Völlig verblüfft betrachtete die alte Frau, ihr Gegenüber und wußte nicht was sie darauf antworten sollte.
Wie konnte sie nur so etwas sagen?
Wie konnte sie nur so etwas überhaupt denken,.....von ihr?
Sie war doch nichts von alledem!
Sehr wahrscheinlich sah diese wunderbare,....diese so hübsche junge Frau in all ihrer Unschuld, tatsächlich nur das Gute in einem Menschen, oder zumindest das,....was sie dafür hielt, denn nur weil sie der Fremden, in ihrer Not geholfen hatte, ihr Essen und Obdach verschaffte,....machte sie dies noch lange nicht zu einem guten Menschen.
Keineswegs.
Und dennoch,....saß sie hier bei ihr, hielt ihre Hände sanft in den ihren und begegnete ihrem Fassungslosen Blick mit so viel Ernsthaftigkeit, das es sie in ihren Grundfesten erschütterte.
Sie glaubte doch wirklich, das sie ein schöner Mensch sei, einer der es verdient hatte, das zu empfinden was sich ganz langsam, irgendwie in ihr Herz und in ihre Gedanken hinein zu schleichen begann.
Das arme Ding,....dieses liebe unschuldige Kind,....wie konnte sie ihr nur richtig deutlich machen, wie sehr sie sich doch irrte?
Wie falsch sie mit ihrer Annahme lag,....und wie sehr die alte Frau ihr Schicksal ganz genauso verdient hatte....wie es nun Mal war.
Leise seufzend, senkte sie ihren Blick, sah auf ihre Hände,....rau und faltig, die Nägel stumpf und rissig, ihre Gelenke steif, geschwollen und schmerzend,....in den ihren liegen......rosige, weiche Haut, feingliedrige Finger, die sanft über ihren fleckigen Handrücken strichen.
Warum?
Warum tat sie das?
Sie hatte es nicht verdient,....sie hatte sie nicht verdient!
"Ach Engelchen...!" begann sie leise..
".....möglicherweise....hast du wirklich diese Gabe, mit deinem Herzen sehen zu können,....aber glaube mir, ich bin keineswegs ein schöner Mensch und schon gar kein Guter,...wie du zu glauben scheinst!"
die blonde Frau starrte die ältere, deren Hände sie unterdessen weiterhin sanft streichelte, Wortlos aber freundlich an und wartete.
Erneut seufzte sie, aber lauter dieses Mal und lehnte sich gegen die Außenwand der Hütte, starrte mit leerem Blick in den nahen Wald und begann zu erzählen.
"Weißt du was ich in der Scheune tun wollte, als....als,....du...du durchs Dach gefallen warst?"
sie pausierte kurz, um durchzuatmen und fuhr dann fort..
"Ich....ich wollte dem Ganzen Elend,...welches sich mein Leben nennt, ein Ende setzen. Wollte aufhören zu existieren,....weil mehr als das......tue ich ja sowieso nicht. Und außerdem.....ist es zu spät....viel zu spät......für.....!" ihre Stimme, die immer leiser geworden war, während sie sprach, war nun völlig abgebrochen. Ihre Unterlippe zitterte und Tränen rannen über ihre Wangen.
Die junge Frau neben ihr löste ihre Hände, von denen der älteren und zog diese,.... stattdessen in ihre Arme, wo sie überrascht aufschluchzte und sich gegen die Brust ihrer Mitbewohnerin drängte.
-Dies tut so gut...!-
dachte sie und atmete den Duft der jungen Frau tief ein, während sie krampfhaft sich daran zurück zu erinnern versuchte, wann sie sich zum letzten mal ganz genauso gefühlt hatte.
Diese aufkeimenden Gefühle,...diese Nähe und Wärme eines anderen Menschen,...einer anderen Frau...
Nach einer kleinen Weile, als ihre Tränen endlich versiegt waren, richtete sie sich langsam wieder auf, wischte sich mit dem Ärmel ihres Pullovers über ihr Gesicht und schnaufte tief durch.
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Amor Celeste BAND 14 (Karma Teil 1)
RomanceDas sich diese beiden Frauen begegnen, konnte man wohl als divine Intervention bezeichnen. Eine jede aus ihrer jeweiligen Gesellschaft ausgestoßen, führt der Zufall, oder das Schicksal, oder wer weiß schon wer, die beiden zusammen. Sich gegenseitig...
