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Ich habe zu viel erlebt.

Zu viel Leid.

Zu viele Demütigungen. 

Und doch kämpfe ich weiter. Denn endlich habe ich wieder etwas, wofür ich kämpfen kann. 

Ein Leben, das ich leben will.

Ein Leben mit meinem wundervollen Mann, Steve, und unserer gemeinsamen Tochter Milana. Und Denver wird sicher auch irgendwo sein. Ich muss sie nur wieder finden.

Daran muss ich festhalten. Denn sonst gibt es für mich keinen Grund mehr, auf dieser Welt zu verweilen. 

Bucky Barnes


Ich schließe mein Tagebuch und versorge es behutsam in der untersten Schublade. Ich weiß, dass Steve dort nicht reinschauen wird. Denn ich will nicht, dass er das Tagebuch liest und weiß, wie ich mich tatsächlich fühle. 
Besonders über Denvers plötzliches Verschwinden. 
Denn eines Tages, im Krankenhaus, kurz bevor wir es verlassen durften, war sie weg. Zwei Wachmänner lagen tot am Boden, doch ansonsten gab es keine Spur. Nicht einmal die Überwachungsvideos haben etwas ergeben. Sie war von einer Sekunde auf die nächste verschwunden. 
Keiner weiß wieso, oder ob sie Hilfe hatte. Meine größte Befürchtung ist, dass sie entführt wurde. Und wenn es Hydra ist, weiß ich nicht, was ich tun soll. Ich mache mich sowieso verrückt darüber, ob sie Hilfe braucht oder nicht. 
Immerhin bin ich ihr Vater und ich habe schon zwölf Jahre ihres Lebens verpasst. Dann haben wir uns kennengelernt und zwei Monate später verschwindet sie wieder für fünf Jahre. 
Jetzt hatten wir wieder nur etwa drei oder vier Monate und sie verschwindet schon wieder. Und ich habe keine Ahnung, wie ich sie finden soll. 
Das schlimmste sind jedoch die Fragen, die sie zurückgelassen hat. War es wegen mir? Wollte sie nicht mehr bei uns sein? Wurde sie dazu gezwungen? War es womöglich wegen der Gehirnwäsche, der Hydra sie unterzogen hat?
Jede Frage kann ich nur mit einem ich weiß es nicht beantworten. Und es bringt mich absolut um. 

Es klopft und ich sehe zur Tür. Mein Herz beginnt hektischer zu schlagen, nur weil ich einen Moment geglaubt habe, Hugo könnte sich hinter der Tür befinden. 
"Buck?" Ich atme etwas auf und sehe zu, wie Steve mein Zimmer betritt. Er sieht direkt zu mir, was in mir ein Unbehagen auslöst. Ich senke nervös meinen Kopf und versuche inständig Blickkontakt zu vermeiden. 
"Hey, es ist alles gut. Ich bin es, Steve. Du weißt, dass ich dir niemals etwas antun könnte", flüstert er und betont seine Worte mit einer ruhigen Tonlage. 
Ich sehe nervös wieder auf und lasse mich von seinem schwachen Lächeln beruhigen. Sogleich lasse ich meinen Kopf aber wieder hängen. 
Steve sollte mich so nicht sehen. Ich habe Jahrelang auf ihn aufgepasst, ihn beschützt. Und ausgerechnet er muss mich jetzt so schwach sehen. Es fühlt sich einfach an, als hätte ich vor ihm versagt. 
"Schon okay, darf ich mich neben dich setzen?" Ich nicke schwach und spüre sogleich, wie die Matratze neben mir einsinkt. 
"Es sind zwei Tage vergangen, seit du das letzte mal etwas gegessen und getrunken hast", bemerkt er traurig. Ich verkrampfe meinen Kiefer und zerdrücke das Laken in meiner Hand. 
"Ich halte es eineinhalb Wochen ohne Essen und Wasser aus", bemerke ich leise. 
"Aber das musst du nicht. Du bist nicht bei Hydra, die dich hungern lassen. Hier kannst du essen, wann du willst", beteuert Steve eilig. 

Ich verkrampfe mich weiter und presse den Kiefer zusammen. Natürlich möchte ich essen und nicht hungern. Und schon gar nicht möchte ich dursten.
Aber jedes Gefühl in meinem Gaumen erinnert mich unvermeidlich daran, was ich in meinem Mund hatte. Was Hugo mit meinem Mund und meinem Körper getan hatte. Selbst meine Zunge würde ich am liebsten herausreißen. 
Essen kommt also überhaupt nicht in Frage. 
"Bitte Buck, ich mache mir Sorgen um dich. Und Milana merkt langsam auch, dass es dir nicht gut geht", fleht Steve leise. Ich schüttle den Kopf und verziehe mein Gesicht zu einer leidenden Grimasse. 
"Bitte Steve...", flüstere ich verzweifelt, "Ich kann nicht. Ich kann das wirklich nicht." Mein Ehemann seufzt und senkt enttäuscht den Kopf. 
Alleine diese Geste, lässt mich meine Muskeln anspannen und schlimmes erwarten. Auch wenn ich weiß, dass Steve mir niemals etwas antun würde. 
"Und künstliche Ernährung? Wäre das einfacher für dich?", schlägt er mir dann gebrochen vor. 
"Und wie soll ich das Milana erklären?", gebe ich leise zurück. Steve seufzt erneut und denkt nach. 
"Wir werden einen Weg finden. Aber ich kann nicht länger zusehen, wie du dich zerstörst", fleht er leise. Ich sehe schüchtern zu ihm hoch und auch nur aus den Augenwinkeln. 
Steve sitzt zusammengekauert neben mir und seine ganze Körperhaltung schreit einfach nur, wie sehr ihn das ganze wirklich mitnimmt. 
"Wenn du willst, könntest du mich auch einfach loswerden. Ich könnte ausziehen, du müsstest mir nur etwas Geld für den Anfang geben. Ich würde es dir irgendwann zurück zahlen und du müsstest mich nie wieder sehen. Du wärst frei von mir", biete ich ihm traurig an. 
Ich überlege schon lange, ob ich abhauen soll, einfach damit Steve mich als Last los ist. Es würde mir zwar das Herz brechen, aber wenn ich wüsste, dass es einfacher für ihn wäre, würde ich es tun. 
Für Steve. 

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Und hiermit herzlich willkommen!
Ich freue mich, das Projekt endlich abgeschlossen haben zu können und hoffe, es ist mir gelungen. 
Genießt die Story und wenn euch etwas stört, immer raus damit. ^^

LG
Jas_Barnes <3

Black Smoke - RevengeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt