"Genau, dort in der Seitengasse! Zwei Personen. Die eine Person, weiblich, hat mit mir geredet und die andere Person, vermutlich männlich, liegt daneben...ich weiß es nicht...." höre ich plötzlich ein Gespräch aus der Richtung des Mannes.
Langsamen Schrittes kommt die Gestalt in unsere Richtung.
Kurz vor uns bleibt er abrupt stehen und blickt mir schockiert in mein Gesicht.
Seine Hand, in der er sein Handy festhält, gleitet an der Wange, Richtung offenstehenden Mund, nach unten.
"Ach du scheiße, wie siehst du denn aus?" kommt nun auch schon die entsetzte Frage hinterher.
Ich kann ihn nur verwirrt anschauen, zu mehr bin ich gerade nicht in der Lage.
"Was ist mit der Person neben dir? Lebt sie noch? Atmet sie?" die Fragen prasseln nur so auf mich ein.
Zuviel für meinen Kopf!
"J..j..ja.....l...lebt...üüüberall Blut...a... er atmet schwer und....und schlecht......schläft dauernd ein" ist das Einzigste, das ich ihm stotternd entgegenschmettere.
Danach halte ich mir meinen Kopf und kneife die Augen zu, da meinen Körper wieder allerlei Schmerzen durchziehen.
"Hören Sie?! Der Kerl neben ihr ist auch voller Blut! Er atmet schlecht und schläft dauernd ein, sagt das Mädchen....Ja, steht aber glaube ich unter Schock, es kommen nur Wortfetzen von ihr...Ich warte vorne an der Seitengasse und weise den Rettungsdienst ein" beendet der Mann das Telefonat.
"Hey hör mal, bleib genauso sitzen und sorge dafür, dass dein Freund wach bleibt! Der Krankenwagen kommt gleich. Ich gehe nach da vorne und warte auf die Sanitäter" versucht der Mann mir gefühlvoll entgegenzubringen.
Langsam realisiere ich die Worte des Mannes...
Krankenwagen, Sanitäter, Hilfe kommt...
"Marc, gleich kommt Hilfe! Halte durch!" flehe ich meinen Freund neben mir an.
Verlass mich nicht, ich brauche dich so sehr!
"SCHEIßE!!!.....ich muss weg...." stammel ich vor mich hin...
Ich bin ebenso verletzt, die nehmen mich mit.
Wenn ich nicht rechtzeitig zurück ins Internat komme, fliegt alles auf....
"Hey" rüttel ich an Marc herum, mit der Hoffnung ihn zu wecken.
"MARC!" schreie ich mit meinem letzten Rest Stimme und warte auf eine Reaktion.
Ein leichter Hauch an dem ein "Ja" angeheftet ist, erreicht mein Ohr.
"Hör mir zu!" beginne ich nervös mit meinen Worten "Ich muss zurück, der Krankenwagen kommt gleich und die kümmern sich um dich! BITTE HALTE DURCH!! ICH BRAUCHE DICH!"
Ich drücke meine, mit Tränen benetzte Wange, an seine und umarme ihn so gut es geht.
Ein stetig zunehmender Adrenalinspiegel ermöglicht es mir, mich mehr oder weniger aufzurichten.
Kurz muss ich mich an der Wand abstützen, damit die kleinen schwarzen Punkte in meinem Sichtfeld wieder zur Ruhe kommen.
Eine von vielen Tränen läuft mir mein Gesicht herunter und die Sorge um Marc und der Hass gegen mich selbst, weil ich ihn jetzt im Stich lasse, steigt in mir auf.
Wie kannst du nur?
Wie kannst du es wagen ihn im Stich zu lassen?
Der Einzigste, dem du eventuell was bedeutest, liegt dort sterbend am Boden und du gehst einfach....
Ich schüttel die Gedanken so gut wie Möglich von mir ab.
Suchend richte ich meinen Blick Richtung Seitenstraßeneingang und was ich dort sehe, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.
Blaues flackerndes Licht, Martinshörner und der, mit den Händen wild fuchtelnde Mann, lassen mich alle Schmerzen vergessen und ich stolpere los in die entgegengesetzte Richtung.
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Wenn deine Welt ihre Farben verliert
FanfictionThalia ist 17 Jahre alt und lebt in einem Internat. Sie führt ein Leben mit zwei Gesichtern. Tagsüber die liebe Internatsschülerin und nachts, auf ihren Streifzügen, die unberechenbare Rebellin (ihr wahres Ich). Der einzige Halt, der einzige Farbkle...
