„Denkst du, ich kann so gehen?", frage ich, während ich den Reißverschluss meines Kleides hochziehe. Ayaz sitzt schon wartend auf dem Sofa und hat seine Ellenbogen gelangweilt auf seinen Knien abgestützt. Als er mich sieht, steht er sofort auf und kommt langsam auf mich zu. „Du siehst wie immer toll aus." Über meinem Kopf greift er nach meiner Hand und dreht mich einmal, um sich mein Outfit anzuschauen. Er nickt noch einmal zufrieden und schaut dann auf seine Armbanduhr. Seit wann er eine trägt, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass sie ihn verdammt gut aussehen lässt. Hand in Hand gehen wir aus meiner Wohnung und ich habe ein wenig Probleme die Tür abzuschließen, weil ich Shiras Leine in meiner 'freien' Hand halte. Bevor ich mich entscheide, ob ich wirklich als Psychologin -wenn man das überhaupt so nennen kann- anfange, haben Ayaz und ich uns vorgenommen, dass ich Emilios Tod komplett verarbeite. Das bedeutet ich muss darüber sprechen und zwar extrem viel. Heute haben wir uns mit Ilenia verabredet. Eigentlich sollte Avid auch mitkommen, aber er hatte schon etwas besseres vor und ich weiß auch nicht, ob ich mich so wohl gefühlt hätte, vor ihm über meine Vergangenheit zu sprechen. „Ich weiß nicht, ob ich das heute schaffe." Mittlerweile stehen wir im Aufzug und Ayaz legt seine rechte Hand an meine Wange und fährt mit seinem Daumen sanft darüber. „Du schaffst alles."
„Am liebsten würde ich mich gerade einfach nur auf den Beifahrersitz setzen und die Augen zu machen." Er küsst meinen Hinterkopf. „Irgendwann wirst du das wieder können. Wir arbeiten dran.", verspricht er mir und setzt sich auf den Beifahrersitz. Ich bin ihm wirklich dankbar, dass er immer für mich da ist. Ich fahre los und es dauert nicht lange, bis ich Ayaz' Wagen vor Ilenias Haus abstelle. „Ich will noch nicht aufstehen. Diese Sitze sind viel zu bequem." Aus dem Augenwinkel sehe ich Ayaz' Schmunzeln. Er lehnt sich zu mir und küsst sanft meine Lippen. Auch wenn wir uns schon hunderte Male geküsst haben, sind solche Küsse jedes Mal etwas ganz besonderes. Es ist, wie nach Hause kommen, nach einem anstrengenden Tag. Er drückt ermutigend meine Hand und steigt dann aus. Geschätzte fünf Sekunden bleibe ich sitzen, bis ich es auch endlich schaffe das Auto zu verlassen.
„Schön, dass ihr da seid.", begrüßt Ilenia uns und umarmt erst mich und dann Ayaz. Es ist schön für mich, zu sehen, dass die beiden sich gut verstehen. Ich habe mir immer gewünscht, dass meine beste Freundin gut mit meinem Mann klar kommt. Zwar war Ilenia nie der allergrößte Fan von Emilio, aber die haben kamen immer miteinander aus. Jetzt geht sie in die Hocke und streichelt Shira zur Begrüßung über den Rücken. „Kommt rein." Wir betreten ihre Wohnung, die wie immer total aufgeräumt ist. Manche Sachen ändern sich einfach nicht. Zum Beispiel, das Ilenia grundsätzlich nur Sportkleidung trägt, oder das ihre Wohnung immer glänzt. Ersteres kann man ihr aber auch nicht verübeln. Ihre Figur ist einfach der absolute Hammer. Von den perfekten Brüsten, über die dünne Tailie, den dünnen Bauch, bis hin zu ihrem grandios geformten Po. Eigentlich bin ich keine neidische Person, aber meinen Freund zu einer fehlerfrei aussehenden Person zu bringen, ist vielleicht nicht das beste für meine Nerven. Das Gute ist, dass ich Ilenia in und auswendig kenne und weiß, dass sie mir niemals einen Typen wegschnappen würde. Vorallem nicht Ayaz, mit dem ich nach langer Zeit wieder richtig glücklich sein kann. Aber auch Ayaz vertraue ich da.
Auf ihrem weißen Holzesstisch stehen kleine Schüsseln, die gefüllt mit Keksen, Gummibärchen und Schokolade sind. Wir setzen uns an den Tisch und mir fällt auf, das die Stimmung ein wenig bedrückend ist. Natürlich weiß Ilenia wieso wir gekommen sind, weshalb auch sie angespannt ist. Ayaz und ich sitzen nebeneinander und meine Freundin gegenüber von ihm. Wenn sie sich so auf dem Tisch abstützt, sieht ihr Dekolleté toll aus. Ich habe Ilenia schon mal nackt gesehen und weiß, dass ihr Körper makellos ist. Hoffentlich nimmt Ayaz das nicht so wahr.
„Wo haben du und Emilio sich kennengelernt?" „Er hat mich angesprochen." „Weiter.", fordert Ilenia und plötzlich wird es mir unangenehm, so darüber zu sprechen, wenn mein Freund dabei ist. Ich liebe es, 'mein Freund' zu sagen. Das klingt toll. „Ich weiß nicht mehr genau, wo es war." Mir fällt es wirklich schwerer als gedacht, darüber zu sprechen. „Öffne dich, Hannah." Das sagt sich so einfach... „Ich fand ihn optisch ansprechend, auch wenn er mich nicht umgehauen hat." Ayaz Kopf ist abgestützt auf seinen Händen, die er zu einer Faust gemacht hat und auf die Ellenbogen auf dem Tisch abgestützt hat. „Mir gefiehl es, dass er immer schick gekleidet war. Meistens trug er Anzüge oder Hemden." Beide hören gespannt zu ind erwarten, das ich weiter spreche, was mich nervös macht. „Es ging alles ganz schnell. Wir haben unsere Nummern ausgetauscht, uns getroffen und kamen zusammen. Total unspektakulär." „Erzähl es detaillierter. Was hast du gefühlt? Wie lief eure Beziehung?" Ich zucke kurz mit den Schultern und überlege dabei. „Ich habe mich gut gefühlt, weil meine Familie ihn toll fand. Meine Mutter war so begeistert von ihm." Wenn du ihn jemals gehen lässt, rede ich nicht mehr mit dir. Jemand besseren wirst du nie finden. Die Worte meiner Mutter haben mich damals ziemlich getroffen. Sie wollte unbedingt, dass ich für immer mit Emilio zusammen bleibe. „Aber eigentlich war meine Mutter mehr von dem Gedanken begeistert, dass ich einen Mann habe, der ein gutes Ansehen hat. Emilio war immer bei jedem
beliebt." Ich muss schlucken, aber es fällt mir schwer. Es ist, als wäre mein Mund total ausgetrocknet. „Gab es denn nur gute Seiten an eurer Beziehung?" Sofort schüttele ich den Kopf. Sie weiß genau, dass unsere Beziehung schlechte Seiten hatte. Sie war schließlich die jenige, die mich immer wieder wachschütteln musste. „Emilio konnte wirklich liebevoll sein, aber es gab eben auch andere Momente." „Erzähl davon.", ergreift Ayaz jetzt das Wort. Ich schaue ihn an und er nickt mir mutmachend zu. Seine grünen Augen geben mir Kraft. „Nach dem Sex zum Beispiel. Er ist immer gegangen und hat mich liegen lassen. Jedes Mal habe ich mich geschämt. Ich habe mich so schmutzig gefühlt. So ungewollt und als wäre ich nur ein Objekt." Ich muss stoppen, weil meine Stimme zu zittern beginnt. „Tut mir leid, ich habe noch nie wirklich darüber gesprochen." Ayaz legt seine Hand auf mein Bein und fährt beruhigend darüber. „Alles ist gut. Lass dir Zeit." „Er wollte in der Öffentlichkeit auch nie zugeben, dass ich seine Freundin war. Händchen halten bei seiner Arbeit? Nein. Wenn jemand gefragt hat, ob ich seine Freundin bin, hat er immer nur gelacht und mir auf den Rücken geklopft. Jedes Mal. Ihr wisst garnicht, wie ungewollt ich mich gefühlt habe." Jetzt kann ich meine Tränen nicht mehr zurück halten. Wie ein Wasserfall, läuft mir das Wasser über die Wangen. Ayaz dreht meinen Kopf zu sich und küsst mich leicht auf die Wange. „Alles ist gut. Es ist vorbei.", sagt er ganz nah an meinem Ohr, legt die Arme um meinen Nacken und wiegt uns leicht hin und her, bis ich mich nach ein paar Sekunden wieder gefasst habe. „Den Heiratsantrag hat er