KAPITEL FÜNFZEHN

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Ich trete, mit meinem Iced Latte aus dem großen Bürogebäude und bin froh, endlich nach Hause fahren zu dürfen. Die Arbeit, auch wenn sie so eintönig und langweilig ist, stresst mich im Moment ziemlich. Ich brauche endlich mal wieder Urlaub und zum Glück bekomme ich den auch. Nächste Woche fliege ich von Montag bis Samstag mit Ilenia nach Ibiza. Diesen Mädelsurlaub planen wir jetzt schon seit fast einem halben Jahr und ich freue mich sehr, ihn endlich wahr werden zu lassen. Ich steige in mein Auto, trinke einen großen Schluck meines Kaffees und fahre dann nach Hause. Heute ist Mittwoch und Ayaz habe ich zuletzt am Montag gesehen. Es sind zwar nur zwei Tage, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich ihn nicht ein kleines bisschen vermisse.

Gerade liege ich auf der Couch, kuschele mit Shira und trinke Multivitaminsaft, als mich Ilenia anruft. Bestimmt fragt sie irgendwas über den Urlaub. „Hallo.", meldet sie sich. Sie klingt irgendwie traurig. „Hey. Was gibts?" Sie seufzt. „Ich liege im Krankenhaus." Was?! „Ich habe mir meinen Arm gebrochen." „Oh nein. Was ist passiert? Wie geht es dir?" „Ich habe mich von einer Arbeitskollegin mit dem Motorrad nach Hause fahren lassen. Ich kann von Glück sprechen, dass nur mein Arm gebrochen ist." Ich ziehe erschrocken die Luft ein. Wenn ich sie verloren hätte, würde ich es mir niemals verzeihen. „Oh mein Gott. Wie geht es dir?" „Mein Arm tat ziemlich weh. Gott sein dank gibt es Schmerzmittel.", sagt sie lachend aber ich kann nicht lachen. Ich stehe gerade im totalen Schock und kann nicht fassen, dass Ilenia einen Motorradunfall hatte. „Wie geht es deiner Kollegin?", frage ich besorgt. „Es geht. Sie hat eine Gehirnerschütterung, aber sie wird wieder gesund." „Das ist gut." „Du weißt aber, dass das heißt, dass ich nicht mit nach Ibiza kommen kann." Oh nein, stimmt. „Weißt du was? Scheiß auf den Urlaub. Das wichtigste ist, dass es dir gut geht." „Nein, Hannah. Du hast dir diesen Urlaub verdient. Hat Tara keine Zeit?" „Keine Ahnung. Ich frage sie nachher. Gute Besserung Ilenia!", verabschiede ich mich und lege dann auf. Wieso müssen solche Unfälle immer den besten Personen passieren? Ich weiß, dass es falsch wäre das jetzt mit Emilios Unfall in Verbindung zu bringen, aber es ist schwer es nicht zu tun. War die Kollegin schuld am Unfall oder war es jemand anders? Wo und wann ist der Unfall passiert? Ich könnte Tara zwar fragen ob sie mit mir in den Urlaub fliegen möchte, aber ich weiß, dass sie selbst arbeiten muss und mit ihr wird es nicht das selbe sein wie mit Ilenia. Wieso kann mir nicht ein einziges Mal ein beschissener Urlaub gegönnt werden? In 3 Tagen ist der Flug was bedeutet, dass es definitiv zu spät ist um den Flug zu stornieren.

Das einzige, das sich in den letzten zwei Stunden geändert hat ist der Ort, an dem ich trübsal blase. Ich liege mittlerweile im Bett und nicht mehr auf der Couch, die Decke bis unter die Augen gezogen und an die Wand starrend. Ich bin mir total unschlüssig, ob ich nach Ibiza fliegen soll, oder nicht. Und dass Shira gerade um mein Bett läuft und darauf wartet, dass ich endlich aufstehe und mit ihr eine Runde laufe, mache das ganze nicht besser. Vielleicht möchte Ayaz mitkommen und mir beim Spaziergang noch einen Rat geben. »Hey. Hast du Zeit? Shira muss an die frische Luft.«, schreibe ich Ayaz und warte nur wenige Sekunden, bis ein einfaches »Ja. Bin in fünfzehn Minuten bei dir.«, als Antwort auf meinem Bildschirm erscheint. „Hälst du es noch so lange aus?", frage ich Shira die nur weiter durch die Wohnung läuft. Ich hole eine schwarze Jogginghose aus dem Schrank und ziehe sie mir schnell an. Mein Oberteil muss ich nicht wechseln. Ich habe gerade wirklich genug um die Ohren und habe keine Nerven dafür, mir ein schönes Kleid rauszusuchen.

