Chapter-32

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"An Jamie, von..Justin."
Dann öffnete ich ihn und las aufmerksam, die in seiner ordentlich Handschrift geschriebene Worte:

"Hey, Jamie,
Ich wusste, dass ich sterbe, ja.
Ich wollte es dir ständig sagen, nur hatte ich nicht genug Mut dazu und außerdem hatte ich mich schließlich entschlossen, es dir doch nicht zu sagen, weil du dir sonst unendliche Sorgen gemacht hättest und jeden Gedanken daran vergossen, ohne die Zeit mit mir zu genießen.
Gute Idee, oder? ;-)
Aber ich hatte darauf noch viel bessere Ideen bekommen, nämlich habe ich die letzten Woche Briefe vorbereitet, die du auf unterschiedlichste Weise bekommen wirst. Sie werden dir helfen mit mir zu lernen ohne mich zu leben.
Zuerst...fangen wir damit an, dass du vermutlich die ganze Zeit in unserem Haus liegen wirst und nichts tun, außer Fernsehen und trauern, deswegen möchte ich, dass du heute, wenn du diesen Brief liest, ausgehst und mit deinen Freunden was unternimmst. Sie haben auch Briefe bekommen und werden das tun, was ich ihnen geschrieben hab.
Viel Spaß beim Lernen wieder richtig zu leben.
In Liebe,

Justin.<3"

Ich staunte, weil er mich so gut kannte. Verblüfft ließ ich den Brief sinken, während drei gespannte Gesichter mich anstarrten:
"Und? Was steht drin?", fragte Tiffany aufgeregt.
Ich schüttelte nur abwesend den Kopf:
"Das ist so....typisch für ihn."
Bei allen huschte ein Lächeln übers Gesicht, bis ich aufgeregt rief:
"Na, dann lasst uns mal machen, was Justin von mir verlangt."
Alle grinsten mich an und wir traten vor die Tür in den mittelschweren Schneesturm, der draußen tobte.
Als wir schließlich vor einem Gebäude standen, fragte ich:
"Seid ihr sicher, dass wir hier her wollen? Es sieht so leer aus. Der hat bestimmt zu."
"Nein, wir sind uns sicher, dass offen ist.", ertönte Alexis Stimme.
Ich nickte und sie zogen mich hinter sich rein, als eine Menge von Leuten schlagartig rief:
"Überraschung."
Leicht geschockt hielt ich mir meine Hand vor den Mund:
"Was? Eine Party für mich?"
Meine Freundinnen nickten und ich beäugte die paar Luftschlangen und Luftballons, die in der kleinen Bar aufgehangen wurden.
"Aber wofür?", fragte ich verwundert,
Lola zuckte mit den Schultern und flüsterte mir leise ins Ohr:
"Justin."
"Achso."
Das brachte meine Gedanken wieder zurück zu ihm und ich nickte traurig, was meine Freunde nicht sehr kalt ließ.
Alexis legte ihren Arm um mich und führte ich zu verschieden Menschen, bis ich schließlich Jason sah. Zu lange hatte ich ihn nicht gesehen und fiel ihm daher auch umso begeisterter in die Arme:
"Jason!"
"Ach, Jamie. Ich hab dich ja lange nicht mehr gesehen...und gehört."
Den letzten Teil des Satzes sprach er irgendwie leicht verärgert aus.
"Ja, Jason tut mir Leid. Ich fühlte mich einfach nicht in der Lage zu singen."
Er winkte ab.
"Ach, ist doch schon okay, so lange du jetzt wieder weiter machen willst."
Ich nickte heftig, ihm zu liebe.
Er war sowas wie ein zweiter Vater für mich, der nur öfters da war, als mein echter.
Plötzlich stieß eine Frau zu uns, ungefähr seines Alters, um die er seinen Arm legte.
"Oh, Jamie, das ist meine Freundin, Jenn."
Ich schüttelte ihre Hand.
"Hey, Jen."
"Hey, Jamie, ach Jason hat mir schon viel von dir erzählt", entgegnete sie freundlich.
"Ach, ehrlich. Hat er das?", erfragte ich neugierig.
Während er leicht rot wurde, kicherten wir beide leicht und ich drehte mich um und wendete mich noch anderen Gästen zu.

Nachdem ich so ziemlich mit jedem ein kurzes Gespräch hatte, führte mich mein Weg zur Bar, wo ich mich erschöpft hinsetzte und mir was zu Trinken bestellte. Alle tanzten oder redeten und hatten Spaß, wobei mir Justin einfach nicht aus dem Kopf ging. Er war überall. Entweder sah ich sein Lieblingsgetränk hinter der Bar stehen, oder es geht um eine Jacke, die er auch hatte, die ich an jemandem sah, oder es waren Sprüche, die ich auch schon aus seinem Mund gehört hatte. Ich seufzte, als auf einmal eine mir sehr bekannte Stimme, hinter mir sprach:
"Wieso so traurig?"
Entsetzt drehte ich mich um und sah in die Augen von Ryan.
"Ach, du bist es. Du hast vielleicht Nerven. Als ob ich keinen Grund hätte um traurig zu sein."
Entschuldigend hob er die Hände:
"Sorry."
Ich sah etwas geknickt auf die Kante der Theke, die das Gewicht meiner Arme hielt.
"Wie geht es dir?", platzten die Worte aus meinem Mund.
"Gut", entgegnete er kurz und knapp.
Zum Glück fragte er mich nicht, wie es mir ginge, denn die Antworte müsste er ja wissen.

Nach einer Weile des Schweigens, rückte er ein Stück näher und sagte mit seiner tiefen Stimme:
"Wenn ich könnte, würde ich dir gerne helfen."
"Glaub mir, mir kann niemand helfen."
Er nickte verständnisvoll.
Eine Stille drückte die Stimmung zwischen uns beiden, bis er eine Serviette nahm und einen Kuli aus seiner Tasche und verschieden Zahlen auf die Serviette schrieb und sie mir rüber schob mit den Worten:
"Wenn du mal Hilfe brauchst oder Aufmunterung, ruf mich an."
Ich steckte dankend die Serviette in meine Tasche und vergrub meinen Kopf in meinen verschränkten Armen, die auf der Kante der Theke lagen.
Langsam schloss ich meine Augen.

~*Sanft spürte ich eine Hand, die über meine Haare streichte.
Ich flüsterte kaum hörbar:
"Endlich bist du wieder da, Justin. Ich hab dich so vermisst."
Ich konnte seinen warmen Atem an meinem Nacken und an meinem Ohr fühlen und seine zärtlichen Berührungen brannten auf meiner ganzen Haut, als ich seine Worte hörte, mit dieser Engelsstimme gesprochen, die sich jedes Mal, wie Samt in meine Ohren legte:
"Ich hab dich auch vermisst, Mein Schatz."
Darauf fühlte ich seine warme weiche Hand an meiner:
"Justin, du bist so warm. Mir ist kalt."
"Was? Dir ist kalt? Dann komm in meine Arme."
Mit geschlossenen Augen stand ich auf und tapste unkoordiniert in zwei starke warme Arme.
"Danke, Justin."
So lange hatte ich seine Stimme nicht gehört, was vermutlich auch der Grund war, wieso jedes Wort, sich noch besser als Musik anhörte:
"Ich liebe dich, Jamie."*~

Auf einmal wurde ich durch einen harten Schlag an meinem Kopf geweckt:
"Was?"
Mein Gespür vernahm Lola Stimme:
"Ryan, du Idiot, nur weil du ihren Kopf an den Türrahmen gestoßen hast, ist sie aufgewacht."
"Lola, dann mach es besser."
"Ne, Ryan, das überlasse ich dir, du machst das ganz gut, aber du siehst doch eindeutig, dass du da nicht durch die Tür kommst, wenn du sie so hältst. Du musst dich nur ein bisschen drehen und Voila, sie passt durch."

"Na toll", sprach ich mir zu. Es war alles nur ein Traum. Ich dachte wirklich das wäre alles nie passiert und er wäre noch bei mir, doch das war er nicht. Ich musste einsehen, ich konnte daran nichts mehr ändern und er würde auch niemals zurück kommen...Niemals.

Darauf spürte ich nur noch, wie ich auf meine weiche Matratze gelegt wurde. Ich streckte meine Hand aus, an die Stelle, wo Justin sonst immer lag, doch...

....er war nicht da.
Ich war alleine.
Hier.
In diesem Bett.
In diesem Haus.
In dieser Welt.
In diesem Leben.
Allein gegen den Rest der Welt.

Automatisch liefen Tränen über meine Wangen und ich schluchzte und rief aus lauter Verzweiflung seinen Namen:
"Justin!"
"JUSTIN!"

Doch, er kam einfach nicht...

Never say NeverWo Geschichten leben. Entdecke jetzt