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Ich steige die Treppen hinunter in die Kerker, denn ich vermute, dass ich Snape dort antreffen werde. Vor der schwarzen Tür mache ich halt und klopfe dreimal daran.

Die Tür schwingt auf und Snape tritt den Gang. „Guten Abend Miss Granger."

Da ist wohl jemand gut gelaunt, was? Gemeinsam gehen wir hoch zur grossen Halle. „Miss Granger, wir werden getrennt durch die Gänge gehen, jede volle Stunde treffen wir uns aber kurz hier." Ich nicke, sage aber nichts.

„Sie werden das Schloss nicht verlassen, ich kümmere mich um das Schlossgelände", fügt er noch hinzu. Irgendwie gefällt mir seine autoritäre Art schon, aber irgendwie ist er auch mein Lehrer und doppelt so alt wie ich.

Ich wandere im Schloss umher. Zuerst gehe ich von der Bibliothek hoch in den Astronomieturm, dann durch den Gang mit dem Raum der Wünsche und dabei passiere ich etliche Treppen.

Tap, tap, tap...

Ich höre die Schritte direkt hinter mir. Aber es sind definitiv keine menschliche Schritte, es ähnelt eher einem Tapsen. Meine Hand schellt in den Umhang, zückt meinen Zauberstab und hält ihn eisern umklammert. Ich fahre herum und sehe Mrs. Norris. Sie schaut mich mit ihren roten Augen feixend - so feixend eine Katze eben gucken kann - an. Feixender als in den anderen Jahren. Irgendwie bin ich froh, dass es "nur" Mrs. Norris ist, andererseits hasse ich diese Katze wie die Pest.

Langsam und mit erhobenem Haupt dreht sie sich um und stolziert davon. Irgendwie hat diese Katze etwas menschliches an sich... Wie sie einen beobachtet und immer irgendwie da ist.

Das ergibt doch keinen Sinn?

Wieso heisst Filchs Katze MRS. Norris und nicht MS. Norris? Also müsste sie ja verheiratet sein. Keine andere Katze scheint sie aber zu mögen. Andererseits traue ich es Filch zu, seine Katze zu heiraten. Da haben sich ja zwei gefunden. Ist es in der Zauberwelt überhaupt erlaubt, sein Haustier zu heiraten?

Ich schaue auf die Uhr. Immerhin ist fast die erste Stunde vorbei. Ich nehme eine kleine Abkürzung zur grossen Halle, wo Snape mich schon erwartet.

Zögernd gehe ich auf ihm zu, er hat mich anscheinend noch nicht bemerkt.

„Professor, kann ich Sie etwas fragen?" Er dreht sich zu mir um und nickt langsam.

„Wieso müssen die Vertrauensschüler und Lehrer in den Nächten Wache halten? Gibt es nicht Schutzmauern um Hogwarts, die das Schloss vor Eindringlingen schützen?"

Seine Augen blitzen auf. „Sie sollten die Sicherheitsmassnahmen nicht hinterfragen, Miss Granger."

Damit werde ich mich wohl zufriedengeben müssen.

„Haben Sie in der letzten Stunde etwas aussergewöhnliches erlebt, gesehen oder gehört?"

„Nein habe ich nicht, Sir", beantworte ich seine Frage. Schweigend gehen wir wieder in entgegengesetzte Richtungen davon.

Als die Sonne langsam hinter den Hügeln erscheint und es heller wird, gehe ich schnurstracks in die grosse Halle. So früh am Morgen bin ich die Erste hier. Ich schnappe mir ein Honigbrot und beisse herzhaft hinein. Nach ein paar Minuten tröpfeln langsam andere Schüler herein. Ich gönne mir noch eins, schliesslich bin ich die ganze Nacht auf den Beinen gewesen und herumgelaufen.

Love PotionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt