Chapter-33

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Verschlafen quälte ich mich aus dem Bett, bevor ich auf schweren Schritten durchs Haus schlürfte und etwas kleines weißes auf dem Boden liegen sah, als ich auf der Treppe stand und mein Blick auf die Haustür fiel.
In schnellen Schritte tapste ich auf das kleine weiße rechteckige etwas zu und hielt es aufgeregt in meinen Händen, während ich die Vorderseite las:
"An, Jamie. Von...Justin."
Dahinter war ein kleines Herz gezeichnet, welches mir ein Lächeln entzückte und ich hastig den Brief aufriss

"Meine Liebe Jamie,
Ich hoffe deine Party gestern, hat dir gefallen und war ein guter Start Sprung in ein neues Leben?!
Ich hab deinen Freundinnen dies alles befohlen und ich hoffe du hattest Spaß mit allen Leuten in deiner Umgebung. Wie geht es dir, meine Süße?
Ich kann mir vorstellen, dass es dir trotz der Party nicht sonderlich gut ergeht und deshalb möchte ich , dass du in den Blumenladen an der 2nd Road gehst und dort nach einem Strauß Blumen fragst für dich. ;-)
Danach, wenn du die Blumen hast, setzt du dich bitte irgendwo in den Park, wo dir die Sonne ins Gesicht scheint, oder wo du dich einfach wohlfühlst.
Dann denk an alle unseren Gemeinsamen Zeiten. Ich kann mich zwar vorstellen, dass du das sowieso immer machst, jedoch wird dieses Mal das letzte sein.
Denk an ALLES. An alle schönen Erinnerungen und alle schlechten, solang wie du willst, aber danach ist Schluss mit ständigen Trauern, um vergangene Momente. Sieh nach vorne und freu dich auf die Zukunft.
Denn trauere nicht, weil es vorbei ist, sondern freue dich, weil es schön war! :)
In Liebe,

Justin.<3"

Ein breites Lächeln huschte über meine zittrigen Lippen, während ich den Brief las und ich mich direkt darauf anzog und fertig machte, bevor ich zu dem Blumenladen ging.
Es war ein etwas älterer Laden. Noch nie war er mir wirklich aufgefallen, trotz der beigefarbenen Verzierungen um die Tür und das Schaufenster herum.
Vorsichtig trat ich ein und zwei Klingel-Geräusche ertönten. Niemand stand hinter der Theke, bis eine etwas dickere Frau hinter einem Vorhang hervor kam, mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen und einer blonden hochgesteckten Frisur.
"Was darfs sein, Kleines?", fragte sie. Sie war anscheinend schon älter, sodass sich kleine Falten unter ihren Augen und gebildet hatten, die sich leicht zusammen zogen bei ihrem Gute-Laune-Lächeln, welches mich glatt ansteckte.
"Ich heiße Jamie Johnson, ist für mich vielleicht was abgegeben worden, vor längerer Zeit?"
Einen Moment lang biss sie sich auf die Lippe und dachte scharf nach, bis sie begeistert rief:
"Ach, der Justin. Der Justin!"
Schnell wackelte sie hinter den Vorhang, bis sie nach ein paar Minuten zurück kam mit einem kleinen Strauß voller roten Lilien. Gerührt fügte sie hinzu:
"Er kam eine Zeit lang sehr oft hier her und holte Blumen."
Ich dachte nach und konnte mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, wo er mir so gut wie jeden Abend einen Strauß Blumen brachte.

~*Flashback*~
Die Tür wurde aufgestoßen und ein frischer Frühlingsduft wehte in meine Nase.
"Ich bin wieder da, mein Schatz.", hörte ich ihn rufen.
Ich stand in der Küche und kochte gerade Spaghetti mit Tomatensoße, sein Lieblingsessen.
Seine starken Arme umfassten meine Taille von hinten und zogen mich leicht von dem Brettchen, auf dem ich schnitt, weg. Sie drehten mich innerhalb von sich, sodass ich mit meinem Gesicht zu Justin stand und er seine Lippen problemlos auf meine legen konnte. Wir beide grinsten in den Kuss hinein, nachdem ich meine Arme in seinen Nacken gelegt hatte und er mich auf die Küchentheke gesetzt hatte. Doch schlagartig löste er sich von mir und lehnte seine Stirn an meine:
"Ich hab dir was mitgebracht, meine Schöne."
"Schon wieder Blumen?", fragte ich neugierig.
Er holte einen Strauß roter Lilien hinter seinem Rücken hervor.
"Die sind ja wunderschön, zufällig sind Lilien meine Lieblingsblumen, besonders die roten liebe ich.", entgegnete ich begeistert.
"Gut, sollte ich mir lieber merken.", lachte er sein wundervolles Lachen.
Ich drückte ihn fest an mich und presste wieder meine Lippen auf seine, mit den leise geflüsterten Worten:
"Danke, Ich liebe dich."
"Ich liebe dich auch."
~***~

Das hastige Herumgewedel von der Hand der Frau, ließ mich aus meinen Gedanken hochschrecken:
"Oh, Entschuldigung, ich war in Gedanken versunken."
Sie winkte verständnisvoll ab.
"Ach, ist doch okay, liebes. Wie gehts denn Justin eigentlich?"
Meine Zähne verbissen sich nervös an meiner Unterlippe.
"Da, wo er nun ist, geht es ihm hoffentlich gut.
Ihr altes Gesicht mit den Falten zierte auf einmal einen besorgten und teils geschockten Ausdruck.
"Oh, das wusste ich nicht, das tut mir Leid."
Diesmal war ich es, die verständnisvoll abwinkte.
"Ist schon okay, Auf wiedersehen."
"Auf Wiedersehen.", verabschiedete sie sich von mir, bevor ich durch die alte knarrige Holztür verschwand, die wieder diese zwei Klingel-Geräusch verursachte.

Mit einem Lächeln im Gesicht und dem Blumenstrauß in der Hand stolzierte ich überglücklich durch den vereisten Park, der fast ausgestorben wirkte.
Das Einzige, was sich hier noch bewegte waren die Wassertropfen, die geschmolzen waren und von den Eiszapfen tropften. Erleichtert ließ ich mich auf eine Bank fallen und schloss meine Augen, während ich in Gedanken versunken war.

Schon Stundenlang saß ich hier und war jeden Tag in unserer gemeinsamen Zeit durchgegangen und hatte die schönen und unschönen Moment gegenübergestellte, wobei ich erkannt hatte, dass er weit mehr schöne Moment waren. Ein Grund, dass ich mich darüber freuen sollte, dass es schön war, anstatt darum zu trauern, dass es vorbei ist.
Ich seufzte und war mittlerweile mit meinen Gedanken an dem Tag angelangt, an dem Justin gestorben war. Stumme, unbedeutende Tränen glitten leicht meine Wange hinab, kaum spürbar, doch der Schmerz, durch den sie gekommen waren, spürte ich mehr als alles andere. Noch beendete ich meinen Gedankenfluss und öffnete meine Augen wieder, wobei ich kaum etwas erkannte, durch das Netz vor meinen Augen. In langsamen und sachten Bewegungen holte ich mein Handy aus meiner Manteltasche und wählte Ryan's Nummer, als er schon nach kurzem Klingeln abhob:
"Hallo?", fragte er etwas brummig.
"Hey..Ryan, Ich bins...Jamie.", gab ich leicht verunsichert von mir.
"Oh, Jamie. Ist alles okay?", fragte er besorgt.
"Ja, also Nein...ich meine...hm...Nein.", entgegnete ich mit einem leichten Anfall von Verzweiflung.
"Alles klar. Wo bist du? Ich bin sofort da.", erwiderte er stürmisch.
"ähm, im Park."
"Okay, bis gleich."
Ich wollte mich gerade verabschieden, doch da hatte er schon aufgelegt.
Noch länger verweilte ich dort allein, bis Ryan ebenfalls in einer dicken Jacke kam und sich neben mich setzte.
"Also, was gibts?"
"Ich..."
"Du?"
"Ich brauchte einfach jemanden, um mich herum, um nicht komplett durch zu drehen...so allein."
"Ouh, ich verstehe."
Er nickte verständnisvoll.

Die Zeit, die wir so da saßen zog sich immer mehr in die Länge...

Wir waren einfach stumm und sagen nichts, doch es tat mir unheimlich gut, dass er einfach da war und ich nicht allein..

Schließlich stand ich auf mit den Worten:
"Danke, Ryan."
Der dunkelblonde Junge erhob sich ebenfalls:
"Ich danke dir. Also, wenn du mich mal wieder jemanden brauchst, der schweigend neben dir sitzt, ruf mich an."
Ich lachte leicht und machte mich mit den Händen in den Taschen , da der Wind mir eiskalt ins Gesicht peitschte und auch meine Hände mit seiner Eisigkeit einhüllte, auf den Weg nach Hause.

Never say NeverWo Geschichten leben. Entdecke jetzt