Teil 2

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Unter mir raschelt es bei jeder Bewegung.

"Was ist denn das?", flüstere ich vor mich hin.

Meine Hände fühlen Plastik.
Ich schaue genauer hin und erkenne jetzt wirklich etliche Müllsäcke unter mir.

Warum bitte wache ich auf Müllsäcken, in irgendeiner Seitenstraße, auf?

"Tai", stöhnt es neben mir

Zögerlich drehe ich meinen Kopf in die Richtung meines Kumpels, kann jedoch nur schwach seine Umrisse wahrnehmen.
Keuchend und scharf die Luft einziehend, röchelt Marc mir etwas entgegen.
Ich versuche die Buchstaben in meinem Kopf zu sinnvollen Wörtern zusammen zu setzen.

"Spray", kommt es etwas kräftiger aus Marc's Mund.

Fragend versuche ich sein Gesicht zu mustern, aber es ist einfach zu dunkel um irgendeine Mimik zu erkennen.

Plötzlich durchfährt es mich, wie durch einen Blitzschlag!

Marcs Asthmaspray.

"SCHEIßE!", schreie ich verzweifelt.
Völlig in Panik richte ich mich ruckartig auf, was ich sofort bereue.
Mein Kopf hämmert in einem zerstörerischen Beat, auf meinem Rücken brennt irgendetwas schmerzlich, meine rechte Wade pocht und entlang meines rechten Rippenbogens durchzuckt mich ein zerreisend stechender Schmerz.

"Tai", sag ich zu mir selbst, "vergiss jetzt die Schmerzen und reiß dich zusammen. Du musst Marc helfen!"

Langsam und wackelig krabbel ich auf den Müllsäcken zu Marc und arbeite mich zu seinem Gesicht nach vorne.
"Marc, wo ist dein Spray?", bringe ich mit kraftloser Stimme hervor.
Seine Antwort besteht nur aus einem Röcheln und Quitschen.

Scheiße!

Hysterisch taste ich mich an seinem Oberkörper entlang, bis ich an seiner Hose ankomme.
Er hat keine Jacke an, sondern nur ein Tshirt, dass sich ziemlich zerrissen anfühlt.

Kurz muss ich stoppen, da mir mein Mageninhalt schon wieder sein baldiges Eintreffen ankündigt.
Ich atme einmal tief die kalte Luft ein und versuche trotz des gleichzeitig unschönen Techno-Beat in meinem Kopf, weiter nach seinem Spray zu suchen.

An der rechten Hosentasche angekommen, kann ich von außen einen Gegenstand ertasten.

Bingo!

Mit aller Kraft versuche ich das Spray aus seiner Hosentasche herauszureißen.

Meine Hände zittern und sind durch die Kälte kaum beweglich.
Als ich es endlich in der Hand halte, ziehe ich die Kappe ab und schüttle alles einmal, so kräftig ich kann, durch.
"Mach den Mund auf Marc, ich hab es!"

Sein Mund öffnet sich, was sich durch das abtasten meiner Finger bestätigt.
Meine linke Hand zieht seinen Kopf etwas nach oben und mit der rechten drücke ich ihm das Spray in den Mund.

Erster Hub....zweiter Hub....

Marc versucht so tief wie möglich einzuatmen.

Es kommt mir vor wie Stunden, als ich zitternd über meinem besten und eigentlich einzigen Freund hänge und darauf warte, dass er normal atmet.
"D..Da...Danke", kommt es schwach aus seinem Mund.
"Bekommst du genug Luft?", fahre ich ihn ängstlich an.
"Ja, geht schon", ist alles, was er über die Lippen bekommt.

Wenn deine Welt ihre Farben verliertGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt