt. Ich will das nicht, bin aber zu schwach um ihm das zu sagen. "Lou, bitte du musst mir verzeihn, es tut mir leid. Ich weiß, dass ich scheiße gebaut habe", flüstert Harry nah an meinem Ohr.

Die Tränen fangen erneut an zu fließen. Aber, dass erste Mal seitdem ich aus diesem Raum gelaufen bin, spüre ich etwas anders als Schmerz. Wut. Unbändige Wut. Und mit jeder Sekunde, in der er mich in seinen Armen hält, wird diese größer. Das Adrenalin gibt mir Kraft und Mut. Mit aller Kraft, die ich aufbringen kann, schubse ich ihn von mir. "Ich muss dir also verzeihen? Das ich nicht lache. Du bist ein Idiot, wenn du denkst, dass ein 'es tut mir leid', alles wieder gut macht. Nichts kann mich vergessen lassen, was du mir angetan hast", meine Stimme ist ruhig und das macht den Mann vor mir sichtlich nervös.

Unsicher schaut er mich an. Ich sehe ihm an, dass er nicht weiß ob er noch was sagen soll oder nicht. Ich nehme ihm die Entscheidung ab und verlasse das Zimmer. Ich werfe ihm im Vorbeigehen noch einen letzten Blick zu. Eigentlich sollte dieser ihn einschüchtern, doch alles was ich hinbekomme ist ihm all meinen Schmerz entgegen zu schleudern.
Meine Beine führen mich in den Garten, doch dieses Mal gehe ich weiter,als sonst. Lasse dich Bank und den schönen gepflegten Rasen hinter mir. Nach einiger Zeit komme ich an den Rand eines Waldes. Verdammt, wie groß ist Harrys Grundstück bitte? Doch der Wald kommt mir gerade recht, immer tiefer gehe ich hinein. Die Wut treibt mich an, doch als diese langsam verfliegt, bleibt Schmerz und Angst. Ich habe keine Ahnung wo ich bin und wie ich wieder zurück kommen soll. Mir ist kalt und meine Kräfte verlassen meinen Körper. Wankend gehe ich weiter. Meine Augen werden immer schwerer und meine Beine wollen mir nicht mehr gehorchen. Nur noch ein bisschen, denke ich. Ich muss nur ein Platz finden, wo ich eine kurze Pause machen kann. Nur kurz die Augen schließen, dann geht es wieder. Scheinbar wurden meine stillen Gebete erhört und ich gelange auf eine kleine Lichtung. Das Gras zieht mich magisch an, es sieht so bequem aus.
Ich sacke zusammen, es ist nicht so weich wie gehofft. Es ist feucht, aber das könnte mir gerade nicht egaler sein. Zufrieden schließe ich erschöpft die Augen, doch noch kämpfe ich gegen die Dunkelheit an, die ihre Finger nach mir ausstreckt. Mit letzter Kraft öffne ich meine Augen und robbe über den feuchten Boden, zu dem kleinen See, am Rande der Lichtung. Ich strecke meine Hand aus. Die kühle Flüssigkeit umspielt meine Fingerspitzen. Ich will ein bisschen davon rausschöpfen, will das kalte Wasser endlich meinen ausgetrockneten Rachen runter fließen spüren, doch ich schaffe es nicht mehr. Mein Körper gibt auf, meine Augen schließen sich, ein letztes Mal atme ich rasselnd ein, bis mich völlige Dunkelheit umgibt.

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