Teil 6

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Immer noch Franco P.o.v.

Mein Blick wandert zu Alex, der mich ebenfalls in dem Moment anschaut.

"Sorry Franco" kommt es von Alex mit einem lauten Schnaufer.
Mit einem kurzen nicken schließe ich die Sache ab.

Wir wissen beide wann mehr und wann weniger Worte sinnvoll sind, da wir nun schon 8 Jahre Freundschaft und 7 Jahre WG auf dem Buckel haben.

Wir können uns blind vertrauen und unsere Blicke sagen oft mehr als tausend Worte.

Momentan fehlt unser Dritter im Bunde, unser Ruhepol, Phil....
Dieser nimmt gekonnt die Spannungen, da Alex und ich eher die aufbrausenden und impulsiven Typen sind.
Zu dritt sind wir wie ein Brüder-Trio.
Aber Phil hat gerade genug mit dem schwerverletzten Jungen zu tun.

Langsam machen wir uns auf den Weg zurück zur Wache...

Thalia P.o.v.

"Da vorne ist die Hecke!" ich mache mir selber Mut.

Völlig erschöpft, am ganzen Körper zitternd, und voller Schmerz, bahne ich mir meinen Weg durch die vielen kleinen Äste um auf die andere Seite zu gelangen.
Die Hecke ist der Blickschutz des Internats, in das ich nun irgendwie unbemerkt reinkommen muss..

Ich versuche mich zu konzentrieren und suche die Umgebung des Internats ab.

Hier am hinteren Teil befinden sich die unzähligen Fahrradständer, die dem ganzen Internat zur Verfügung stehen.
Es sind geschätzt 16 Reihen, die jeweils Platz für zirka 25 Fahrräder bieten und fast jeder unserer 400 Schüler hat dort eins stehen.

Soweit ich erkennen kann, ist die Luft rein.

Ich laufe so schnell ich kann zu der Hauswand und zähle die Fenster der Reihe nach ab.
Am achten Fenster bleib ich stehen und bin sofort genervt als ich sehe, dass es geschlossen ist.

Tabea, meine ebenfalls 17 jährige Zimmermitbewohnerin, hat vergessen es offen zu lassen.

Scheiße, Scheiße, Scheiße....

Wo ist mein Handy?

Meine steifgefrohrenen roten Finger tasten an meinen Hosentaschen der dunkelblauen Jeans entlang.

NICHTS.....

Ich lasse meine Hände an die hinteren Hosentaschen weiterwandern....

AUCH NICHTS...
Moment, ich glaube mich zu erinnern das ich es mir gestern Nacht in meinen BH gesteckt habe, weil ich Angst hatte es während dem rennen zu verlieren.
Warum sind wir weggerannt?
Vor wem?

Mein Gehirn ist wie leergefegt, das Einzigste was dort stattfindet, ist der anhaltend starke Disco-Beat der mir langsam den Kopf zu sprengen droht.

Da ich meine Finger kaum noch spüre, dauert es eine Weile bis ich mein Handy zu fassen bekomme und es endlich in meiner Hand halte.

Wie mag das aussehen?
Ein Mädchen mit zerfetzter blutiger Hose, Haare in alle Richtungen abstehend und vermutlich blutverschmiertem Gesicht, steht zusammengekrümmt vor dieser Mauer und fummelt sich im BH rum....

Augenverdrehend mustere ich mein Handy.
Das Display wurde wohl stark in Mitleidenschaft gezogen.
Mehrere Risse ziehen sich von oben nach unten und von links nach rechts durch.

Aber zum Glück funktioniert es noch!

9.49 Uhr verrät mir das hell erleuchtete Display.
Die dritte Schulstunde ist schon voll im Gange und ich kann nur hoffen, das Tabea ihr Handy im Auge hat.

>>Tabea, mach bitte das Fenster auf, ich bin da!<< tippe ich so schnell es geht und schicke es ab.

Vorsichtig mustere ich, während des wartens auf eine Antwort, meine Umgebung um sicherzugehen, dass mich Niemand sieht.

Das vibrieren meines Handys erregt meine Aufmerksamkeit.

>>Gleich da!<< ich lese erleichtert die erhoffte Antwort.

Keine Zwei Minuten später, wird das Fenster vor mir mit einem kräftigen Ruck aufgerissen.

Eine, mich zuerst finster dreinblickende Blondine, streckt ihren Kopf aus dem Fenster.

Pures Entsetzen legt sich über ihr Gesicht, als sie auf mich herunter blickt:

"WAS ZUR HÖLLE IST MIT DIR PASSIERT??!!"

Wenn deine Welt ihre Farben verliertGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt