Chapter-36

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Woher könnten diese Briefe nur kommen?
Wie kamen sie immer einfach auf meinen Fußboden, fragte ich mich im Stillen, während ich schon wieder einen in meiner Hand hielt. Meine Hände wurden nass, den irgendwie hatte ich ein seltsames Gefühl, während ich dieses rechteckige weiße Stück Papier in meinen zittrigen Händen hielt. In langsamen Bewegungen öffnete ich ihn und las:
"An Jamie, von: ..."
Was? Wieso stand dort nicht von wem der Brief ist?
Langsam begann ich nervös zu werden und meine Augen füllten sich merkwürdigerweise mit Tränen.
"Er hatte doch wohl nicht vergessen, den Namen drauf zuschreiben?"
Erbarmungslos riss ich den Briefumschlag nun ab und sah:

"Jamie, mein Herz,
Ich hoffe du hast Spaß mit deinem Hund. Justin. :D
Ja ich hatte den Mann angestiftet, dir diesen Hund schön zu reden, damit du ihn nimmst und wieder einen starken Justin in deinem Haus hast. Ich liebe dich. Heute wird ein schwerer Tag für dich mit meiner Aufgabe. Aber bevor ich dir dies schreibe, möchte ich dich bitten, dass du dir immer wieder zu sprichst, egal was ist, dass ich dich liebe. Ganz Egal, was passiert ist.. Was du gemacht hast. Ich werde dich immer lieben und ich könnte nie aufhören. Glaub mir, ich bin nur glücklich, wenn ich weiß, dass es dir gut geht. Also...ich bitte dich, dass du alle meiner Sachen zusammen sammelst und verbrennst.
Du schafft das, ich kenne dich. Du bist Stark.
In Liebe,

Justin.<3"

Langsam sackte ich auf dem Boden zusammen und begann verzweifelt und hysterisch zu rufen:
"Nein! Nein! Nein!"
Er sollte doch noch gar nicht gehen.
Gott hatte einen anderer Plan für ihn gehabt. Ich weiß es.
Wieso müssen immer die Besten sterben?
Immer die Leute, die ich am Meisten liebe?!
Auf schnellen Schritten trabte ich in die Küche und riss von der Wut gepackt die Schränke auf und schleuderte die Teller raus.
Ich schrie mir die ganze Wut und trauer heraus, während ich einen Teller nach dem anderen an der Wand zersplittern ließ.
Jeder dieser Splitter wurde ganz genau von meinen Augen verfolgt. Wie jedes Stück laut klirrend absprang und ebenfalls laut klirrend auf dem Boden landete.
Es fühlte sich an, als würde jedes Stück jedes Tellers, der den Boden berührte sich durch mein Herz fressen.
Wieso tat mir Justin so was an.
Nun kam auch mein Golden Retriever verängstigt angelaufen und begann zu jaulen, als er die Tränen an meine Wanger herablaufen sah, nur näher treten wollte er nicht, in der Angst auf einen Splitter zu treten. Ich hatte ihn noch nicht lange, Justin, den Hund, vielleicht einen Monat, aber wie dieses Stück in solch einer kurzen Zeit für eine starke Bindung zu mir aufgebaut hatte war unglaublich. Ich lief barfuß über die Scherben zu ihm hin. Es machte mir nichts aus. Dieser Schmerz war nichts verglichen, mit dem Schmerz in meinem Herzen. Das Blut blieb an den Teller Splittern hinterlassen und ich streichelte Justin vorsichtig und beruhigend über die schlappen Ohren. Er schloss genüsslich seine Augen und manchmal hatte ich das Gefühl, als könnte dieser Hund lächeln, aber auf ganz besondere Weise, mit solch einem herzlichen Lachen, wie Justin, mein Verlobter es immer getan hatte.

"Ich kann das nicht", sprach ich mir selbst zu.
Aber ich musste es getan haben, bis der nächste Brief kam. Vielleicht würde er ja schon Morgen kommen? -So wie ich Justin kannte.
Ich stieß einen lauten Seufzer aus, als ich mit meinem Hundchen auf dem Sofa sah und er seinen Kopf auf meinen Schoss gelegt hatte, während ich ihm durch sein Fell streichelte.
Vorsichtig stupste er meine andere Hand an mit seiner kalten Schnauze. Sein Blick konnte fast sprechen und strahlte solch ein Mitleid aus.
"Frauchen hört schon auf zu weinen", versprach ich ihm.
Dieser Hund war so menschlich, dass man es kaum fassen konnte. Von ihm gefolgt tapste ich unsicher hoch in mein Schlafzimmer und begann die ersten Kleidungstücke, die überall im Haus verteilt waren, ein zu sammeln, doch nachdem ich schon das zweite in den großen Blauen Sack gestopft hatte, sackte ich wieder zusammen und stumme Tränen liefen über mein Gesicht und ließen es heiß werden. Schnell holte ich mein Handy raus und rief jemanden an, der mir eine große Hilfe war.

Als ich nach ein paar Minuten die Tür öffnete, stand Ryan vor meiner Tür mit einem Lächeln und fragte:
"Wobei soll ich helfen?"
Ich gab ihm stumm den Brief und nachdem er ihn gelesen hatte, kam Justin angesprungen, während er freudig mit dem Schwanz wedelte und bellte. Er mochte Ryan sehr, das spürte ich.

Eine unfassbare Hilfe war Ryan für mich. Er hatte sich hinter mich gestellt und meine Hand mit seiner Umfasst und meinen Arm gesteuert, wie ich jedes Stück von Justin sorgfältig in dem blauen Sack verstaute. Es brach mir das Herz diese ganzen Erinnerungsstücke weg werfen zu müssen, doch er wollte es so.

Nachdem wir beiden jedes mögliche Teil in drei großen blauen Säcken verstaut hatten, gingen wir in den Garten und er macht einen großen Kreis mit Steinen und zündete ein ebenfalls großes Feuer an. Die Flamme flackerte hin und her. Ich konnte meine Augen kaum von ihr lassen.
Wie eine unentschlossene Seele wippte sie hin und her und zog mich damit in ihren Bann.
Nachdem wir eine Weile dort gestanden hatten und und gewärmt, fragte Ryan:
"Bereit?"
Ich presste meine Lippen zusammen und und schloss die Augen.
Einen Moment lang inne halten und und an nichts denken müssen, tat mir gut.
"Ja.", sage ich zaghaft.
Er nahm den ersten großen Beutel und leerte den ganzen Inhalt über dem Feuer. Langsam sah ich zu, wie alles verbrannte.
"Die Asche von jedem Stück seiner wehte in den Abendhimmel hinein, hoffentlich zu ihm in den Himmel", sprach ich leise.
Ryan sah mich etwas mitleidig an, fast genau derselbe Blick, wie Justin es drauf hatte. Da sah man mal wieder das beste Beispiel, der Hund ist des Mensches bester Freund.
Ich seufzte und er blickt auf einmal, die Sachen von Justin, die er bei unserem "Never say Never" dreh anhatte. Bei diesem Song hatte etwas ganz besonderes begonnen, nämlich, dass wir uns kennen gelernt hatten.
Leise Tränen begannen sich ihren Weg aus meinen Augen bahnen und Ryan breitet seine Arme tröstend aus, in die ich schluchzend hinein fiel. Es war ein gutes Gefühl, meine ganze Trauer und teilweise auch Wut bei jemandem aus weinen zu können.
Sanft streichte er mir über meinen Rücken und wir beide sahen in das Feuer. Wie konnte jemand, mit dem ich bis jetzt kaum etwas zu tun hatte, nur so liebevoll zu mir sein?
Obwohl, wir schon ziemlich viel zu tun hatten.
Er war sowas, wie mein bester Freund geworden.
Ich sah zu ihm hinauf und blickte in diese strahlend braunen Augen. Einen Moment lang verlor ich mich in ihnen und er bewegte seinen Kopf langsam auf mich zu.
Wollte ich ihn küssen?
Auf einmal bellte Justin und wir beide schreckte, wie als ob wir bei irgendetwas erwischt worden wären, aus einander.
"Ich geh dann mal ins Bett, Gute Nacht.", sprach ich verlegen aus.
"Gute Nacht", verabschiedete er sich nachdenklich von mir.

Never say NeverWo Geschichten leben. Entdecke jetzt