Jesse
»Jesse?«, schreit jemand und ich weiß sofort, wer nach mir ruft. »Ich habe dir Limonade mitgebracht.«
Ich sperre die Tür zum WC auf, in dass ich vorhin geflüchtet bin, weil es der einzige Ort ist, an dem ich alleine sein kann. Dorthin folgt mir keiner der beiden. Das ist mein Safe Place.
Ich stecke den Kopf heraus und sehe mich nach Gray um. Er steht im Rahmen meiner Zimmertür, aber als er mich bemerkt, dreht er sich zu mir um.
»Wie geht es dir?«, fragt er mich lächelnd und stellt seinen Rucksack an die Wand.
Ich weiß nicht, was mit meiner Zunge los, aber sie ist schläfrig. Ich kann sie nicht bewegen.
»Okay«, sagt er und zieht die Buchstaben etwas lang. »Ich nehme an, du willst weiterhin nicht mit mir reden.«
»Er redet mit keinem von uns«, trällert David und reicht Gray ein Glas Wasser. Er mustert mich und lächelt freundlich. »Was hast du so lange am Klo gebraucht? Hast du Bauchschmerzen? Du solltest dein Mittagessen essen.«
Ich trete zurück und knalle die Tür hinter mir zu. Ich drehe den Schlüssel und setze mich auf den kleinen Teppich.
»Hey Jesse. Komm da jetzt endlich raus! Du kannst nicht-«, brüllt der noch vor wenig Minuten glücklich wirkender Bassist.
»David!«, tadelt Rush. »So bekommst du ihn auch nicht raus.«
Ich verdrehe genervt die Augen und fühle mich fünfzehn Jahre jünger. Ich bin zurück in dem Alter, in denen mich die Menschen um mich herum, wie eine Glaskugel behandelt haben und jeder Angst hatte, ich würde mal wieder weglaufen.
Es klopft und Gray sagt vorsichtig, »Jessie, wenn du nicht herauskommst, gehe ich aber wieder, okay?«
Er blufft.
»Na gut«, sagt er und seufzt. Die Schritte entfernen sich und die Haustür wird geöffnet und wieder geschlossen. Dann ist es still.
Ist er jetzt wirklich weg? Neugierig erhebe ich mich wieder und öffne die Tür. Ich kann nichts sehen, von der Stelle aus, an der ich stehe.
Rush und David sehen mich verblüfft an, als ich heraustrete und um die Ecke gehen möchte. Ich komme aber nicht so weit, weil Gray hervorspringt und mich in seine Arme zwingt.
»Hab dich«, lacht er und sieht mich begeistert an. »David hat für dich extra gekocht. Das bedeutet, dass wir uns jetzt setzen und du isst.«
»Ich will nicht«, knurre ich. Ich zwinge mich dazu, ihn nicht zu umarmen, verliere aber den Kampf und tue es dann doch.
»Dann esse ich es.«
Ich seufze genervt. »Ich lasse mich nicht zwei Mal reinlegen.«
David lacht ebenfalls und räumt zwei Teller aus dem Schrank. »Ihr könnt beide etwas essen. Ich habe mehr als genug Pasta gekocht.«
»Ich will immer noch keine.« Ich versuche mich von Gray zu lösen, aber er schiebt die Arme nur etwas höher und piekst mir in die Achseln. Ich gebe einen erstickenden Laut von mir und verkrampfe mich.
Gray lacht lauter und wiederholt das, um die gleiche Reaktion zu erzielen. »Jetzt kitzle ich dich, bis du dich bei David für das Essen bedankst und mindestens drei Löffeln isst.«
»O-okay«, gebe ich von mir und schnappe erleichtert nach Luft, als er von mir ablässt und mich nur an der Hand nimmt, um mich auf das Sofa zu ziehen.
David stellt vor uns beiden Essen nieder und streckt sich dann. »Gray, können Rush und ich gehen? Kommst du alleine mit ihm klar?«
»Habt viel Spaß!« Gray nickt und nimmt sich eine der Schüsseln. Er steckt die Gabel hinein und hebt sie hoch, um vorsichtig zu blasen und sie mir dann entgegen zu strecken.
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Rock me
Fiksi UmumGray Adler hatte sich seit dem Auszug seines Vaters geschworen, nie wieder Gitarre zu spielen, doch für immer kann er sein Versprechen nicht halten. Durch die Überredenskünste seines besten Freund zwingt er sich ein letztes Mal zu spielen und das be...
