Teil 17

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Franco und Phil ziehen vorerst meinen Hoodie wieder über meine Verletzungen.

"Phil, bring die Schüler hier raus und verteilt euch in die Klassenräume oder wo auch immer. Franco, du bleibst bitte bei mir" weist Alex seine Kollegen, ohne seinen Blick von mir abzuwenden, an.

Ohne weitere Worte wendet sich Phil zu seinen anderen Kollegen, mit denen er das weitere Vorgehen bespricht und im nächsten Zug wird der komplette Raum geleert.
Auch Frau Schwemmer wird hinausgeschoben, obwohl sie wehement versucht auf Phil einzureden.

"DU bleibst hier!" erschreckt mich auf einmal die feste Stimme von Alex.
Tabea will sich gerade aus der Türe drücken und bleibt stocksteif stehen.
Die Türe wird geschlossen.
"So, jetzt mal raus mit der Sprache! Was ist hier los? Und wehe ich bekomme hier nochmal eine Lüge aufgetischt, ich will wissen was mit Thalia passiert ist und zwar sofort!" Jetzt macht er mir schon ein kleines bisschen Angst, aber ich wundere mich warum er sich so für mich interessiert.
Vielleicht macht er das aber auch bei jedem anderen Patienten, ich kenne ihn ja schließlich nicht.

Tabea ist kreidebleich angelaufen und sieht aus wie ein Geist.
Hat sich wohl auch vor der energischen Stimme erschrocken.
"I..i..ich weiß es doch auch nicht genau. Sie, sie...sie kam gestern morgen mit diesen Verletzungen nach Hause..." stammelt sie vor sich hin.
"Wieso habt ihr nichts gesagt? Warum um Himmelswillen verschweigt ihr uns solche schwerwiegende Verletzungen?
Weist du eigentlich was da hätte alles schief gehen können?" Alex redet sich in Rage.

Ich bin jetzt schon mit meinen Nerven am Ende und bereue diese Aktion hier!

Da ich nichts mehr sehen und hören will, schließe ich meine Augen und halte mir die Ohren zu.
Mir schießen die Bilder von dem röchelndem Marc durch den Kopf..
Tränen laufen mir an meinen Wangen hinunter und ich bekomme dröhnende Kopfschmerzen.

Irgendjemand legt seine Hand auf meinen Kopf und versucht mich zu beruhigen.
Gekonnt schlage ich diese von mir weg.
Leicht öffne ich die Augen und sehe Francos Gesicht über mir, der irgendetwas auf mich einredet.

Ich will gar nicht wissen was der da labert.

Hinter ihm sehe ich wieder Alex, der da mit Phil steht und rumdiskutiert.
Tabea ist nicht mehr zu sehen.
Zu gerne hätte ich gehört um was es sich handelt, aber das monotone Gelaber neben mir geht mir so auf die Nerven, das ich mich zusammenreißen muss, ihm nicht eine zu klatschen.

Plötzlich verstummt alles.

Franco steht auf und kommt anschließend mit einem Rucksack zurück.
Neben meinem Körper rechts lässt sich Alex wieder auf die Knie und neben mir links, sehe ich einen mich anlächelnden Phil.

"Wo hast du noch überall Verletzungen?" will Alex von mir wissen.
Er ist plötzlich wieder ganz ruhig und spricht mit einer einfühlsamen Stimme zu mir.
Meine Antwort beschränkt sich auf "Rücken und Wade".

Phil und Alex drehen mich beide behutsam auf die Seite und Franco schneidet dann, mit der vorher angeforderten Kleiderschere, meinen geliebten Hoodie auseinander.
Franco ist der Erste, der die Luft scharf durch seine Zähne einzieht.

Ich starre einfach auf Alex' rot/neongelbe Hose und zähle die Fäden, die von der Naht abstehen.
Irgendwie beruhigt mich das.

Als dann aber auch noch meine Hose aufgeschnitten und an diesem Krater von Wunde herumgedrückt wird, verfalle ich kurzzeitig wieder in mein gewohntes Muster.
"Nehmt doch mal eure scheiß Finger von mir weg und lasst mich endlich in Ruhe! Ihr geht mir tierisch auf die Nerven!" schnauze ich die drei an und winkel meine Beine an.

Ups...

Meiner Meinung nach, hat es die drei wohl doch etwas erschreckt.

Schaff ich es denn nicht einmal mein Maul zu halten und einfach alles über mich ergehen zu lassen?

Phil hat zuerst seine Fassung wiedergefunden:
"Thalia, wir wollen dir helfen! Du hast echt üble Verletzungen und wir möchten wirklich gerne wissen, woher die stammen! Wir werden ausserdem die Polizei hinzuziehen müssen!"

"Ich weiß es nicht" stammel ich in seine Richtung.
"Was weist du nicht?" mit ernstem Blick werde ich angestarrt.
"Keine Ahnung was passiert ist! Ich weis es nicht!" flüster ich vor mich hin.

An meinem Arm wird der Ärmel zurückgeschoben und irgendetwas drumrum gelegt und festgezogen.
Alex schiebt behutsam meinen Hoodie wieder nach oben und tastet meine Rippen ab.

Zusammernreisen funktioniert jetzt überhaupt nicht mehr!
Ich balle die Fäuste vor lauter Schmerzen, Tränen sitzen schon wieder in den Startlöchern und mir wird ganz komisch.
Die Luft wird knapp und ich versuche durch mein immer schnelleres Atmen, dies auszugleichen.
Um die schon wieder auftauchenden schwarzen Punkte in meiner Sicht loszuwerden, presse ich meine Augen so stark zusammen, so dass nun Blitze das Kommando übernehmen.

Die Stimmen vor mir, hinter mir, neben mir und um mich herum machen mich rasend.
Irgendjemand schlägt mir andauernd leicht auf die Wange.

Lasst mich endlich in Ruhe!
Hört auf! Finder weg von mir!

Mich interessiert gar nichts mehr!
Nur der starke Schmerz auf meinem Brustbein lässt sich leider nicht so einfach wegignorieren und ich reiße meine Augen auf um alle einfach nur anzuschreien.

Darf ich vorstellen: DAS bin ich!
Wütend, zornig, laut, unbeherrsch und unberechenbar!

Mit drei, mich festhaltenden Männern an mir, einer beginnenden Atemnot erster Klasse, Wut, Zorn, Schwindel und Kopfschmerzen, wird mir auf einmal komplett das Licht ausgeknipst.

ENDLICH RUHE!

Das ist vorerst mein letzter Gedanke....

Wenn deine Welt ihre Farben verliertGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt