Teil 12

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(Immer noch Alex P.o.v.)

Alle schauen mir zu, wie ich Thalia auf dem Bett ablege und sie mit ihrer Bettdecke umhülle.

Schweigend steh ich da und starre sie einen kurzen Moment lang an.
Ich fahre mir durch die Haare.

Denk nach Alex, was machst du jetzt?!
Einerseits gehört sie ins Krankenhaus und durchgecheckt, aber wenn sie dort später aufwacht wird sie mit größter Sicherheit ausrasten....
Warum mach ich mir hier eigentlich so viele Gedanken?
Diese leeren Augen lassen mich einfach nicht los.....
Mann, ich bin Notarzt und muss Objektiv handeln.
Aber irgendetwas hält mich davon ab.

Hilfesuchend Blicke ich zu Franco, der wohl auch nicht versteht worin mein Problem liegt.
Er blickt mich kritisch an und deutet mit dem Kopf leicht zur Türe.
Mit einem nicken machen wir uns auf den Weg vor die Türe.

"Alex, ist alles klar? Warum stehst du da und schaust mich an, als wenn du nicht wissen würdest was du tun sollst?"

Weil ich eben nicht weiß was ich tun soll, verdammt..

Mit einem Schulterzucken fange ich an hin und her zu laufen und versuche die Medizinischen Indikatoren gegeneinander abzuwägen um mir die Frage zu beantworten, ob ich sie hier lassen kann oder mitnehmen muss.
Die Hand an meiner Schulter stoppt meine Gedanken und ich bleib stehen.

"Verdammt was ist denn los, rede mit mir!" wirft mir Franco fast schon empört entgegen.

"Was weiß ich...also normalerweise würde ich sie mitnehmen, nur zum durchchecken...aber....du hast ihre Augen nicht gesehen! So leer, angsterfüllt und einfach nur fertig..."
"Da hast du doch schon deine Antwort! Wir sollten sie mitnehmen!" zuversichtlich sieht  er mich an.

"Ja......Nein.....Herrgott....pass auf, wenn überhaupt hat sie nur eine leichte Gehirnerschütterung. Tabea wacht mit Adleraugen über sie und spätestens morgen sind wir ja wieder da. Vielleicht kann die Internatskrankenschwester ein paar Mal bei ihr vorbeikommen. Morgen werd ich sie mir dann nochmal anschauen und neu entscheiden" rede ich eigentlich mehr oder weniger mit mir selbst.
"Alter was ist mit dir los, du bist heute voll neben der Spur" Franco starrt mich entgeistert an.
Ich lasse Franco einfach so im Flur stehen und verkünde Frau Schwemmer und auch Tabea meine Entscheidung.

"Wenn Sie das so verantworten können, dann werde ich alles nötige in die Wege leiten!" Frau Schwemmer verschwindet auch schon in ihr Büro.

"Tabea hör mal. Du musst heute bei Thalia bleiben. Sie sollte ab und zu aufwachen und ganz wichtig, etwas trinken. Wenn sich ihr Zustand verschlechtert, rufst du sofort einen Rettungswagen okay? Ich meine, du kennst sie wohl am besten hier und dir vertraut sie. Bekommst du das hin?"
"Ja klar, bekomme ich hin. Danke dass sie ihr die Chance geben, nicht ins Krankenhaus zu müssen. Das wird ihr einiges ersparen!"

Na sieh einer an, es geht auch freundlich.

Draußen auf dem Flur sammel ich den verdutzten Franco ein und wir gehen zusammen zum Nef.
Als wir beide im Auto sitzen, glotzt mich Franco nur doof von der Seite an.
Lust zu reden habe ich keine und wedel nur mit der Hand nach vorne um ihm ein Zeichen zu geben, das er losfahren soll.
Ohne auch nur einen Ton von sich zu geben, fährt er uns auf die Wache um in unseren verdienten Feierabend zu starten.

Auf der Heimfahrt reden wir kein einzigstes Wort, wofür ich echt dankbar bin.

Zuhause angekommen geh ich erst mal duschen, da ich auf der Wache die Dusche ausgelassen habe.
Normalerweise Pflicht, aber wir hatten keine Infektiösen Patienten, daher kann ich das verantworten.

Gefühlt stehe ich stundenlang mit dem Kopf gegen die Wand gelehnt in der Dusche und lasse das heiße Wasser auf mich einrieseln.
Mein Kopf ist total leer, bis es an der Tür klopft und ich ein "hey, alles klar bei dir?" vernehme. Phil.

Mit einem schmunzeln im Gesicht rufe ich ihm nur "klar doch" als Antwort entgegen.
Als ich es dann auch mal schaffe, mich aus der Dusche zu quälen und letztendlich angezogen bin, laufe ich hinunter ins Wohnzimmer und schmeiss mich aufs Sofa.
Über meine linke Schulter wird mir ein Bier angereicht und Phil gesellt sich neben mich.

Mit einemmal fühle ich mich schon nicht mehr so aufgewühlt.... Ruhepool Phil eben....

Wir trinken etwa die halbe Flasche leer, bis Phil das erwartete "Erzähl mal....." rauslässt.
Somit fange ich an, ihm von unserem Tag zu erzählen und er hört geduldig zu.
"....ja und jetzt sitz ich hier und weiß genauso wenig wie vorher, Warum ich in dieser Situation einfach so unsicher war....oder...keine Ahnung was mit mir los war...." starre ich in meine Bierflasche hinein.
"Hör mal, so Tage gibt es!  Bei manchen Patienten ist man sich eben einfach nicht sicher, ob die Entscheidung jetzt Vorteilhaft ist oder nicht. Ich denke, du kannst dir soweit nichts vorwerfen falsch gehandelt zu haben. Mach dir keinen Kopf, morgen schaust du dir die Lage nochmal an. Du hast sie ja schließlich mit keinem Polytrauma oder ähnlich liegen lassen".

Ich bin dir so dankbar, dass du bist wie du bist!

"Danke, wirst wohl Recht haben!" mehr weis ich in diesem Moment nicht darauf zu antworten.

Franco stößt nun auch zu uns dazu.
Er klopft mir von hinten freundschaftlich auf die Schulter und somit ist diese Sache zwischen uns auch gegessen.

Ich liebe diese unkompliziertheit!

Zwei Flaschen Bier und viel gequatsche später, mache ich mich auf den Weg ins Bett.
Ziemlich lange liege ich noch wach, da mich der Gedanke nicht loslässt, dass das erst der Anfang, von was auch immer ist...

Wenn deine Welt ihre Farben verliertGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt