»Du blutest«
»Ach, echt? Wäre mir gar nicht aufgefallen«, stieß ich trocken aus.
»Tut es weh?«, fragte er mit gerunzelter Stirn.
»Was denkst du?«, schmetterte ich zurück und verflucht, ich konnte nicht an mich halten.
»Ich denke, du versteckst den...
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Ich starrte den verschlossenen hellgrauen Sarg am Altar vorne an. Sah mir die roten Mohnblumen darauf eingehend an. Lea hatte mir gestern erzählt, dass das Lunas Lieblingsblume war und weil ich Luna kennengelernt hatte, wollte ich wissen, warum. Luna hatte sicherlich einen Grund.
Das Internet gab mir schlussendlich einen Tipp. Die Mohnblume stand für Fruchtbarkeit und das Vergehen. Leben und Tod. Man sprach dem Klatschmohn ebenfalls große seelische Kraft zu und ich fragte mich, was Luna wohl sagen würde, wenn sie das alles mitbekommen hätte.
Ob es sie gefreut hätte, dass Kane das auf den letzten Drücker wollte, dass dort vorne Mohnblumen an jeden Ecken standen, statt Rosen. Sie wäre sicherlich stolz auf Kane.
Aber was würde Luna zum Rest sagen? Zu all den Menschen, die da waren und ich keinen davon kannte. Keiner von ihnen war in der Zeit, in der sie im Sterben lag, bei ihr gewesen. Keiner von den Leuten hier hatte ihre Hand so gehalten, wie es Kane tat. Keiner hatte ihr Witze erzählt, über die Luna nicht einmal lachen konnte, weil sie keine Kraft dafür hatte. Keiner von ihnen - da war ich mir sicher - hatte so viel Zeit mit ihr verbracht, wie es Kane tat.
Ich sah auf, als ich an ihn dachte und es war, als hätte ich einen sechsten Sinn. Den Sinn, der mich gerade genau wissen ließ, wo er sich befand.
Kane stand hinter Simon Sinclair, halb versteckt in der vordersten Reihe der Sitzbänke. Aber auch die Hälfte seiner Gestalt genügte, um zu erkennen, dass Kane am Ende war.
Er sah so aus, wie ich mir den Tod vorstellte, wenn er Besitz über einen lebenden Körper hatte. Und als ich Kane genauer ansah, zog sich mein Magen abrupt zusammen. Er war mager, sein Gesicht schaute eingefallen aus. Und blass. Sein Körper war von Kopf bis Fuß bis zum Zerreißen angespannt, das sah ich trotz des schwarzen Anzugs, der ihm ein kleines bisschen zu groß war, während Kanes Blick ausdruckslos auf den Sarg mit der Leiche seiner Mutter darin, lag.
Mein Herz flatterte, als ich seine Krawatte entdeckte. Alle Anwesenden - einschließlich mir - trugen von Kopf bis Fuß schwarz.
Kane auch, nur seine sauber gebundene Krawatte strahlte in einem hellen Fliederlila. Die Farbe von Lunas Kopftuch, schoss es mir in den Sinn. Es war exakt dieselbe Farbe. Scheiße, er war durch und durch ein guter Sohn. Ihr Sohn.
Um Kane herum standen diese Fremden, die Simon und auch Kane Beileidsbekundungen aussprachen.
Wenn sie Kane direkt ansprachen, sah er durch diese Menschen hindurch. Nur Simon reagierte und schüttelte für Kane ein paar Hände.
Von meiner Position aus, ich war auf der linken Seite der Sitzbänke, relativ weit in der Mitte, hatte ich einen guten Überblick. Die Leute kamen wirklich in Scharen und gingen auf direktem Weg zu Simon und Kane.
Wer zur Hölle war das alles? Wo waren sie vor ihrem Tod?
»Das sind alles Verwandte von Luna. Oder sogenannte Freunde, als sie damals noch in Jacksonville gelebt hat, bevor sie hierhergezogen war für meinen Vater. Sie alle haben Luna dafür verspottet, dass sie sich und ihren kleinen Sohn nach der Trennung mit einer Bar über Wasser halten wollte. Keiner glaubte an ihren großen Traum und nach ihrem Entschluss, trotz Trennung und Kind, weiter in Georgetown zu bleiben, gingen viele Kontakte in die Brüche. Insbesondere weil sie in deren Augen eine alleinerziehende Frau ohne Collegeabschluss und mit nichts als einem kleinen Haus und einer alten Strandbar war. Sie haben Luna alle im Stich gelassen und jetzt stehen sie hier und trauern...verdammte Heuchler« Noah neben mir hatte angefangen, mir das leise zu erzählen, während die Menge an Leuten mehr wurde und sich in der Kirche verteilte.