Wie immer ist Ayaz pünktlich, denn sein Klingeln kommt genau fünfzehn Minuten nach Eintreffen seiner Nachricht. „Hey.", begrüßt er mich und zieht mich fest in seine Arme. Zwar haben wir uns nur drei Tage nicht gesehen, aber auf seinem Gesicht ist ein leichter Bart zu sehen. So gefällt er mir fast noch besser. „Ist alles okay? Du siehst traurig aus." Ich schüttele nur den Kopf und verlasse mit Shira die Tür. Wir gehen die wenigen Minuten, bis wir wie immer in unserem alt bekannten Park sind und -anders als sonst- nicht um den See, sondern eine andere kleine Runde laufen. „Ilenia hatte einen Motorradunfall.", haue ich es trocken raus und wende meinen Blick weiterhin nicht von Shira ab. „Was? Geht es ihr gut?" Ich nicke sofort. „Ihr Arm ist gebrochen. Sie kann nicht mit mir nach Ibiza." Er schaut mich mitleidig an, was ich immer noch nur aus dem Augenwinkel sehe, weil ich es irgendwie nicht schaffe ihn anzuschauen. „Gehst du jetzt alleine?" Ich zucke mit den Schultern. „Ich brauche diesen Urlaub wirklich unbedingt und ich könnte meine Schwester fragen, aber... Keine Ahnung. Ich glaube mit ihr wird es nicht das selbe." „Ich kann nicht zulassen, dass du alleine in ein fremdes Land fliegst." „Das will ich auch nicht, aber so traurig es auch klingt, habe ich niemanden außer die zwei.", gebe ich zu und er schaut mich an. „Was ist mit mir?" Er schmunzelt zwar und es sieht aus, als würde er es nicht erst meinen, aber die Idee ist mir noch nicht gekommen und ich finde die Idee großartig. „Ja. Wieso nicht?" Seine Augen schauen verwundert in Meine. „Wirklich?" Ich nicke eifrig. „Wenn du dir in der Arbeit frei nehmen kannst, dann sehr gerne." Er lacht kurz auf und zieht mich an sich. „Ich bin der Chef. Ich gebe den Anderen Urlaub und nehme ihn mir, wann immer ich will.", haucht er in mein Ohr. Wie ist diese sexuelle Spannung schon wieder so schnell entstanden? Ich drehe meinen Kopf weg, weil es mir in der Öffentlichkeit gerade ein bisschen unangenehm ist, auch wenn wir -beispielsweise im See- schon ganz andere Dinge draußen gemacht haben. „Wann geht dein Flieger? Am Montag?" „Ja, um 9:30. Du kannst Ilenias Ticket haben und die Ferienwohnung ist auch schon gebucht, du musst dich also um nichts kümmern." Er nickt lächelnd. „Wir gehen also wirklich zusammen in den Urlaub?", frage ich ihn rhetorisch, weil ich es selbst nicht glauben kann. So etwas spontanes habe ich schon lange nicht mehr gemacht und ich habe es vermisst. Der letzte Urlaub den ich so richtig gemacht habe, war mit Emilio. Es war kurze Zeit vor seinem Tod und war wirklich schön. Wir waren in Ägypten, aber wenn ich ehrlich bin erinnere ich mich an kaum ein Erlebnis aus diesem Urlaub, außer an das furchtbare Essen im Hotel.

Wenn wir Glück haben, wird der Ibiza Urlaub mit Ayaz sehr viel unvergesslicher, als der mit Emilio.

Alles passiert aus einem Grund. Und so schlimm Ilenias Unfall auch ist, es sollte so sein, dass Ayaz und Ich am Samstag zusammen in den Flieger steigen.

„Ilenia?" „Ja?", meldet sie sich müde. „Alles in Ordnung? Du hörst dich müde an." „Ja, ich habe gerade geschlafen, aber es ist gut, dass du mich geweckt hast. In ein paar Minuten habe ich eine Untersuchung." „Okay, dann mache ich es kurz. Es klingt jetzt vielleicht verrückt, aber ich fände es toll, wenn ich mit Ayaz gehen würde." „Nein, nein. Das klingt garnicht verrückt. Es ist gut, dass du den Urlaub nicht wegen mir absagen musst." Da stimme ich ihr voll und ganz zu. „Er könnte doch deine Tickets haben, oder? Das Geld bekommst du natürlich." „Ja, klar. Aber ich muss jetzt auflegen, der Arzt kommt gleich." „Okay, viel Glück. Schreib mir was der Arzt gesagt hat." „Mache ich.", verspricht sie und legt dann auf.

Jetzt liege ich genau wie vorhin wieder in meinem Bett und wälze mich diesmal quiekend von einer Seite zur Anderen. Ich bin so aufgeregt! Was ich wohl für Klamotten mitnehme? Ich werde fabelhaft aussehen und ich hoffe, dass Ayaz seinen leichten Bart nicht abrasiert. Es stand ihm toll.

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