Kapitel 30 - Das Baby und das Küken

28 2 0
                                        


Nein! Nein, das durfte nicht sein, dachte sie bei sich. Denn sie hatte den Elderstab. Den mächstigsten und stärksten Zauberstab aller Zeiten. Sie war hinter der sicheren, schützenden Grenze von Severus gewesen, der an ihrer Seite gekämpft hatte. Auch ihre Freunde, die besten Zauberer aller Zeiten waren an ihrer Seite gewesen, wie ein Heer. Selbst die peitschende Weide hatte die Gebrandmarkten in Schach gehalten. Es hätte gar nicht sein können, dass sie irgendwas getroffen hatte.

Doch es war unwiederruflich geschehen. Ein schrecklicher Fluch, der sie vollkommen zerriss, drang durch sie hindurch.

Zuerst fürchtete sie, dass dieser sie auf der Stelle umbringen würde, so stark waren die Schmerzen und doch konnte sie spüren, dass sie noch am Leben war.

Wie benommen erinnerte sie sich daran, dass sie den Elderstab um jeden Preis beschützen musste. Also umklammerte sie ihn ganz fest mit ihren Händen und kauerte sich auf dem Boden zusammen.

Wärend sie sich wie unter einem heftigen Krampf in sich zusammen krümmte, schien alles vor ihren Augen zu verschwimmen.

Sie keuchte und wimmerte, während sie damit rechnete, dass sie nun verloren war.

Mit einem Mal, als wären diese Schmerzen nicht schlimm genug, wurde sie von einer kalten, weißen Hand hoch gerissen. Es fuhr ihr durch alle Glieder, wie tausende Messer, die in sie hinein gestoßen worden waren. Der Zauber hatte sie vollkommen gelähmt, so dass jede Bewegung weh tat.

Doch mit einem Mal hörte sie dumpf und weit entfernt das vertraute Dröhnen einer Stimme, die ein Licht in sich aufleuchten ließ. Mit größter Anstrengung wandte sie ihren Kopf um, damit sie sehen konnte, was um sie herum geschah und sah, dass die kalte Hand, die nach ihr gegriffen hatte, kein Gebrandmarkte war. Severus hatte sich auf sie gestürzt und sie beschützt.

Sie versuchte nach Hilfe zu schreien, denn Severus war der einzige Mann, von dem sie wusste, dass er irgendwas tun konnte, denn lange war dies nicht mehr zu ertragen. Sie fing an zu zittern und konnte sonst kaum etwas spüren.

Mit letzter Kraft sah sie an sich herunter und erwartete zu sehen, dass sie von Blut und Wunden übersät war. Doch ihre Augen schienen ihr einen Streich zu spielen, denn sie schien nicht schlimmer verwundet zu sein, als kurz zuvor. Der Schmerz, den sie spürte, war da, doch die dazugehörigen Wunden waren nicht zu sehen. Was war das? Was hatte er ihr angetan? Doch dann sackte sie ohnmächtig zusammen, ohne dass die Schmerzen aufhörten.

Als sie wieder halbwegs zu sich kam, spürte sie, dass ein gleichmäßiges, schnelles Schütteln sie geweckt hatte. Zuerst glaubte sie, jemand versuchte sie zu wecken, doch dann erkannte sie, dass jemand sie in den Armen trug und sehr eilig zu laufen schien. Es war kaum auszuhalten, denn dadurch, dass sie so heftig geschüttelt wurde, machte es ihre Schmerzen noch viel schlimmer, auch wenn sie dachte, dass das gar nicht möglich war. Es fühlte sich an, als würde ihr Körper nur noch von dünnen, seidenen Strängen zusammengehalten, die jeden Moment drohten zu reißen. Konnten sie nicht vorsichtiger sein? Konnten sie nichts gegen ihre Schmerzen tun? Es war so schrecklich und unerträglich, dass sie erneut zusammensackte, während sie eine vertraute Stimme hörte.

Es war ihre Mutter, die besorgt rief: „Rette sie. Ich flehe dich an, rette sie!"

Und dann spürte sie eine furchterregende Taubheit, die sich in ihrem Körper ausbreitete und sie vollkommen zu lähmen schien.

Erst, als sie wieder etwas zu sich kam, merkte sie, dass sie erneut ohnmächtig geworden war. Diesmal schüttelte sie nichts mehr. Sie lag ruhig da und hörte wie betäubt eine ferne Stimme, die irgendwas sprach, das sie nicht verstehen konnte. Ob es eine Sprache war, die sie nicht kannte, oder eine Formel, von der sie noch nie etwas gehört hatte, oder ob ihr Kopf ihr Streiche spielte, wusste sie nicht. Doch sie spürte, wie ihre Schmerzen ein wenig schwächer wurden, auch wenn es den Wunsch nicht austrieb, einfach zu sterben, um das nicht mehr spüren zu müssen.

Alvina McGonagall - vor dem letzten KapitelGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt