A I D E N
Weitere eineinhalb Wochen waren vergangen und langsam konnte ich nicht mehr. Meine Psyche ging mit jedem Tag einen Schritt näher gen Abgrund und ich konnte spüren das ich nicht mehr lange sein würde. Mich suchten mehrere Panikattacken täglich heim, alles was ich in den vergangen Tagen zu mir genommen habe ist Heroin und Oxycodon.
Ich hatte schlichtweg keine Lust mehr zu leben.
Um ehrlich zu sein, würde ich auch nichts verlieren wenn ich mich jetzt tatsächlich umbringen würde. Ich hatte nichts mehr zum Verlieren übrig.
Meine Kopfhörer definitiv zu laut aufgedreht, schlurfte ich in die Küche und rauchte erstmal ein paar Kippen. Eben war ich endlich aufgestanden, doch heute war etwas anders. Ich spürte keinen einzigen der Nikotinzüge. Meine Gedanken waren leer. Und plötzlich war es mir klar. Heute würde mein Ende sein. Ich hatte es im Gefühl, dass ich morgen nicht mehr aufwachte, besser gesagt dafür sorgen werde, dass ich nicht mehr aufwachte.
Nach ein paar weiteren Zigaretten gab ich es auf und ging stattdessen meinen Oxys an den Kragen. Zwei von ihnen fanden ihren Weg in meinen Körper und angespannt wartete ich auf die Wirkung, die in letzter Zeit definitiv in ihrer Intensität nachgelassen hat. Es wurde dank meiner hohen Toleranz immer schwieriger meinem Verlangen gerecht zu werden.
Als sich das Medikament schließlich etwas bemerkbar machte, beschloss ich Alex Grab zu besuchen. Zu seiner Beerdigung bin ich nicht gegangen, was ich im Nachhinein ein bisschen bereue, aber mein Kopf hätte das nicht ausgehalten. Seine Familie kannte mich auch nicht, da wäre es eventuell ein bisschen komisch wenn auf einmal ein Junkie den keiner kennt auf der Beerdigung deines Sohnes auftauchen würde.
Es war bereits nach 5 Uhr, doch ich wollte meine letzte Gelegenheit nutzen.
Ich fuhr zum Friedhof, das richtige Grab zu finden war nicht allzu schwer. Ich setzte mich vor der Marmorplatte im Schneidersitz auf den Kies und betrachtete es zuerst nur.
Es war schön geschmückt, mit Kerzen und Blumen. Ein eingerahmtes Foto stand ebenfalls davor. Ich seufzte leise.
„Ey Bro, was machst du für eine Scheiße?" murmelte ich leise. Ich verspürte plötzlich den Drang zu reden. Meine Gedanken auszusprechen. Was ich schließlich auch tat. Ich redete sicher schon über zwei Stunden einfach vor mich hin, so gesehen auch etwas komisch. Ich redete von meinen Panikattacken, meiner Sucht, meinen Schlafproblemen, im generellen alles was einem Probleme bereiten kann. Doch auch über Grace sprach ich. Wie sehr es mich verletzt hat als sie mich verließ, mein Schlechtes Gewissen ihr gegenüber.
„Ey Alex, ich komm dich und Sky bald besuchen" flüsterte ich mehr zu mir selbst als in Richtung des Gesteines während ich eine Kerze anzündete. Ich war zwar nicht gläubig, doch meiner Meinung nach haben Kerzen nichts mit einer Religion zu tun, sonder sind ein Zeichen des Respekts.
Mit einem letzten Blick auf die Ruhestätte, zog ich mich zurück und verließ den Friedhof nach einiger Zeit wieder. Langsam setzte die Dämmerung ein.
Zuhause versuchte ich noch einmal mich mit Nikotin zu beruhigen, doch auch dieser Versuch blieb erfolglos.
Aufgrund meiner Langeweile beschloss ich etwas zu tun, was ich niemals von mir selbst erwartet hätte.
Ich schrieb einen Brief.
An Grace.
Irgendwer musste mich schließlich irgendwann finden und dann würde auch der Brief Grace irgendwie erreichen.
Die ganze Aktion dauerte länger als gedacht und ich brauchte über eine Stunde um diesen Zettel fertig zustellen. Zu meiner Verteidigung musste ich aber sagen, dass Deutsch noch nie meine Stärke war. Sowas wie einen Briefumschlag besaß ich nicht, also faltete ich das Blatt einmal in der Mitte und legte es in die Mitte des Tisches. Das restliche Zettelwerk das so rum lag trennte ich klar von meinem Meisterwerk ab und schob es mit dem Unterarm von der Tischplatte auf die Bank und teilweise den Boden. So ein Chaos wie in meiner Wohnung herrschte machten diese paar Zettel mehr oder weniger auch nicht viel aus. Ein letztes mal wagte ich mich an meine Zigaretten und rauchte eine weile mit meinen Kopfhörern in den Ohren.
Wär hätt's gedacht? Natürlich Lil Peep.
Ich ging auf den Balkon und ließ meinen Blick noch einmal über die Stadt schweifen. Diesen Ausblick würde ich sicher nicht vermissen. Alles andere als schön.
Sobald ich unter mir nichts interessantes zu sehen hatte hob ich meinen Blick Richtung Himmel. Dieser Ausblick entsprach schon mehr meinem Geschmack. Mein erfundenes Hobby ‚Himmel-und-Wolken-beobachten' mochte ich immer noch und würde es auch vermissen. Vielleicht gibt es ja im Himmel einen anderen Himmel? Obwohl, sollte ich heute wirklich sterben bezweifelte ich das ich in den Himmel gehen würde, insofern so etwas wie Himmel und Hölle tatsächlich existiert. Und vor allem, wer sollte bitte entscheiden wer gut und wer böse ist? Jeder hat eine Böse Seite, keiner ist in seinem innersten vollkommen gut. Wenn es um Leben und Tod geht zeigen die Menschen ihre wahre Gestalt, auch wenn es vielen nicht gefällt. Es gibt meiner Meinung nach keine Grenze zwischen Gut und Böse.
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Broken apart
Roman pour AdolescentsEin Mädchen dessen Leben gerade am zerbrechen ist, trifft auf einen Jungen dessen Leben schon zerbrochen ist... ,,Menschen sind nicht ohne Grund so wie sie sind. Sie wurden dazu gemacht" Das wird einem aber erst bewusst, wenn man sich selbst verände...