mir bei einem Essen mit meiner Mutter gemacht. Damals habe ich mir immer einen Antrag vor tausenden Läuten gewünscht, aber das ging natürlich nicht, weil er sich für mich geschämt hat." Das ist das aller erste Mal, das ich das sage. Auch gedacht habe ich das noch nie bewusst, auch wenn es mir tief im Inneren schon immer klar war. Emilio hat sich für mich geschämt. „Ich dachte er wäre mein Seelenverwandter, obwohl er mich so schlecht behandelt hat. Von Anderen (und vielleicht auch von mir selbst) wurde einfach erwartet, das er der Mann ist, mit dem ich alt werde und genau deshalb habe ich es nie angezweifelt." Mit der Handfläche wische ich mir wieder über meine Augen, um die Tränen loszuwerden. „Nach seinem Tod habe ich mich so gefühlt, als könnte ich nicht mehr leben. Und so war es auch. Ich habe zwar nie darüber nachgedacht, mir das Leben zu nehmen, aber mein Leben war kein Leben mehr. Es war nur noch ein Funktionieren." Ich mache eine kurze Pause. „Bis ich dich kennengelernt habe." Mein Blick geht zu Ayaz, dem ich mich dann auch nähere und meine Lippen auf seine lege. Erst jetzt höre ich das leise Schluchzen von Ilenia. „Ich hatte keine Ahnung was du durchgemacht hast. Nach Außen hast du immer den Eindruck gemacht, dass du alles gut meisterst, aber dieser Mann hat dich kaputt gemacht." Ich nicke und umschließe ihre Hand, die auf dem Tisch liegt. „Wieso hast du während dieter Beziehung nie mit mir über diese Probleme gesprochen?" Kurz muss ich tief Luft holen. Mir das selbst einzugestehen ist nicht einfach. „Wie gesagt, habe ich es während wir zusammen waren garnicht so schlimm wahrgenommen. Ich war geblendet, wovon auch immer."
„Und wie hast du es geschafft mit seinem Tod umzugehen?" „Zwei Jahre lang habe ich es nicht geschafft. Es war ein großer Schritt, überhaupt wieder rauszugehen. Aber irgendwann habe ich meinen Traummann gefunden, der mir aus diesem tiefen Loch rausgeholfen hat." Lächelnd schaue ich zu Ayaz. Am liebsten würde ich mich auf ihn stürzen und mit so viel Liebe überschütten, bis er erstickt. Aber stattdessen halte ich seinen Oberarm fest und lehne mich leicht an ihn. „Man muss einen 'Ersatz' finden. Niemand möchte für immer traurig sein, also such dir etwas, das dich glücklich macht und tue es. Es ist egal was es ist. Ob es eine Person, ein Gegenstand, oder eine Aktivität ist, solange es dich glücklich macht solltest du es tun." Mit funkelnden Augen schaut Ayaz mich begeistert an. „Ich habe keine Sorgen mehr. Dieser Job ist perfekt für dich." Stolz lächele ich und sehe, dass Ilenia nickt. „Weißt du was, Hannah? Wir sollten anstoßen." Sofort springt sie in die Küche und kommt etwa eine halbe Minute später mit einer Flasche Wein und drei Gläsern zurück. Sie lässt lachend den Korlen knallen und schenkt uns allen ein bisschen ein. Ilenia erhebt ihr Glas, was wir ihr nachmachen. „Auf euch. Darauf, dass Hannah dank Ayaz endlich wieder glücklich ist und wir auf diesen Scheißkerl Emilio scheißen." Ihre Worte sind gegenüber einem Toten zwar ziemlich hart, aber er hat sie wirklich verdient. „Auf uns.", sagen wir im Chor und trinken dann einen Schluck.
Nach ein paar Stunden habe ich und meine beste Freundin die Weinflasche geleert und erzählen uns lustige und weniger lustige Geschichten aus der Vergangenheit. Ayaz hat nur das eine Glas getrunken und hört uns jetzt, mit Shira auf dem Schoß aufmerksam zu. das
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BACK TO LOVE
RomansaEin Schicksalsschlag, der ihr ganzes Leben von Heute auf Morgen verändern sollte. Ihr Leben scheint keinen Sinn mehr zu machen, bis sie auf ihn trifft. Jung, gutaussehend und wohlhabend - All das ist er, doch wird er ihr helfen, den Weg zurück ins...
