Jack
Da es nur eine Frage der Zeit ist, bis Alexander seinem Schlafbedürfnis nachgibt, tue ich so als wenn ich ihn vollkommen ignoriere.
Ihm scheint das allerdings herzlich wenig zu interessieren, da er in seinen Gedanken abschweift und geistig gar nicht mehr anwesend zu sein scheint.
Mir war klar, dass er völlig fertig sein muss, aber dass seine Reizbarkeit immer noch so hoch ist und dieses bockige Verhalten sich zunehmend steigert, stimmt mich nicht gerade positiv.
Ein Punkt, der mich ebenfalls seit geraumer Zeit beschäftigt, ist dieses Mädchen.
Im Normalfall meiden Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen triggernde Situationen, Orte oder Personen.
Doch Alexander klammert sich fast schon an dieses Kind fest, das selbst so verloren zu sein scheint.
Ich verstehe noch nicht ganz, ob er hofft, sich durch die Rettung dieses Kindes selbst zu retten oder was ihn genau zu diesem penetranten Verhalten bewegt.
Vielleicht denkt er auch, er könne seinen Fehler, den er bei seiner Schwester seiner Meinung nach getan hat, wieder gut machen.
Nachdem ich meinen Tee soweit fertiggestellt habe, schnappe ich mir meine Tasse und wende mich wieder meinem Kumpel zu.
Mit gegen die Küchenzeile gelehnten Körper, sehe ich dabei zu, wie ihm immer wieder die Augen zufallen und er mit aller Gewalt versucht dagegen anzukämpfen.
Höchstens noch zwei Minuten...
Man kann regelrecht zusehen, wie sein Körper in die Ruhephase umswitcht.
Seine Schultern verlieren an Spannung und senken sich leicht ab.
Seine verschränkten Arme gleiten langsam Bauch Abwärts und liegen einige Sekunden später locker auf seinen Oberschenkeln.
Des Weiteren entspannen sich nach und nach seine Gesichtszüge, während sein Kopf eine leichte Neigung nach links einschlägt.
Nachdem sein linkes Bein kurz gezuckt hat, bin ich mir vollkommen sicher, dass er jetzt schläft.
Dieses Geheimnis hat mir Phil anvertraut, da die Jungs in der WG fast jede Eigenschaft und Macke voneinander kennen und manche Indikatoren somit für meine Arbeit ziemlich nützlich sind.
Wenn auch nur, wie in diesem Fall, um genau zu wissen, ob er auch wirklich schläft.
Somit mache ich mich auf den Weg zum Sofa und notiere für mich selbst die ersten Schritte:
Phase 1: Stabilisierungsphase
• sichere Umgebung schaffen ✔️
• Entspannungsübungen
- Autogenes Training
- Progressive Muskelrelaxation
- Hypnose
Bei den Gedanken an die Entspannungsübungen atme ich jetzt schon schwer auf.
Das letzte Mal haben wir Tage dafür gebraucht, bis er sich auf diese Dinge eingelassen hat.
Alexander hat es nicht zulassen wollen und immer behauptet, das er sich damit lächerlich fühlt.
Allerdings weiß ich ganz genau, das er nur Angst hat, die Kontrolle zu verlieren.
Durch die ständige Anspannung schränkt er seinen Körper und auch seinen Geist in gewisser Weise ein und zwingt ihn somit auf sich zu hören.
So gaukelt er sich vor, seinen Körper unter Kontrolle zu haben.
Ein leises Brummen erregt meine Aufmerksamkeit.
Ich lege meinen Stift beiseite und werfe einen Blick auf Alexander.
Der hat sein Gesicht in alle Richtungen verzogen und weist eine leicht glänzende Stirn auf.
Mit einem Ruck erhebe ich mich vom Sofa und laufe auf den Schlafenden zu.
Da diese Position absolut unmöglich für einen erholsamen Schlaf ist, packe ich den Herrn an den Füßen und ziehe ihn ein kleines Stück weiter nach unten.
Die unsanfte Landung bekommt er gar nicht richtig mit, sondern rollt sich sofort auf die Seite und nimmt die Embryostellung ein.
Kurz nachdem ich mich neben ihn auf die Matratze gesetzt habe, wird er zunehmend unruhiger, was sich auch in seiner Atmung widerspiegelt.
Das erneute Aufbrummen lässt mich erahnen, dass er in seinen Träumen stark zu kämpfen hat.
Nach einer erneuten Drehung liegt Alexander auf dem Rücken und gibt mir nun freie Sicht auf sein glänzendes Gesicht.
Vorsichtig wische ich ihm über die Stirn und stelle fest, dass er kaltschweißig ist.
Mit einem plötzlichen Ruck, der von einem erschreckten Laut begleitet wird, sitzt er kerzengerade neben mir und starrt mit weit aufgerissenen Augen vor sich hin.
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Wenn deine Welt ihre Farben verliert
FanfictionThalia ist 17 Jahre alt und lebt in einem Internat. Sie führt ein Leben mit zwei Gesichtern. Tagsüber die liebe Internatsschülerin und nachts, auf ihren Streifzügen, die unberechenbare Rebellin (ihr wahres Ich). Der einzige Halt, der einzige Farbkle...
