Teil 33

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Thalia P.o.v.

Als ich das Abendessen vernichtet habe, kommt die Schwester und räumt alles ab.
Nachdem ich noch 15 Minuten gewartet habe, mache ich mich mit meinen Klamotten auf ins Bad um mich umzuziehen.
Da ich nicht viel mitzunehmen habe, sondern nur mein Handy, bin ich schnell fertig und mache mich in voller Montur auf den Weg.
Der Flur ist menschenleer und ich laufe im schnellen Schritt zu den Treppen.
Diese springe ich hinunter und muss in der Halle unten aufpassen, das mich Niemand aufhält, da hier noch reges treiben herrscht.
Endlich habe ich es geschafft!
Die kalte Abendluft fegt mir um die Nase und ich mummel mich in meine Jacke.
Mein Weg zieht sich durch die dunklen Straßen und es dauert eine halbe Ewigkeit, bis ich Marcs Versteck erreicht habe.
Kurz bleibe ich davor stehen, da mir der Gedanke in den Sinn kommt, das er hinter diesen Mauern auf mich wartet und mich mit seinem umwerfenden grinsen in Empfang nehmen würde.
Ein Gänsehautschauer läuft mir über den Rücken, da mir im nächsten Moment klar wird, dass das nie wieder der Fall sein wird.

Betrübt öffne ich die Türe und schleiche mich in die Fabrik hinein.
In "seinem Raum" angekommen, stockt mir kurz der Atem.
Alles ist verwüstet und zugemüllt.
Die Matratze wurde durch den Dreck gezogen und aufgeschlitzt, die Kissen ebenso.
Der kleine Tisch wurde auf übelste Weise auseinandergenommen und das Getränkelager existiert schon gar nicht mehr.
Tränen laufen mir über die Wange und die Wut steigt in mir auf, da ich gehofft habe, hier noch einen Teil von ihm "spüren" und seinen Geruch noch ein letztes Mal in mir aufnehmen zu können.
Ich trete gegen die einzelnen Teile des Tisches auf dem Boden und schreie mir die Seele aus dem Leib.

Warum??? Warum nur?? Ich kann nicht ohne dich Marc, hörst du??

Ich lasse mich auf die Knie fallen und heule Sturzbäche, aber der Schmerz wird einfach nicht weniger.
Irgendwann ist der Tränenvorrat aufgebraucht und ich muss mir noch dringend irgendetwas trinkbares besorgen, um die Nacht über nicht durchzudrehen.
Mit meinen Jackenärmeln wische ich mir mein nasses Gesicht trocken und begebe mich auf den Weg in den Supermarkt.

In "unserem" Supermarkt wussten wir genau, bei wem wir leichtes Spiel hatten, um unbemerkt mit der Ware aus dem Laden zu kommen und bei wem man es lieber bleiben lassen sollte.
An der Kasse sitzt Barbie, so nannten wir die Strohdumme aufgetakelte Tussi und ich bin erleichtert, das sich an der Kasse potenzielle Opfer für ihre Flirtattaken aufhalten.
Schnell laufe ich den ersten Flur entlang und biege gerade um die Ecke, als ich gegen eine andere Person renne.
"Sorry, war keine Absicht!" entschuldige ich mich und will gerade meinen Weg fortsetzen, als ich am Arm festgehalten werde.
Erschrocken sehe ich der Person vor mir ins Gesicht und muss feststellen, dass das Glück wohl heute nicht auf meiner Seite steht.
"Hey, ist alles in Ordnung bei dir?" fragt mich der Polizist.
Ich mustere sein Gesicht und bin sehr froh, das es keiner meiner bekannten "Freunde" ist.
"Ja, sicher. Entschuldigung nochmal..." will ich mich an ihm vorbeidrücken, aber er lässt seinen Griff an meinem Arm nicht locker.
"Du sieht mir aber nicht so danach aus!" besorgte Blicke treffen mich.

Thalia, ganz ruhig!!! Der kennt dich nicht und der weiß nicht das du vom Krankenhaus abgehauen bist. Mach kein Theater und dann geht's weiter!

Gezwungen setze ich ein Lächeln auf:
"Allergischer Schnupfen und ich sollte dringend wieder Heim ins Bett, also wenn sie gestatten!" ich deute mit meiner Hand auf den Ausgang.
"Bist du sicher?" er gibt einfach nicht auf.
Ich atme tief durch um meine Fassung nicht zu verlieren und lese den Namen auf seiner Uniform:
"Herr Westerhoven, es ist nett dass Sie sich sorgen, aber es fehlt mir nichts. Wenn ich jedoch nicht bald zuhause bin, wird meine Mutter eine Vermisstenanzeige aufgeben und mehr muss ich dazu nicht sagen, oder?" langsam aber sicher verändert sich ungewollt mein Unterton.
"Na gut, das wollen wir ja nicht. Gute Besserung!" wünscht er mir und ich spüre seine Blicke in meinem Nacken, als ich den Laden verlasse.

Wenn deine Welt ihre Farben verliertGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt