Frisch geduscht, aufgewärmt und in flauschigen Klamotten verpackt, trete ich aus dem Badezimmer und laufe in das Wohnzimmer zurück, in dem Alex und Phil sich zu streiten scheinen.
Als sie mich wahrnehmen, stoppen sie ihr Gekeife sofort und mustern mich zufrieden.
"Hast du Hunger oder möchtest du etwas trinken?", will Alex sofort wissen, doch ich schüttle nur meinen Kopf.
"Du bist müde, mh? Ich zeig dir, wo du heute Nacht schläfst, komm mit!", Phil ergreift sofort die Initiative und läuft an mir vorbei, die Treppen hoch.
An einer der Türen im obersten Flur bleibt er stehen und öffnet diese:
"Schau mal, das ist Alex' Zimmer. Fühl dich ganz wie zuhause und schlaf dich aus. Wenn du etwas brauchst, dann ruf einfach!"
"Okay..."
"Wie geht es denn deinen Verletzungen? Ich möchte dich heute nicht mehr quälen, aber morgen werde ich mir das anschauen müssen!"
"Ganz okay, denke ich. Danke!", damit nicht noch mehr Gespräch geführt wird, als nötig ist, schleiche ich in das Zimmer und setze mich auf das Bett.
"Gute Nacht", nachdem Phil die Türe geschlossen hat, lasse ich mich rückwärts auf die Matratze fallen und kann es gar nicht fassen, wie sehr man so ein Bett vermissen kann.
Ziemlich absurde Situation, jedoch bin ich fast schon dankbar, dass mir wenigstens eine Nacht voller Angst und Kälte erspart bleibt.
Meine Gedanken schweifen zu den drei Typen ab.
Wenn dieser Unbekannte sich nicht eingemischt hätte, wäre ich sicherlich nicht so glimpflich davongekommen und ich will mir gar nicht erst ausmalen, was die alles mit mir angestellt hätten.
Doch das, was mir am meisten zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass die drei Jungs grundlegend schuld an Marcs Tod sind.
Ich hätte ihn energischer davon abhalten müssen, sich mit ihnen zu treffen, denn dann würde er vermutlich noch leben.
Vereinzelte Tränen bahnen sich ihren Weg über mein Gesicht, auf die Bettdecke und vereinen sich auf dem Bezug zu einem großen nassen Fleck.
Ich nehme mir vor, nur ein paar Stunden zu schlafen und mich dann einfach wieder aus dem Staub zu machen, denn länger als nötig möchte ich mich hier nicht aufhalten.
Ein lautes Lachen holt mich aus dem Land der folternden Träume zurück.
In meinem Kopf tobt sofort ein böser Sturm, der etliche Blitze in die unterschiedlichsten Gehirnregionen schickt.
Dass diese Tatsache auf den Billigfusel zurückzuführen ist, ist mir klar.
Ich schwöre mir, dieses Zeug nicht mehr in Erwägung zu ziehen, denn dafür, dass dieser Alkohol schlimme Nachwehen verursacht, hätte er wenigstens schmecken müssen.
Vorsichtig drehe ich meinen Kopf zur Seite, um einen Blick auf den Wecker zu werfen.
Kurz vor acht.
Ein klein wenig ärgere ich mich, dass zumindest eine Person schon wach zu sein scheint, denn somit wird das nichts mit meiner geplanten und unbemerkten Flucht.
Das unerwartete Klopfen an der Türe erschreckt mich so sehr, dass ich vergesse mich schlafend zu stellen und dem hereinschauenden Phil sofort in die Augen blicke:
"Ah, du bist schon wach. Komm doch runter, dann kannst du was frühstücken!"
Außer einem nicken bekomme ich nichts zustande, doch es scheint dem Lockenkopf zu genügen.
Leider läuft er nicht wie gedacht sofort wieder nach unten, sondern wartet doch tatsächlich, dass ich meinen Arsch aus dem Bett bequeme.
Als sich auch nur ein kleiner Bruchteil meiner Muskeln anspannt, bekomme ich fast die Krise.
Mein Körper hat sich zu einem großflächigen Schmerzpunkt entwickelt und möchte mich wohl somit für die letzten paar Tage strafen.
"Hab ich mir schon gedacht. Alex geht es nicht besser, der ist auch kaum vom Sofa hochgekommen!", der Arzt kommt jetzt auf mich zugelaufen und reicht mir seine Hand, damit er mir beim Aufstehen behilflich sein kann.
"Sobald du etwas gegessen hast, bekommst du etwas gegen die Schmerzen!"
Die Aussicht auf eine Tablette stimmt mich etwas freudiger, darum mache ich auch keine Zicken, lasse mir aufhelfen und folge Phil in das untere Stockwerk.
In der Küche angekommen, treffe ich auf Alex, der irgendwie auch so aussieht, als hätte er die Nacht durchgesoffen.
Seine Haare stehen in alle Richtungen ab, sein Gesicht ist blass, die Augen nur zu Schlitzen gezogen und der Kopf scheint so schwer zu sein, dass er ihn mit seinem rechten Arm stützen muss.
Ein kleines Lächeln kann ich mir nicht verkneifen, was dem Notarzt auch sofort auffällt:
"Ich hoffe du erfreust dich nur an diesem schönen Tag und lachst mich nicht aus! Nach spätestens zwei Tassen Kaffee bin ich wieder hergestellt!"
Ich äußere mich nicht zu diesen Worten und setze mich einfach ganz still neben ihn an den Tisch.
"Was möchtest du denn essen? Müsli, Cornflakes, Toast....", quasselt Phil direkt drauf los und öffnet einen Küchenschrank nach dem anderen.
"Eigentlich...", bevor ich den Satz beenden kann, fällt mir Phil ins Wort:
"Wenn du ein Schmerzmittel möchtest, dann musst du davor auch etwas essen!"
"Toast und einen Kaffee bitte!", meine Bestellung wird freudig aufgenommen und nach erfolgreicher Zubereitung vor meiner Nase bereitgestellt.
Als ich dem Kaffee eine Menge Milch und vier Löffel Zucker hinzugefügt habe, schüttelt Alex den Kopf:
"Da hättest du gleich eine Zuckermilch mit einem Schuss Kaffee bestellen können. Was für eine Schande..."
"Ich trinke das nicht allzu oft. Wenn, dann muss dieser bittere Geschmack überdeckt werden. Den kann ich gar nicht gebrauchen!", auch wenn meine Erklärung zu keinem Verständnis beiträgt, habe ich wenigstens ein klein bisschen Konversation betrieben, was den Herren gefallen dürfte.
Schweigsam ist nicht so ihr Ding.
DU LIEST GERADE
Wenn deine Welt ihre Farben verliert
FanfictionThalia ist 17 Jahre alt und lebt in einem Internat. Sie führt ein Leben mit zwei Gesichtern. Tagsüber die liebe Internatsschülerin und nachts, auf ihren Streifzügen, die unberechenbare Rebellin (ihr wahres Ich). Der einzige Halt, der einzige Farbkle...
